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Mobiler Suchtberater in der Vinzenz-von-Paul-Schule Duderstadt

"Aus dem Leben eines Junkies" Mobiler Suchtberater in der Vinzenz-von-Paul-Schule Duderstadt

Wie der Tagesablauf eines Heroinabhängigen aussieht, hat Wolfgang Kiehl den Schülern der Vinzenz-von-Paul-Schule erzählt. Kiehl war selbst jahrelang heroinsüchtig. Heute hat er eine Familie mit drei Kindern und tourt als mobiler Suchtberater durch das Land.

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Spricht in klaren Worten mit Jugendlichen über Drogen: Suchtberater Wolfgang Kiehl.

Quelle: Tietzek

Mit Alkohol hat alles angefangen. „Ich war jemand, der nicht Nein sagen konnte“, berichtet Kiehl in der Schulaula. Gebanntes Schweigen herrscht dort. Eindrucksvoll, mit klaren Worten und in der Sprache der Jugendlichen erzählt der ehemalige Drogenabhängige über seine Vergangenheit als Junkie.

Kokain, Heroin – „Ich hab alles genommen“, sagt Kiehl. Seine Erfahrung wolle er weitergeben, „Impulse setzen, damit andere solche Fehler vermeiden.“ Ein besonderes Anliegen ist ihm, auf den Mißbrauch von Alkohol aufmerksam zu machen: „Es wird zuviel getrunken in Deutschland.“

Wenn Kiehl das sagt, glaubt man ihm, schließlich spricht er aus eigener Erfahrung. Minutiös schildert er den Schülern seine früheren Tagesabläufe – ein hin und her zwischen Drogenbeschaffung, Schlafen und dem nächsten Schuss. Irgendwann landete Kiehl im Knast. „Ich hatte keine Angst vorm Gefängnis, ich hatte Angst vorm kalten Entzug“, erinnert er sich. Den Entzug hat er längst hinter sich, genauso eine Therapie, in der er gelernt hat, Emotionen zuzulassen. „Ich habe als Kind und Jugendlicher nicht gelernt, meine Ängste und Wünsche zu äußern. Es ist das A und O, sich nicht zu verschließen“, rät er den Schülern. Jeder Mensch brauche jemanden, mit dem er über alles reden könne.

„Erschreckend“ aber besser, als wenn Studierte über Prävention reden, findet Schüler André das, was er vom Ex-Junkie gehört hat. „Hilfreich“ sei es gewesen, weil „wir später in unseren Berufen mit solchen Problemen konfrontiert werden können“.

Nadine Scholz meint, dass sie durch den Erfahrungsbericht aufmerksamer sein wird, genauer hinschaut, „auch im Freundeskreis.“ Herzklopfen hatte Schüler Jan Hesse bei den Berichten Kiehls: „Der hat kein Blatt vor den Mund genommen.“

Auftritte wie in Duderstadt hat der selbständige Suchtberater rund 100 pro Jahr. Er erreicht damit nach eigenen Angaben 12000 Kinder und Jugendliche. „Ohne die Techniker Krankenkasse würde das nicht gehen“, sagt Kiehl über seinen Hauptsponsor.

Von Björn Dinges

bearbeitet am 10. November 2017

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