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Herbert Blaschke erster Leiter des Heimatmuseums Duderstadt

„Meine Kunst schenkt mir Freiheit“ Herbert Blaschke erster Leiter des Heimatmuseums Duderstadt

Im Rahmen der Sonderausstellung „Wiederentdeckt! Schätze aus dem Depot“ im Heimatmuseum Duderstadt stellt das Eichsfelder Tageblatt anerkannte Duderstädter Künstler vor, von denen Werke in der aktuellen Ausstellung  zu sehen sind. Folge drei: Herbert Blaschke.

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Pferdebrunnen auf der unteren Marktstraße: Die Werke Herbert Blaschkes sind in Duderstadt präsent.

Quelle: Richter

Duderstadt. „Komme mit sechs Personen.“ Das vergilbte Telegramm aus dem Jahr 1946 ist an den Rändern ausgefranst. Der damals 45-jährige Herbert Blaschke schickte es zur Familie Mecke nach Duderstadt, weil er seine Heimat Schlesien verlassen musste.

Unmittelbar nach dem Krieg, den Hitler-Deutschland verloren hatte, ging es ihm wie zigtausend anderen, die nun im Kerngebiet des ehemaligen Deutschen Reiches eine neue Existenz suchten. Helmut Mecke fand den wenige Zeilen umfassenden Hilferuf im kleinen Privatarchiv, das er von seinem Vater Karl übernommen hat.

Den Druckerei-Besitzer verband eine lebenslange Freundschaft mit Herbert Blaschke, dem späteren Leiter des Duderstädter Heimatmuseums. Bereits einige Jahre vor dem Krieg hatten sich die beiden jungen Leute kennengelernt: „Mein Vater machte 1932 seine Meisterprüfung in München und ging nach Schlesien zur Druckerei Franke“, sagt Helmut Mecke.

Dort freundete er sich schnell mit dem damals 31-jährigen Blaschke an, der in Habelschwerdt in der Grafschaft Glatz gerade sesshaft wurde – zusammen mit seiner ersten Frau Else war er mit Hausbau und Familiengründung beschäftigt.

Im Rahmen der Sonderausstellung „Wiederentdeckt! Schätze aus dem Depot“ im Heimatmuseum Duderstadt stellt das Eichsfelder Tageblatt anerkannte Duderstädter Künstler vor, von denen Werke in der aktuellen Ausstellung  zu sehen sind. Folge drei: Herbert Blaschke.© Richter

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Geboren wurde Herbert Blaschke als Sohn eines Maurers im schlesischen Breslau. „Dort wuchs er bei seinen Großeltern auf“, erzählt sein Sohn Antonius Blaschke, der in Tiftlingerode lebt und das Familienerbe hütet. Schon früh zog es den Vater zu seinem späteren Beruf: Als „Freunde seiner Kindheit“ bezeichnete er später einmal rückblickend Farbkasten und Zeichenstift. Nach der vierjährigen Lehre als Dekorationsmaler konnte er dank eines Mäzens fünf Semester Graphik und Malerei an der Breslauer Kunstakademie studieren.

1923 zog es den Großstädter weg vom „Inflationswahnsinn“ in die Berge der oberen Grafschaft nach Neundorf, wo er bis 1928 als freischaffender Künstler lebte. Seine Aufträge fand er vielfach in den Orten der Region, wo er Kirchen, Kapellen und Krankenhäuser ausmalte, wie in Sandberg oder Altweistritz. „Wohlhabend wird mich meine Kunst kaum machen, aber sie schenkt mir Selbstständigkeit und Freiheit, und sie führt mich einen Läuterungsweg zu Gott“, beschrieb es Blaschke damals selbst.

1930 war er vom evangelischen zum katholischen Glauben konvertiert. Zeit seines Lebens blieb der Glaube Inspirationsquell und Halt zugleich, wie viele seiner Werke mit christlichen Motiven belegen. Dem Nationalsozialismus konnte er nicht viel abgewinnen:

Hakenkreuz nicht dargestellt

Als er 1939 eine Königsscheibe zum Schützenfest gestalten sollte, umging er den Auftrag, ein Hakenkreuz darzustellen, „indem er den Großteil des NS-Symbols hinter einer Falte der gemalten Fahne verschwinden ließ“, so beschreibt es Werner Taubitz im Jahrbuch der Grafschaft Glatz zum 20. Todestag des Künstlers 1993.

Nach kurzer amerikanischer Gefangenschaft konnte Herbert Blaschke 1946 mit dem letzten Transport nach Westdeutschland Schlesien verlassen und kam im westfälischen Schöppingen in der Nähe von Münster unter, mit ihm 80 Landsleute aus Habelschwerdt, darunter seine spätere zweite Frau Annemarie. Im bäuerlichen Westfalen war es nicht leicht, erneut als zunächst unbekannter Künstler Fuß zu fassen. Blaschke gelang es trotzdem, er eignete sich weitere Techniken aus dem Bereich der Bildhauerei an.

Um Mosaiken herstellen zu können, entwickelte er die Kupfersteg-Mosaik-Technik: Mit Kupferbändern wird zunächst die gewünschte Form „gezeichnet“ und dann mit Marmorsteinen oder farbigen Kunststeinen ausgelegt. Auch im Eichsfeld sind viele dieser Werke heute noch zu sehen, so das Kreuz in der Duderstädter Friedhofskapelle und das Christophorus-Mosaik an der Dorfstraße in Seulingen.

Übernahme des Heimatsmuseums

Im Januar 1963 kam Blaschke mit seiner Familie ins Eichsfeld, um das Duderstädter Heimatmuseum als erster Leiter zu übernehmen. Die wirtschaftlich harten Zeiten waren mit 62 Jahren endlich vorbei, und er widmete sich mit Leidenschaft der Sammlung und besuchergerechten Präsentation der Museumsstücke.

Auch als Chef des Museums blieb er seiner Berufung als Künstler treu, malte, zeichnete und fertigte seine charakteristischen Mosaike. Von ihm stammt auch der Entwurf des Pferdebrunnens. Mit dem Maler Heino Zinserling, dem gebürtigen Duderstädter, verband ihn eine freundschaftliche Kollegenbekanntschaft.

Seinen letzten Auftrag, ein Mosaikwappen für die Samtgemeinde Gieboldehausen zu fertigen, konnte er nicht mehr selbst ausführen, sein Sohn Antonius übernahm die Arbeit. Am 2. November 1972 starb Herbert Blaschke.
Wer sich ein eigenes Bild über Herbert Blaschke machen möchte, hat dazu noch bis Ende März Gelegenheit. Öffnungszeiten: Freitags bis Sonntags 11 bis 16 Uhr.

Von Birgit Freudenthal

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