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Hinter jedem Stein verbirgt sich eine Geschichte

Buch der Geschichtswerkstatt Hinter jedem Stein verbirgt sich eine Geschichte

Im Herbst 1812 zogen fünf jüdischen Familien nach Duderstadt und gründeten eine jüdische Gemeinde. Die Geschichtswerkstatt Duderstadt nimmt den 200. Jahrestag dieses Ereignis zum Anlass, ein Buch über die sogenannten Stolpersteine herauszubringen, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

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Steht für ein Schicksal: Kunstobjekt Stolperstein vor dem Haus Bei der Oberkirche 2.

Quelle: Thiele

Duderstadt. 26 dieser Stolpersteine verlegte der Künstler Gunter Demnig, Erfinder des Projekts, 2007 und 2008 in Duderstadt. Stolpersteine sind kleine, quadratische Messingtafeln, die vor der letzten frei gewählten Wohnstätte von Opfern des Nationalsozialismus in den Boden eingelassen sind. In die Messingplatten sind Name, Geburtsjahr und weitere Daten wie das Datum der Deportation und der Ermordung der Opfer eingelassen. Es gibt sie mittlerweile in 500 Städten Deutschlands.

Stolpersteine sollen an die Opfer erinnern und ermahnen, die Verbrechen des NS-Regimes nicht zu vergessen. Hinter jedem Stolperstein verbirgt sich die Geschichte eines Menschen, ein Schicksal. Diese Geschichten werden in dem Buch der Autoren Guntram Czauderna und Götz Hütt erzählt, die Schicksale dokumentiert.

Stolpersteine liegen beispielsweise in der Obertorstraße 59. An dieser Stelle stand ein inzwischen abgerissenes Gebäude, in dem ab 1939 alle in Duderstadt verbliebenen Juden leben mussten. Sie wurden gezwungen, Radioapparate und andere Gegenstände abzugeben, die Kinder durften keine öffentliche Schule besuchen und Juden wurden weniger Lebensmittel als den deutschen „Volksgenossen“ zugestanden – nur einige der Repressionen, unter denen Juden in Nazi-Deutschland litten.

Berta Rosenbusch lebte im Duderstädter Judenhaus

In dem sogenannten Judenhaus lebte unter anderem die Familie Israel. Joseph, Selma und ihre Söhne Leo (18) und Norbert (10) wurden 1942 an die Geheimen Staatspolizei (Gestapo) Hildesheim übergeben und in das Warschauer Ghetto deportiert. Die komplette Familie wurde an einem unbekannten Ort an einem unbekannten Datum ermordet. Der älteste Sohn Hans wurde bereits 1941 in das Ghetto Minsk deportiert und an unbekanntem Ort ermordet. Auch Selmas Mutter Berta Rosenbusch lebte im Duderstädter Judenhaus – sie wurde in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und starb dort.

Eine Geschichte erzählt auch der Stolperstein am Haus Bei der Oberkirche 2. Er steht für das Schicksal von Heinrich Kötter. Der Priester wirkte in Duderstadt als Kaplan, wurde denunziert und von der Gestapo am 5. Dezember 1941 in das KZ Dachau gebracht. Er gehörte zum Arbeitskommando „Plantage“ und musste Pflug oder Egge ziehen. Er überlebt und wurde am 6. April 1945 befreit.

Diese und weitere Fälle hat die Geschichtswerkstatt Duderstadt recherchiert und zusammengetragen. Auch handschriftliche Briefe der Opfer, Reden zum Thema Stolpersteine und Bilder der Messing-Mahnmale haben in dem Buch „Stolpersteine in Duderstadt“ ihren Platz.
Das Buch „Stolpersteine in Duderstadt“ von Guntram Czauderna und Götz Hütt ist für 3,50 Euro bei der Geschichtswerkstatt Duderstadt sowie im Buchhandel erhältlich, ISBN 978-3-8391-4140-3.

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Denkmal in Christian-Blank-Straße

Am Denkmal für Gefallene beider Weltkriege in der Christian-Blank-Straße hat die Geschichtswerkstatt Duderstadt einen Friedensglobus aufstellen lassen. Als Kontrast und Ergänzung zu den dort 1923 errichteten und 1945 weiter ausgestalteten Gedenksteinen solle der Globus als Symbol des Friedens zum Nachdenken anregen, sagte Vorsitzender Götz Hütt während einer Gedenkstunde am Dienstag.

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