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Haase: Hoffnung auf gegenseitiges Verständnis

Biogasanlage am Breiten Anger Haase: Hoffnung auf gegenseitiges Verständnis

Sie stand zur Debatte im Ortsrat Mingerode, sie sorgt für Beschwerden, wie Sabine Holste Hoffmann von der Stadt Duderstadt am Freitag berichtete: die Belieferung der Biogasanlagen im Eichsfeld.

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Blick aus der Fahrerkabine: Auf dem Wirtschaftsweg zwischen Mingerode und Westerode begegnen sich zwei Traktoren.

Quelle: Thiele

Anlieger der Fahrwege klagen über Verschmutzung, Lärmbelästigung und befürchtete Beschädigungen der Straßen. Das Tageblatt machte sich selbst ein Bild von den Arbeitsabläufen eines Erntetages und war einen Vormittag in der Biogasanlage am Duderstädter Breiten Anger dabei.

Sie prägen in diesen Tagen das Straßenbild, die Traktoren mit ihren überdimensionalen Anhängern, gefüllt mit gehäckseltem Mais, der sich gerne auch an die Straßenränder verirrt. Ein Ziel ist die Biogasanlage am Duderstädter Breiten Anger.

Neun Tage im Jahr ernten die 14 Anteilseigner für die Silage, mit der für das Unternehmen Otto Bock Biogas erzeugt wird. „Es ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt abzupassen und dass wir an einem Stück ernten. Wenn wir einen Tag Pause einlegen würden, käme es zu einem finanziellen Verlust, und die Silage würde an Qualität verlieren“, erläutert Hans-Hermann Haase, Leiter der Biogasanlage. Geerntet werde in einem Bereich von sechs bis sieben Kilometern rund um die Anlage. Betroffen seien die Dörfer Mingerode, Obernfeld, Seulingen, Desingerode, Immingerode, Tiftlingerode und Westerode. Durch letztgenannten Ort führte der Weg am vergangenen Donnerstag.

Breit genug ist der Kreisel in Richtung Westerode. Im Ort muss der Traktor einmal halten, weil die Fahrbahn durch ein am Straßenrand geparktes und ein auf der Gegenspur entgegenkommendes Fahrzeug verengt wird. Dennoch ist der Wirtschaftsweg nach Mingerode in wenigen Minuten erreicht. Der Traktor schert aus, um einbiegen zu können, das ihm folgende Auto hält den nötigen Sicherheitsabstand. „Viele können es doch richtig einschätzen“, weiß Karl Nolte aus Erfahrung, denn er ist Beiratsmitglied der Biogas Duderstadt GmbH und sitzt seit dem Jahr 2007 selbst als Anlieferer auf dem bis zu 40 Kilometer pro Stunde fahrenden Traktor. So oft wie möglich versuchten die Fahrer, die Wege außerhalb der Ortschaften zu nutzen, unterstreicht Nolte.

Was, wenn ihm auf der schmalen Fahrbahn ein ebenso großes Fahrzeug, wie er es steuert, entgegenkommt? Nolte: „Ganz einfach, einer weicht aus.“ Schwer vorzustellen bei dieser Größe, doch die Antwort soll auf der Rückfahrt veranschaulicht werden.

Auf dem Maisfeld am Loh angekommen, positioniert Nolte das Gefährt neben der Häckselmaschine, die zweite Maschine ist gerade dabei, einen anderen Anhänger zu befüllen. „15 Minuten, dann sind wir voll“, sagt Nolte und fährt parallel zum Häcksler einmal rund ums Feld. „Insgesamt ernten wir am Tag rund 40 Hektar, zusammen macht das in diesem Jahr 280.“ Kein Wunder, denn immerhin schaffen die Häckselmaschinen sechs beziehungsweise acht Reihen der mittlerweile drei Meter hohen Pflanze gleichzeitig.

„Wir sind in diesem Jahr sehr spät dran mit der Ernte. Das hat damit zu tun, dass der Mais durch den feuchten Sommer nochmal ordentlich gewachsen ist und erst jetzt den von uns gewünschten Trockengrad erreicht hat“, erklärt Nolte, während er ohne große Anstrengung den Rückweg zur Anlage einschlägt. Schwieriger würde es sich gestalten, das Gefährt über den doch recht weichen Untergrund zu befördern, wenn Regen einsetzen würde. So ist das Profil der Treckerreifen zwar mit Dreck gefüllt, doch der ist sehr schnell wieder abgefahren.

Auf dem Rückweg dann der zu Anfang befürchtete Fall. Ein ebenso großes Gespann – eines von sieben, die sich parallel im Einsatz befinden – nähert sich. Kein Problem allerdings, denn dessen Anhänger ist leer. „Der kann locker auf den Seitenstreifen ausweichen“, meint Nolte. „Schlecht ist es nur, wenn der beladene Hänger an eine unbefestigte Seite fahren muss. Das Risiko, dass die Zwölf-Tonnen-Ladung Mais umkippt, ist dann groß.“

Zum Glück sei dies – anders als bei der Biogasanlage in Krebeck-Wollbrandshausen – noch nicht passiert. „Die hatten damals auch noch Glück im Unglück, denn er ist auf den Silagehaufen gefallen“, erinnert sich Biogasanlagen-Leiter Haase.
In diesem Zusammenhang spricht dieser die immer wieder aufkommende Kritik an der Belieferung der Biogasanlagen an. „Ich denke, dass viele nicht richtig informiert sind. Deswegen geben wir gerne Einblick in die Abläufe.“

In jedem Jahr werde die Ernte-Logistik mit Stadt, Ordnungsamt, Landvolk und Polizei abgesprochen, um Lärmbelästigung und Verschmutzung so gering wie möglich zu halten. „Sicherlich lässt es sich nicht vermeiden, dass etwas von dem gehäckselten Mais vom Wagen fällt, doch wir sorgen dafür, dass er da, wo es nötig ist, auch wieder weggemacht wird. Wir haben uns dafür extra eine Kehrmaschine zugelegt“, erzählt Haase. Dies geschehe während der Arbeiten und auch danach.

Beschädigungen der Straßen schließt Haase aus. „Das Volumen ist groß, das Gewicht aber nicht. Wir fahren mit Niederquerschnittsreifen und die haben eine große Auflagefläche“, so Haase, der sich für die Zukunft noch mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Landwirten und Anwohnern erhofft.

„Es sollen alternative Energien kommen, aber es gibt leider noch zu wenig Verständnis“, bedauert Nolte und biegt auf das Gelände der Biogasanlage ein. Vorsichtig überquert er die Waage, die in den Erdboden eingelassen ist. Erst wird die erste Achse, dann die zweite gewogen. Gibt es grünes Licht, fährt der Fahrer – so wie Nolte – auf den mittlerweile drei Meter hohen Silagehaufen und lädt den Mais ab. Danach verteilt ein anderer Traktor mit wassergefüllten Zwillingsreifen und einem zusätzlichen Gewicht das Gehäckselte. Auf diese Weise sorgt er dafür, dass die Masse verdichtet wird, um eine optimale Silage zu garantieren, die in fünf Tagen mit einer Plastikplane abgedeckt wird und bis zum nächsten Herbst für die Biogasproduktion ausreicht.

Von Kristin Kunze

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