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Hotel Zum Löwen Duderstadt: Neues von der Baustelle

Der Letzte macht das Licht an Hotel Zum Löwen Duderstadt: Neues von der Baustelle

„Hier bitte nicht drauftreten!“, ruft Matthias Solf, der im zweiten Obergeschoss den Fußboden verlegt. Graue Platten, eine nach der anderen, ordnet Solf an. Michael Herz arbeitet auf derselben Etage – in den beiden Apartments, die hier entstehen sollen.

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Hier ist noch nicht aufgeräumt: Erich Wolfertstetter verlegt im Wurstboden alte Holzbretter.

Quelle: Thiele

Duderstadt. Aber der 24-Jährige kann nicht vorzeigen, was er schon alles geschafft hat in dem einen Jahr, das er – mit ein paar Unterbrechungen – auf der Baustelle verbracht hat. Würde man seine Arbeit sehen, hätte er irgendetwas falsch gemacht. Herz ist Elektroniker, zu seinem Job gehört es, Materialien und Konstruktionen für das Auge verschwinden zu lassen. Hier der Macher, dort der Tüftler.

Um einen Eindruck von dem zu bekommen,worum sich Herz gekümmert hat, schaut man am besten hinter eine unscheinbare weiße Klappe, hinter der 40, 50 Kabel in unterschiedlichen Farben hängen – verkettet und sortiert. Sie verschwinden oben in der Wand und kommen in den verschiedenen Räumen an den Steckdosen wieder heraus, die für Fernseher, Laptop und Radio vorgesehen sind: 21 sind es allein in Wohnung eins.

Bauarbeiten im Hotel zum Löwen - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

„Verdrahtungsplan“, „logische Wege“, Übergriff- und „Klemmpunkte, die das weiterleiten“: Wenn man Herz’ Erklärungen zuhört, sieht man schlagartig wieder seinen Physiklehrer vor sich. Herz gehörte in der Schule zu jenen, bei denen Stromkreise und Mathe-Klausuren keine Langeweile oder Panik auslösten. „Ja, Mathe – Physik“, sagt er, und es klingt verlegen, das waren seine Fächer.

Wenn alle anderen Arbeiten getan sind, die Maler da waren und die Böden verlegt sind: Dann wird auch der Strom im neuen Hoteltrakt angeschaltet. Dann wird Herz noch einmal durch die Räume gehen, überprüfen, ob die Geräte funktionieren und die Fernsehkanäle programmieren.

Auf der Baustelle gilt: Der Letzte macht das Licht an. Und auch als es losging mit den Arbeiten, waren es Herz und seine Kollegen, die Leuchtstofflampen befestigten und mit Baustromkästen kamen. Herz ist so eine Art Lichtbringer auf der Baustelle.

Unten im Keller, zwischen weißen Kabeln und Kisten mit Weingläsern, ist Alexander Niesing (34) unterdessen damit beschäftigt, einen Fahrstuhl-Eingang wieder zuzumauern. Vor zehn Jahren etwa wurde der Schacht gebaut, der Zugang lag aber auf der falschen Seite. Gar nicht weit weg, in den ehemaligen Räumen der Ihr-Platz-Filiale, tunkt der Dingelstädter Christian Koch (26) die Kelle in den Mörtel.

Für den Wurstboden extra altes Holz

Hier soll eine alte Lüftung dichtgemacht werden. Die Arbeiten der beiden Maurer erinnern daran, dass am selben Ort schon einmal andere Bauleiter und Handwerker Zimmer studiert, Pläne gemacht, Projekte umgesetzt haben. Spuren aus vergangenen Jahren. Irgendwann wird ein Handwerker vielleicht auch die Arbeiten von Koch und den anderen wieder einstampfen.

Für den Wurstboden allerdings hat man extra altes Holz eingekauft. Die dunklen Fußbodenbretter, die Schreiner Hubert Birnbacher (36) verlegt, sind knapp 100 Jahre alt. Aus einer Scheune wurde das Holz ausgebaut. Es sei nicht noch einmal behandelt worden, sagt sein Kollege Erich Wolfertstetter (48).

Dann begutachtet er eine der Bodenleuchten, die später in das Holzbrett eingelassen werden sollen, justiert sie sorgfältig. Hier auf Etage vier im Wurstboden bettet man das alte Material in eine moderne Ästhetik ein. Überführt es in einen neuen Zusammenhang.

Von Telse Wenzel

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