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Inklusion: Zukunftsmodell oder Überforderung?

Ökumenischer Dialog Inklusion: Zukunftsmodell oder Überforderung?

Eine Podiumsdiskussion zum Thema Inklusion haben das katholische Bildungswerk Untereichsfeld und die Evangelische Erwachsenenbildung Südniedersachsen im Foyer der Sparkasse Duderstadt initiiert. Der große Andrang an Interessierten und Betroffenen zeigte, wie dieses Thema die Gemüter bewegt.

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Das Thema Inklusion bringt Vertreter der Kirchen, der Schulen und der Lebenshilfe zusammen an einen Tisch.

Quelle: Schneemann

Duderstadt. Martin Struck, Schulleiter der Pestalozzi-Förderschule, referierte zunächst über die rechtlichen Aspekte der Inklusion. Erst 2006 sei in der Behindertenkonvention der UNO-Generalversammlung in New York beschlossen worden, dass Menschen mit Behinderung nicht vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden dürften, so Struck. Die Ratifizierung durch die Bundesrepublik erfolgte 2009. „Inklusion bedeutet also, das System passt sich allen Kinder an, nicht umgekehrt“, erläuterte Struck.

Gerade in diesem Zusammenhang meldeten sich weitere Schulleiter zu Wort wie Stefan Hoppe (Heinz-Sielmann-Realschule), Sabine Freese (Berufsbildende Schulen Duderstadt) und Daniela Breckerbohm (St.-Ursula-Schule). Für die Schulen sei mit der Inklusion ein riesiger personeller und finanzieller Aufwand zu bewältigen.

Was gelebte Inklusion bedeute, erläuterte Manfred Thiele, Vorsitzender der Lebenshilfe Duderstadt, indem er die Angebote des Vereins beschrieb: „Wir wollen aus der Begegnungsstätte herausgehen, wir wollen Vorurteile abbauen und Angehörige entlasten“, erklärte er. Vieles sei schon erreicht worden, dennoch müssten Bevölkerung und Politik weiterhin für die Bedürfnisse von Behinderten sensibilisiert werden, um ihnen die Teilnahme am öffentlichen Leben zu ermöglichen, so Thiele. Dass in diesem Rahmen beispielsweise auch der Kontrast zu den Anforderungen des Denkmalschutzes diskutiert werden müsse, ergänzte Propst Bernd Galluschke. Seine Vision sei ein inklusiver Campus, wo sich die Menschen gegenseitig wahrnähmen.

Superintendent Volkmar Keil vom Kirchenkreis Harzerland bezeichnete die Inklusion als die einzige konsequente Einrichtung, die aber im Moment eine grandiose Überforderung bedeute. Er sprach sich zudem gegen eine Rückkehr zur Nicht-Inklusionsschule aus, meinte aber, die Förderschulen müssten auch erhalten bleiben. „Deckt das heutige Modell den Förderbedarf wirklich ab?“, fragte er, und die Diskussion mit dem Publikum kam in Fahrt. Stimmen forderten, Menschen nicht auf ein einziges Merkmal zu reduzieren oder nicht erst zu warten, bis jede Schule über einen Fahrstuhl verfüge, sondern ein Netzwerk aufzubauen, um handeln zu können. Auch Kritik am gesamten Schulsystem wurde hörbar.

Sigrid Jacobi, die als Vertreterin der Evangelischen Erwachsenenbildung zusammen mit Breckerbohm als Vorsitzende des Katholischen Bildungswerks die Veranstaltung moderierte, versprach, die hier erörterten Fragen vor den Kreistag zu tragen und im kommenden Jahr die Antworten zu präsentieren. Seit 15 Jahren gebe es den ökumenischen Dialog im Eichsfeld, sagte Jacobi, und es sei eine gute Wahl, nicht nur theologische, sondern auch gesellschaftspolitische Inhalte zu diskutieren. Der Dank der Veranstalter galt Markus Teichert, Vorstandsmitglied der Sparkasse Duderstadt, für die Gastfreundschaft.

Von Claudia Nachtwey

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