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Mehr jugendliche Drogenkonsumenten in Duderstadt

Suchtberatung der Caritas Mehr jugendliche Drogenkonsumenten in Duderstadt

Crystal Meth ist in Duderstadt angekommen. „Wir beobachten einen auffälligen Anstieg an immer jüngeren Drogen­konsumenten“, berichtet Diplom-Sozialarbeiter Ulrich Schmalstieg von der Caritas-Suchtberatung. Dabei werde besonders die gefährliche Synthetikdroge immer häufiger genommen.

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Crystal Meth ist eine synthetische hergestellt Droge.

Quelle: Foto: Dpa

Duderstadt. Die Verhältnisse in der Fachambulanz für Suchtprävention der Caritas in Duderstadt haben sich verschoben. „Aktuell haben wir einen Anteil von 30 Prozent an Drogen konsumierenden Jugendlichen“, erzählt Suchttherapeut Martin Weber-Becker. In den vergangenen Jahren seien es nur etwa 15 Prozent gewesen. Seit Anfang des Jahres habe es im Bereich der 13- bis 20-Jährigen bereits 35 Kontakte gegeben. „Das sind zum jetzigen Zeitpunkt schon zwei mehr als im gesamten Jahr 2016“, so der Pädagoge. Wenn die aktuellen Daten auf das gesamte Jahr hochgerechnet würden, würde sich eine Steigerung von mehr als 40 Prozent ergeben.

Das Einstiegsalter sei immer geringer, berichtet Schmalstieg, vor allem auch bei Crystal Meth. „Als Extremfall haben wir aktuell eine 14-Jährige in der Beratung.“ Bei den 16-Jährigen habe es seit Anfang des Jahres eine Verdoppelung der Zahlen gegeben. „Und die Dunkelziffer liegt um einiges höher“, so der Diplom-Sozialarbeiter weiter. Sicher sei aber, dass zunehmend jüngere Jugendliche härtere Drogen nehmen.

„Uns geht es in der Beratung nicht darum, den Zeigefinger zu erheben“, erklärt Schmalstieg. Das vorrangige Ziel sei, mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Dabei werde auch versucht, mit dem Umfeld desjenigen eine Vertrauensbasis aufzubauen. Weber-Becker ergänzt: „Wir versuchen, bei den Jugendlichen eine interne Motivation zu entwickeln und ein Problembewusstsein zu schaffen.“ Bildlich gesprochen, würden die Berater versuchen, Leitplanken im Leben der Jugendlichen aufzubauen, damit diese nicht aus der Kurve fliegen. Dabei sei es umso besser, je früher man sie erreichen könne.

Jugendliche im Alter von 16 Jahren oder jünger würden die Beratungsstelle nur in ganz seltenen Fällen von sich aufsuchen, sagt Schmalstieg. Vielmehr würden sie von besorgten Eltern, dem Jugendamt, Ärzten oder anderen Institutionen an die Fachambulanz für Suchtprävention überwiesen. „Wir sind aber kein verlängerter Arm der Staatsanwaltschaft oder von anderen Behörden“, betont Schmalstieg. „Wir sind unabhängig und können niederschwellig arbeiten. Das ist besonders wichtig.“

Weber-Becker erklärt, dass in der Beratung nicht defizitorientiert gearbeitet werde. „Wir versuchen, gemeinsam mit den Jugendlichen herauszufinden, was in seinem Leben passiert.“ Dabei müsse der Berater dem Jugendlichen zwar zugewandt sein. „Aber wir müssen auch klare Grenzen setzen.“ Das sei ein Punkt, auf den auch Eltern achten müssten. „Sie müssen den Jugendlichen Grenzen setzen.“ Jugendliche würden es sofort ausnutzen, wenn sie dies nicht tun. „In unserer Arbeit geht es aber nicht darum, einen Schuldigen zu finden“, sagt Schmalstieg. „Wir wollen gemeinsam einen Weg finden.“ Eltern seien in der Situation oft hilflos und emotional überfordert, erklärt Weber-Becker. Aber ohne die konstruktive Mitarbeit der Eltern sei es schwierig.

Das Wichtigste in der Beratung sei, dass beide Seiten ihre Karten auf den Tisch legen, erklärt Weber-Becker. „Wir müssen Klarheit schaffen und wissen, worüber wir reden.“ Dann könne auch eine Entwicklung gesehen werden. Doch nicht immer ist die Arbeit von Erfolg gekrönt. Bei Alkoholabhängigen liege die Erfolgsquote beim Erstkontakt bei etwa 50 Prozent, bei Drogen bei 30 Prozent, so Weber-Becker. Und wenn es absolut nicht weitergeht, müsse der Berater auch nein sagen, so Schmalstieg. Denn auf beiden Seiten sei es zu jedem Zeitpunkt erforderlich ehrlich und authentisch zu bleiben.

Von Rüdiger Franke

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