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Minderwertiger Beton in Grundschule verbaut

Pfusch am Bau Minderwertiger Beton in Grundschule verbaut

Sie ist gerade erst rundum erneuert worden – und schon wieder ein Sanierungsfall: Für die Decken eines Gebäudetraktes der Gieboldehäuser Grundschule ist 1957 minderwertiger Beton verwendet worden.

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Sanierungsfall: die Dachkonstruktion der Schulturnhalle. Nicht betroffen ist das Satteldach der benachbarten Gymnastikhalle (l.).

Quelle: Blank

Sowohl bei Berechnung als auch Ausführung der Statik der Schulturnhalle wurden vier Jahre später ebenfalls gravierende Fehler begangen. „Es ist gepfuscht worden“, stellen Architekt Markus Otto und Statiker Hans-Adolf Kurth unmissverständlich fest. Im Bauausschuss der Samtgemeinde haben sie jetzt die Ergebnisse ihrer aktuellen Untersuchungen und Lösungsmöglichkeiten vorgestellt.

Die Turnhalle ist nach Feuchtigkeitsschäden im Dachstuhl und beim Öffnen der Decke entdeckter Statik-Mängel aus Sicherheitsgründen bereits seit Jahresbeginn gesperrt (Tageblatt berichtete). Unabhängig davon wurde bei der energetischen Sanierung der Schule, von der die Turnhalle ausgenommen war, in einem Klassenzimmer eine Deckenverformung festgestellt, die Nutzung des Raumes vorerst untersagt.

Das Problem beschränkt sich allerdings nicht auf den Obergeschoss-Klassenraum im ehemaligen Realschulbereich. Im gesamten Gebäudetrakt, der 1957 als Aufbauzug für die Realschule errichtet und später von der Grundschule genutzt wurde, ist nicht der statisch geforderte, sondern zu weicher Beton eingebaut. Güte und Druckfestigkeit seien nicht für Stahlbeton-Bauteile geeignet, stellt Otto fest. Das hätten Untersuchungen der Erd- und Obergeschossdecke ergeben, an denen auch die Materialprüfanstalt der Universität Kassel beteiligt war.

„Das Ergebnis war im ersten Moment erschütternd“, sagt Otto. Bauamtsleiter Klaus-Dieter Grobecker, der schon Anrufe besorgter Eltern bekommen hat, sieht aber keinen Grund zur Panik. Richtige Probleme gebe es nur in einem Klassenraum: „Ansonsten ist weiterhin normaler Schulbetrieb möglich, nur keine Großveranstaltung.“ Die Decken sollen voraussichtlich in den Sommerferien saniert werden.

Wieviel das kostet, ist noch unklar. Und Regressmöglichkeiten verlieren sich ohnehin im Dunkel der Vergangenheit. Wegen unwägbarer Begleit-
effekte rät Kurth von einem Stahlträger-Einbau zur
Deckenstützung ab. Stattdessen soll nach weiteren Berechnungen der Einbau von Kohlefaser-Lamellen zur Lasterhöhung und „Ertüchtigung“ der Decken weiterverfolgt werden.

Für die Dachsanierung der Schulturnhalle, die derzeit weder von den 300 Grundschulkindern noch den knapp 1200 Mitgliedern des Turnvereins genutzt werden kann, gibt es bereits eine Kostenschätzung über rund 150 000 Euro. Zu gravierenden Berechnungsfehlern in der Statik von 1961 seien weitere Fehler bei der Ausführung hinzugekommen, berichtet Otto von falschen Anschlüssen und Knotenpunkten sowie dem Anbringen von Sportgeräten, die die Binder geschwächt hätten. Dass auch die Prüfingenieure des damaligen Landkreises Duderstadt keine Statik-Mängel festgestellt hätten, nennt Rainer Lentes (SPD) einen „unglaublichen Vorgang.“

Kurth stellte im Ausschuss ein Sanierungskonzept vor, dass eine Erneuerung der Dachkonstruktion von den Bindern bis zu den Ziegeln vorsieht. Für einen vernünftigen Anschluss der neuen Binder müsse der Giebel zur Kindergarten-Seite hin entfernt und die Ringanker ebenfalls untersucht werden.

Einen Zusammenhang mit der Installation der Photovoltaikanlage auf dem Hallendach wiesen Bauamtsleiter und Architekt erneut zurück. „Wir haben uns auf die geprüfte Statik verlassen“, warnt Samtgemeinde-Bürgermeister Reinhard Grobecker (CDU) vor „Unterstellungen“ und einem „andernfalls exorbitanten Aufwand“. „Das Thema wird uns noch beschäftigen, jetzt muss aber erst einmal die Kuh vom Eis“, sagt Karl-Bernd Wüstefeld (CDU). Reinhard Dierkes (SPD) weist darauf hin, dass ein Zuschuss aus dem Sportstättenprogramm des Kreises in diesem Jahr nicht mehr möglich sei, die Verwaltung auf die Möglichkeit neuer zinsgünstiger Kredite der KfW-Bank.

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