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Migranten helfen Migranten

Elternlotsen Migranten helfen Migranten

Sie sind die ersten ihrer Art im Landkreis: Zehn Duderstädter „Elternlotsen“ sollen anderen Menschen mit Migrationshintergrund helfen, sich besser zurecht zu finden. Nach siebenmonatiger Ausbildung haben sie jetzt ihre Zertifikate erhalten.

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Vor dem Friedensglobus am Stadthaus: Die ausgezeichneten Teilnehmerinnen des Elternlotsenprojektes mit Vertretern von Stadt und Landkreis.

Quelle: Thiele

Der Stolz ist Tsovinar Shaganian anzusehen, als sie im Kreis mit ihren zehn erfolgreichen Schützlingen steht und über die gemeinsam verbrachte Zeit spricht. Über sieben Monate hat die Leiterin des Kurses mit den Frauen gelernt. Zusammen sind sie in Details des deutschen Verwaltungsapparates eingetaucht: In mehr als 100 Unterrichtsstunden ging es um das Bildungs-, Rechts- und Gesundheitssystem, Kindererziehung oder Konfliktmanagement. Jetzt erhalten sie ihr „Diplom“ als Elternlotsen aus den Händen des Landrats Reinhard Schermann und des Duderstädter Bürgermeisters Wolfgang Nolte (beide CDU). Künftig sollen sie anderen Zugereisten helfen, sich einzuleben.

Die Frauen sollen und wollen einen Beitrag zur Integration leisten, über die ja mit besonderer Vehemenz und wenig Sachlichkeit diskutiert wird. Die Zehn wissen hingegen, welche Schwierigkeiten Neuankömmlinge und schon länger zugezogene Migranten hier haben können. Denn sie teilen – bei aller Heterogenität der Gruppe – ein Schicksal: Die Frauen zwischen 24 und 59 Jahren sind erst nach ihrer Geburt in die BRD gekommen. Sie stammen aus acht Ländern, von Armenien, Russland Georgien, Polen und Bulgarien bis hin zu Chile, Indonesien und Sri Lanka und leben zum Teil seit mehr als 30 Jahren hier.

Das Besondere an diesem „neuartigen Integrationsangebot“ ist also, wie Schermann es formuliert, dass Migranten einander helfen. Von der im Landkreis bisher einmaligen Aktion erwartet sich Schermann „einen Schub nach vorne“ und spricht den anwesenden Damen somit eine „besondere Verantwortung“ zu. Deshalb unterstützt der Kreis das Projekt mit 3000 Euro, hinzu kommen 8500 Euro vom Land. Ab März will der Landkreis das Projekt auch in Hann. Münden umsetzen.

Die zehn „gut integrierten Migrantinnen“, wie sie sich selbst bezeichnen, sind alle ehrenamtlich tätig und wollen unter anderem über Schulen und Kindergärten an Neubürger herantreten. Solchen Bildungseinrichtungen könnte es dank ihnen leichter fallen, die Belange von zugewanderten Eltern zu unterstützen. Die Eltern hingegen sollen ermutigt werden, sich stärker für die Bildung ihrer Kinder einzusetzen. Dabei müssen nicht zuletzt auch sprachliche Barrieren überwunden werden. Es geht darum: Wohin kann man sich wenden, wer kann helfen?

Die Motivation der Frauen, die fast alle selbst Familie, Kinder und eine Arbeit haben, sind sehr konkret. Erst einmal wollen sie eines: helfen. Ofelia Safarian, die aus Armenien stammt, denkt: „Wir haben selbst gemerkt, wie wichtig Integration ist und dass man sich hier wohl fühlt. Viele Menschen, die am Rand stehen, trauen sich gar nicht, sich zu integrieren. Wir möchten unsere Erfahrungen vermitteln und zeigen: Zusammen kann man mehr erreichen.“ Warum es bisher nur weibliche Lotsen gibt, erklärt Shaganian so: „Es sind eher Frauen, die sich um die Erziehung kümmern.“

Erste Erfolge können sie bereits verzeichnen, sagt Lucia Kirscht aus Chile. Sie half einer Familie aus dem Irak beim Einleben. „Ich musste beispielsweise herausfinden, welche Schutzimpfungen die Kinder hatten.“ Gar nicht so einfach, wenn mit Spanisch und Arabisch zwei Sprachen aufeinander treffen. Doch es funktionierte und war bald „sehr freundschaftlich. Sprache ist schließlich nicht alles.“

Als Kontaktpersonen für Hilfesuchende und Bildungseinrichtungen fungieren Angelika Bartels-Zinn (Telefon 0 55 27 / 84 67 18) oder Isa Sandiraz (05 51 / 52 55 62) vom Landkreis

Von Erik Westermann

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