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Landvolktag in Gieboldehausen: Pferdefleisch und Bio-Eier sind Themen

Jahrestreffen Landvolktag in Gieboldehausen: Pferdefleisch und Bio-Eier sind Themen

Unter dem Eindruck politischer Ereignisse und erneuter Lebensmittelskandale stand der Landvolktag in Gieboldehausen. Die aktuellen Schlagzeilen zu undeklariertem Pferdefleisch und falsch etikettierten Bio-Eiern machte Landvolk-Vorsitzender Hubert Kellner zum Ausgangspunkt seiner zornig-selbstbewussten Zustandsbeschreibung der Landwirtschaft.

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200 Zuhörer beim Landvolktag in Gieboldehausen.

Quelle: Thiele

Gieboldehausen. Eine Analyse der Landtagswahl bot der Göttinger Demokratieforscher Franz Walter. Schnoddrig im Ton, wissenschaftlich fundiert in der Sache erntete er von rund 200 Zuhörern ebenso viele Lacher wie anerkennenden Applaus.

Zum vierten Mal fand das Jahrestreffen des Landvolks Göttingen, der Interessenvertretung von rund 1650 Bauern im Landkreis, im Niedersachsenhof statt. Kellner nutzte das Forum, um seinen Ärger über die Lebensmittelskandale zu artikulieren. Der Betrug bei Pferdefleisch und Bio-Eiern sei „eine Riesensauerei“. Das müsse „konsequent aufgedeckt und hart bestraft werden“.

Entfremdung, Medienberichterstattung, Politik

Gleichzeitig kritisierte er: „Jetzt werden wieder die Ursachen reflexartig in der Massentierhaltung oder einer agrarindustriellen Verschwörung gesucht.“ Drei Ursachen nannte Kellner für Vorbehalte gegen die Landwirtschaft: die Entfremdung der Verbraucher von der landwirtschaftlichen Produktion; eine realitätsferne Medienberichterstattung, die zwischen Romantik und Skandal, zwischen Bauer-sucht-Frau und Schreckensbildern aus Ställen schwanke; schließlich sich ständig verändernde, teils widersprüchliche politische Rahmenbedingungen.

Dem stellte Kellner gegenüber, dass sich heute 140 Menschen von den Lebensmitteln ernährten, die ein Landwirt erzeuge. Die Herausforderung wachse noch. 2050 müsse eine auf zehn Milliarden Menschen angewachsene Weltbevölkerung ernährt werden. Kellners Fazit: „Ein dauerhafter Erfolg ist nur durch Leistung plus Image zu erzielen.“

Launiger Festredner Franz Walter

Mit dem Image der Bauern spielte Festredner Walter in seiner launigen Wahlanalyse. Der Universitätsprofessor wähnte sich in einem konservativen Umfeld und spickte seine Rede mit gezielten Provokationen. „Früher hätte man gesagt, ich sehe aus wie ein Grüner. Stimmt ja gar nicht. Die Grünen sehen heute aus wie Sie“, zeigte er auf die Zuhörer. Damit unterstrich er eine seiner Kernaussagen: Parteien hätten ihre Positionen in den vergangenen zehn Jahren massiv verändert, seien unberechenbar. Früher hätten CDU-Wähler Jupp und SPD-Wähler Horst auch nach etlichen Bieren noch die Grundaussagen ihrer Parteien nennen können. „Das können sie heute nicht einmal mehr nüchtern“.

Ausgangspunkt von Walters Analyse war seine Aussage, das Wahlergebnis in Niedersachsen, wie auch vorangegangener Landtagswahlen, sei undurchsichtig. Es gebe ein Patt der politischen Lager Schwarz-Gelb und Rot-Grün; der Anteil der Nichtwähler steige, die jetzige Regierungskoalition sei nur von 27 Prozent der Wahlberechtigten gewählt worden; gesellschaftliche Trends seien zerfasert und zergliedert.

Alle 119 Sekunden stirbt ein CDU-Wähler

Mit Betrachtungen einzelner Wählergruppen, unterstrich Walter seine Thesen. „Jetzt bekommen sie es besonders brutal: Alle 119 Sekunden stirbt ein CDU-Wähler“, sagt er mit Blick auf die Altersverteilung. Gleichzeitig machte er der CDU Mut: Bei den 25- bis 45-Jährigen gebe es eine Präferenz für Kanzlerin Merkel. Das sei eine Generationenfrage, diese Gruppe wolle sich von den 45- bis 59-Jährigen SPD-Grüne-Wählern abheben: „Wer aus dieser Generation will schon aussehen wie ich“, so Walter selbstironisch. Er beließ es bei der Analyse, gab den Parteien keine Ratschläge. So bekam er zum Schluss begeisterten Beifall von allen Seiten.

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Landvolktag

In der Gesellschaft gut verankert sieht der Vorsitzende des Landvolks Göttingen, Hubert Kellner, die Landwirte der Region. Als Beleg führte er beim Landvolktag in Gieboldehausen eine repräsentative Umfrage an, nach der das Selbstbild der Deutschen an erster Stelle von der schönen Landschaft bestimmt werde, gutes Essen lande auf Rang drei der Wohlfühlfaktoren.

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