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Männer, die man nicht in Watte packen muss

Bauarbeiter-Serie, Folge 1 Männer, die man nicht in Watte packen muss

Sie arbeiten auch bei schlechtem Wetter draußen, sie leben getrennt von Partnern und Kindern, wenn man sie auf Montage schickt. Und sie bekommen selten Dank von denen, die es gemütlich haben in den Zimmern, die sie gebaut und ausgestattet haben: die Bauarbeiter. In einer Serie stellt das Tageblatt diejenigen vor, die zurzeit in Duderstadt das Hotel Zum Löwen ausbauen. Folge 1: Thoralf Mühlhaus, der „beste Mann auf der Baustelle“, die Trockenbauer und Tim Plazikowski, der eine ganz besondere Aufgabe ausführt.

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Aus Trockenestrich-Platten lässt sich auch ein Esstisch bauen: Sylvio Bachmann und die Brüder Thomas und Elmar Weber (v.l.) machen Pause.

Quelle: Thiele

Duderstadt. Thoralf Mühlhaus ist erkältet. Auf dem Dach des Hotels hat sich der Mann aus Leinefelde bei Wind und Wetter um den Aufbau des Kältegeräts gekümmert.

Jetzt steht der schwergewichtige Apparat, zwei Mitarbeiter verkleiden noch die Rohre. Mühlhaus läuft dafür schniefend durch die Gänge. Neue Heizungen muss er noch installieren. Der Bauleiter sagt: „Mühlhaus ist der beste Mann auf der Baustelle.“

Draußen schneit es schon wieder. Mühlhaus’ Weg führt in den Verteilerraum, Haus 30. Ein enges Zimmer hinter einer weißen Tür, hier ist es warm. Heiz- und Kälteanlage.  Leitungen, Ummantelungen. Mühlhaus steht mitten in seinem eigenen Werk. Hier hat der Obermonteur wochenlang gearbeitet und die Apparate angeschlossen.

Wärme für die Hotelgäste

Dank ihm werden es die Hotelgäste warm haben auf ihren Zimmern. Doch bedanken wird sich von den Gästen keiner, keiner von ihnen seine Arbeit loben. Das Los der Bauarbeiter.

Wenn die Arbeit getan ist, zieht Mühlhaus zur nächsten Baustelle weiter. Für gewöhnlich ist der Moment dann gekommen, wenn die Heizungen funktionieren. „Immer wenn es warm ist, muss ich gehen“, sagt Mühlhaus.

Zielsicher stapft er durch die verwinkelten Flure. Seit einem Jahr verbringt der 43-Jährige hier den Großteil des Tages, er kennt jede Ecke. Die Baustelle ist nicht nur das Projekt von Bauleiter Bernd Kemmerling und der Bauabteilung von ottobock. Die Baustelle ist auch das Projekt von Mühlhaus und den anderen Handwerkern.

Seltsame Ausstattung

Er steigt in einen Aufzug ein, der ist schon fertig. Auch ein Werk eines Handwerkers. Zwei Wände sind mit grünen Lederpolstern bezogen, die Hotelgäste sollen es auch dann noch bequem haben, wenn sie sich anlehnen. Neben dem schweren Mühlhaus wirkt die Ausstattung seltsam. „Hier können Sie hinfallen, ohne sich weh zu tun“, sagt er, und die Augen blitzen. Für diese Art des maximalen Komforts hat Mühlhaus nur einen launigen Kommentar übrig. Mühlhaus macht auch noch bei Schnupfen und schlechtem Wetter Scherze. Ihn muss man nicht in Watte packen.

Die Fahrstuhltür öffnet sich. Geräte in allen Ecken, Plastikfolie auf dem Boden. An eine teure Unterkunft erinnert im Trakt mit den neuen Hotelzimmern noch wenig. Mühlhaus verschwindet hinter der nächsten Ecke, um sich irgendwo um seine Heizungen zu kümmern. Dafür steht man plötzlich vor Dionis Rybicki. Die Badezimmer - sie sind sein Revier.

Unter einem Waschbecken schauen die Beine seines Kollegen hervor. Mit ihm will Rybicki  an diesem Tag noch die Sanitäranlagen auf den übrigen Zimmern installieren: „Die Etage fertig machen“, sagt er.

Vier Sterne plus

Die Waschbecken, die er hier montiert, gehören zur gehobenen Preisklasse. („Ich sach mal: vier Sterne plus.“) Ob Rybicki sie sich auch für das eigene Bad aussuchen würde? Er tritt ein Stück zurück und legt den Kopf schief. Über 50 Waschbecken hat der 38-Jährige aus Brehme mit seinen Kollegen installiert. Aber wirklich angeschaut hat er sie sich nicht. Wenn Rybicki Geräte anschließt, dann setzt er sie nicht in eine Beziehung zu sich selber.

Jetzt mustert Rybicki das Becken wie ein Angebot im Baumarkt: eine flache ovale Wanne, hoher Wasserhahn im rechten Winkel. Und Kunde Rybicki sagt: „Mir persönlich gefällt das nicht so. Aber das muss jeder selber wissen.“

Die Arbeiten auf dem Dach, denen Mühlhaus die Schuld an seinem Schnupfen gibt, gehen unterdessen weiter. Tim Plazikowski steht im orange-grünen Anzug unbeeindruckt im Schneefall. Eine graue Mütze hat er sich aufgesetzt. Mit seinen Kollegen verwirklicht er hier eine Idee, die Bauherr Hans Georg Näder eines Tages hatte: Plazikowski und sein Team bauen auf dem Dach einen Hühnerstall und legen für sieben Hennen und einen Hahn ein Gehege an.

Sie arbeiten auch bei schlechtem Wetter draußen, sie leben getrennt von Partnern und Kindern, wenn man sie auf Montage schickt. Und sie bekommen selten Dank von denen, die es gemütlich haben in den Zimmern, die sie gebaut und ausgestattet haben: die Bauarbeiter. In einer Serie stellt das Tageblatt diejenigen vor, die zurzeit in Duderstadt das Hotel Zum Löwen ausbauen. Folge 1: Thoralf Mühlhaus, der „beste Mann auf der Baustelle“, die Trockenbauer und Tim Plazikowski, der eine ganz besondere Aufgabe ausführt.

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Ein ungewöhnliches Projekt. Aber Plazikowski ist von vertrautem Arbeitsmaterial umgeben: Holzbretter, Rollrasen, Erde. Vielleicht spricht der 37-Jährige  deshalb so ruhig vom Aufbau und von den Arbeitsschritten. Für den Landschafts- und Gartenbauer ist hier fast alles wie immer.

Die Extravaganz wird auf der Baustelle erst am Gründonnerstag Einzug halten. Dann sollen die Tiere aufs Dach gebracht werden. Einen Tag später wird Plazikowski abreisen. Eigentlich ist er dort zuhause, wo andere Urlaub machen: an der mecklenburgischen Seenplatte. Sein Haus hat er nur momentan eingetauscht gegen einen Bauernhof in der Nähe von Duderstadt.

Frau Plazikowski isst wieder allein zu Abend

Frau Plazikowksi und ihre achtjährige Tochter werden noch bis Ostern allein zu Abend essen, ob die Familie nach den Feiertagen erneut getrennt sein wird, weiß Plazikowski nicht. Er erfährt erst kurzfristig, wie es weitergeht. Wie so viele auf der Baustelle.

Die Brüder Thomas und Elmar Weber wissen nur, dass sie noch die kommende Woche im Löwen beschäftigt sind. Weiter in die Zukunft schauen die Trockenbaumonteure nicht. „Planungen machen wir nicht“, sagt Elmar Weber und es klingt entspannt. Die Ungewissheit, wo man in den nächsten Wochen sein wird - auch sie gehört zum Alltag der Bauarbeiter.

Von Telse Wenzel

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