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Landrat Werner Henning stößt Debatte über Einheit des Eichsfeldes an

Wechsel nach Niedersachsen Landrat Werner Henning stößt Debatte über Einheit des Eichsfeldes an

Ein geeintes Eichsfeld ist Gegenstand einer Diskussion in Thüringen und Niedersachsen. Angestoßen hat sie Werner Henning (CDU), Landrat des Eichsfeld-Kreises. Aus Protest gegen eine geplante Fusion von Landkreisen in Thüringen droht Henning mit einem Wechsel des Eichsfeld-Kreises nach Niedersachsen. Damit würde die Landesgrenze, die Unter- und Obereichsfeld seit 200 Jahren trennt, fallen.

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Eichsfeld-Karte von 1759: Kupferstich, entnommen dem Buch von Karl J. Hüther, „Das Eichsfeld im Bild alter und neuer Karten“.

Quelle: Verlag Mecke Druck

Eichsfeld. Grenzen lassen sich in Europa heute leicht überwinden. Sie bilden keine Barrieren mehr für Menschen, die in anderen EU-Staaten leben und arbeiten wollen. Grenzen spielen aber sehr wohl eine große Rolle, wenn es um das Alltagsleben geht. So zählt es in Deutschland zur Hoheit der Bundesländer, über Fragen von Bildung und Kultur zu entscheiden.

In einer Zeit, in der Kontinente dank neuer Kommunikationswege auf die Größe von Dörfern zu schrumpfen scheinen, kommt regionaler Identität wachsende Bedeutung bei. Global denken, lokal handeln – das gilt auch für kleine, aber geschichtsträchtige Landschaften. Das Eichsfeld mit seinen 140 000 Einwohnern ist so ein Beispiel. An die ungewöhnliche Geschichte dieses Landstrichs erinnerte nicht zuletzt Papst Benedikt XVI. mit seinem Besuch der Wallfahrtskapelle Etzelsbach.

Über Jahrhunderte spielte die frühere Enklave des Fürstbistums Mainz eine kirchliche und staatliche Sonderrolle im Spannungsfeld zwischen Hannover und Erfurt-Weimar. Für die Menschen aus Duderstadt, Heiligenstadt und Worbis war es gleichwohl eine Selbstverständlichkeit, zum Broterwerb in die Fremde zu ziehen, aber daheim auf dem Eichsfeld die eigenen Wurzeln zu pflegen. Staatliche Willkür riss vor 200 Jahren diese Einheit auseinander. Und später sollte der Eiserne Vorhang dieser Teilung einen Ewigkeitscharakter verleihen. Die Grenze quer durch das Eichsfeld wurde zum Symbol für eine menschenverachtende Obrigkeit .

Jahrhunderte geeint, seit 1815 geteilt  
Duderstadt. Die Geschichte des Eichsfelds erstreckt sich über Jahrhunderte. 897 erstmals urkundlich erwähnt, verdankt es seine zwischenzeitliche staatliche Einheit und bis heute wirksame kulturelle Prägung dem Kurfürstentum Mainz. Das erwarb seit 1022 Besitzungen in dem Gebiet und festigte zunehmend seine geistliche und weltliche Herrschaft in der Exklave. Die  katholische Prägung überdauerte die Reformation. Seit 1802 war das Eichsfeld im Besitz Preußens, zwischenzeitlich (1804-1813) Teil des Königreichs Westphalen. Geteilt wurde das Eichsfeld 1815, ein Großteil des Untereichsfelds kam zum Königreich Hannover. Diese Teilung dauert bis heute an. Das Untereichsfeld ist Teil des niedersächsischen Landkreises Göttingen, das Obereichsfeld liegt im thüringischen Landkreis Eichsfeld.
Auslöser der aktuellen Debatte sind Pläne der Thüringer Landesregierung für eine Gebietsreform. In deren Zuge soll der Eichsfeldkreis mit benachbarten Kreisen fusionieren. Dagegen wehrt sich Landrat Werner Henning (CDU). Er droht mit dem Wechsel des Eichsfeldkreises nach Niedersachsen, „ganz ernsthaft“, wie er gegenüber dieser Zeitung betonte. lo
 

Glücksfall der deutschen Wiedervereinigung

Mit dem Fall der Mauer wurde dieses Unrecht über Nacht beendet. Angesichts des Glücksfalls der deutschen Wiedervereinigung übersah die neue Obrigkeit allerdings das kleine Unrecht. Die Eichsfelder diesseits und jenseits der vermeintlich zwingenden Landesgrenze wurden nicht gefragt. Die alte Ost-Diktatur brach zusammen, und die neuen West-Verordnungen erwiesen sich als so behäbig, dass kulturelle Besonderheiten mit einem Federstrich zur Seite geschoben wurden.

Aus Sicht der Erfurter Landesregierung ist es natürlich nachvollziehbar, dass das ohnehin kleine Bundesland Thüringen auf die etwa 100 000 Eichsfelder im Nordwesten nicht verzichten will. Sie befürchtet eine Kettenreaktion , da es auch in Richtung Bayern Abspaltungstendenzen gibt. Eine Rolle spielen zudem die Finanzen: Die Haushaltslage im Landkreis Eichsfeld ist stabil.

Neuhaus an der Elbe

Dass trotz dieser Einwände Grenzverschiebungen zwischen Bundesländern möglich sind, bewiesen die Gemeinden des Amtes Neuhaus an der Elbe: Da es sich um Ortschaften handelte, die historisch zu Hannover gehörten, schlossen Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen 1993 – nach zähen Verhandlungen – ein Staatsvertrag. Entscheidend war, dass die betroffenen Gemeinden sich einstimmig für den Wechsel aussprachen. Ob das auch im Eichsfeld denkbar ist? Die Gebietsreformdebatten in Niedersachsen und Thüringen bieten eine neue Chance, diese Frage endlich zu klären.

Kleinem Untereichsfeld droht Bedeutungslosigkeit

W. Henning

Quelle:

Worum geht es dabei? In Zeiten knapper öffentlicher Kassen gerät die Pflege der regionalen Kultur schnell unter die Räder. Dem kleinen Untereichsfeld droht in einem neuen südniedersächsischen Großkreis die Bedeutungslosigkeit. Ähnliches deutet sich für das Oberreichsfeld an, das nach dem Willen der Erfurter Landesregierung ebenfalls mit den Nachbarkreisen fusionieren soll.

Vor diesem Hintergrund stößt Heiligenstadts Landrat Werner Henning (CDU) eine wichtige Debatte an. Warum werden die Bürger, die in den historischen Grenzen des Eichsfeldes leben, nicht gefragt, wo und wie sie leben wollen? Verwaltungsverordnungen und Ländergrenzen haben nicht zuerst der Politik, sondern den Menschen zu dienen.

Von Stefan Koch

Stefan Koch  
Der Autor dieses Berichtes, Stefan Koch, ist gebürtiger Duderstädter und USA-Korrespondent des Madsack-Verlags, zu dem das Eichsfelder Tageblatt gehört. Er berichtete für das Tageblatt seit 1985 aus dem Obereichsfeld, zwischen 1990 bis 1993 war er Leiter der Tageblatt-Redaktionsstandorte Leinefelde und Heiligenstadt.  
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„Wunderschön, aber nicht realistisch“

Der thüringische Landkreis Eichsfeld könne nach Niedersachsen wechseln, um einer Kreisgebietsreform zu entgehen. Inzwischen entwickelt sich aus der Aussage des Eichsfeld-Landrats Werner Henning (CDU) eine Debatte über die Chancen einer politischen Einigung von Unter- und Obereichsfeld. Einige Institutionen, Verbände und Vereine sind seit vielen Jahren über die Landesgrenze hinweg aktiv. Was sagen ihre Vertreter?

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