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„Händchenhalten und Alkohol: undenkbar“

Internationales Abitur „Händchenhalten und Alkohol: undenkbar“

Sonne, Meer – und das in Down Under, am anderen Ende der Welt. Vom „Autralien-Virus“ wurde die Fuhrbacherin Maurine Magka bereits als kleines Kind befallen, als sie zum ersten Mal mit ihren Eltern im Wohnmobil über den fünften Kontinent reiste.

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Strenge Kleiderordnung: Maurine mit ihrer Abitur-Abschlussklasse 2009 in Adelaide/ South Australia.

Quelle: EF

In der Grundschule hörte sie dann von der Möglichkeit, mit sechzehn zum Schüleraustausch nach Australien zu gehen. Und als sie endlich sechzehn war, verabschiedete sich die Gymnasiastin aus dem Eichsfeld. Ihr Ziel war Adelaide in South Australia, eine Küstenstadt am Indischen Ozean, die mit ihren 250 zugehörigen Ortschaften über eine Million Einwohner zählt. Nach einem Jahr Schüleraustausch war Maurine allerdings keineswegs genesen vom „Australien-Virus“ – eher im Gegenteil: Sie beschloss zu bleiben und in Australien ihr Abitur zu machen.

„Mit der Schuluniform hatte ich keine Probleme, im Gegenteil. Das ist so erleichternd, sich morgens keine Gedanken machen zu müssen wie man sich aufstylt, um bei den anderen mithalten zu können“, sagt Maurine. Sie war Schülerin des Woodcraft Colleges, einer Privatschule, wo es möglich ist, ein internationales Abitur zu machen. Dort tragen die Mädchen Rock und Blazer, aber auch an öffentlichen australischen Schulen gibt es Uniformen. „Die fallen manchmal etwas einfacher aus, beschränken sich zum Beispiel auf ein einheitliches Shirt“, erklärt Maurine. Das australische Schulsystem ist dem deutschen ähnlich: Die Junior School geht bis zur sechsten Klasse, die Middle School bis zur neunten, die Senior School umfasst die zehnte bis zwölfte Klasse, wobei allerdings für das Abitur nur die beiden letzten Jahre an der jeweiligen High School absolviert werden müssen. Es ist also auch Schülern anderer Schulen erlaubt, hier ihr Abitur zu machen. Strenge Anforderungen stellt das internationale Abitur bei der Fächerkombination, was vergleichbar ist mit dem Wahlpflichtsystem der deutschen Oberstufe.

„Der Unterricht beginnt erst um 9 Uhr, da ist man den ganzen Tag über viel ausgeschlafener“, hat Maurine festgestellt. Vor 16 Uhr sei sie nie zu Hause gewesen, dann kamen noch die Hausaufgaben. Und der Job. „Mit sechzehn darf man 20 Stunden pro Woche arbeiten. Jeder Schüler sucht sich sofort einen Job“, erklärt die Eichsfelderin. Sie selbst hat Kurse in einem Fitnesscenter gegeben. Sehnsucht nach attraktiven Freizeitbeschäftigungen kommen bei so einem Tagesablauf nicht auf. „Die Schule bietet alles an, Sport, Spiel, Kunst. Man braucht keinen Verein und ist dauernd mit seinen Freunden zusammen,“ zieht Maurine die positive Bilanz. Allerdings seien die Anforderungen nicht zu unterschätzen. „Einen guten Abschluss zu machen, ist in Deutschland auf jeden Fall einfacher. Manchmal war ich verzweifelt und dachte, ich schaffe das nicht.“ Trotz sommerlicher Hitze von über 40 Grad sei es undenkbar, dass Unterricht ausfallen würde. Als undenkbar gilt es auch, mit seinem Freund händchenhaltend über den Schulhof zu schlendern, Alkohol und Drogen zu konsumieren, in der Schule Make Up aufzulegen oder das Schulgelände während der Unterrichtszeiten zu verlassen.

Essen gibt es an der schuleigenen Kantine. „Das ist eher ein Kiosk. Zum essen setzt man sich einfach irgendwo auf den Boden“, lacht die Fuhrbacherin. Nur im Winter sei das manchmal etwas kühl bei Temperaturen um die zehn Grad und im Uniform-Rock. „An die strengen Regeln gewöhnt man sich“, sagt Maurine. Positiv sei ihr aufgefallen, dass die Lehrer alle sehr motiviert seien: „In der Schule in Deutschland hatte ich oft das Gefühl, die Lehrer würden am liebsten sofort wieder nach Hause gehen. In Australien fühlt man sich als Schüler rundum gefördert und ernst genommen.“ Allerdings hat sie auch bemerkt, dass durch den ständigen Aufenthalt in der Schule und das Rundum-Programm die australischen Jugendlichen zwar viel behüteter seien als das an deutschen Schulen der Fall wäre, dafür seien die deutschen Schüler vergleichsweise reifer und selbstständiger. Das hat auch Maurines Gastmutter Dianne bemerkt, zu der sich ein sehr enges Verhältnis entwickelt hat. „Dianne ist wie eine zweite Mutter. Sie vertraut mir voll, deshalb war sie auch nicht so streng wie manch andere“, erzählt die Fuhrbacherin.

Um nach Australien zu gelangen, ein Visum zu bekommen, Gastfamilie und passende Schule zu finden, hatte sich Maurine an eine Agentur gewandt. „Das würde ich aber niemandem empfehlen, da ist einiges schief gegangen. Wer als Austauschschüler nach Australien will, sollte am besten gleich mit der jeweiligen Schule Kontakt aufnehmen,“ rät sie. Die Schulen kümmerten sich um alles, inklusive Gastfamilie, Visum, Flug und diverse Vorbereitungen auf das neue Land.

Maurine hat ihr internationales Abitur am Woodcraft College geschafft. Nachdem sie ein Praktikum beim Tageblatt absolvierte, beginnt demnächst ihr PR-Studium – natürlich in Adelaide/ Australien.

Von Claudia Nachtwey

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