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Motivation: Schulweg für andere sichern

Schülerlotsen Motivation: Schulweg für andere sichern

Freizeit opfern, Verantwortung übernehmen, nichts dafür kriegen und trotzdem Spaß haben? In der Serie „Für umsonst“ stellt das Tageblatt junge Menschen im Ehrenamt vor. Heute: Die Schülerlotsen der St.-Ursula-Schule in Duderstadt.

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Einsatzbereit bei jedem Wetter: Die Schülerlotsen der St.-Ursula-Schule sind gut organisiert und motiviert.

Quelle: Blank

Morgens vor Schulbeginn herrscht Verkehrschaos in der Christian-Blank- und der Kardinal-Kopp-Straße. Fünf Schulen – darunter die St.-Ursula-Schule – und ein Kindergarten säumen die beiden aufeinander folgenden Straßen. Autos parken auch dort, wo es nicht erlaubt ist, Kinder springen aus den Beifahrertüren, Busse schieben sich durch den zähen Verkehr, dazwischen strömen unzählige Schüler in alle Richtungen. „Dass hier auch die jüngeren Schüler die Straße sicher überqueren können, ist den Schülerlotsen zu verdanken“, sagt der Duderstädter Polizist Karl-Robert Müller.

Noch vor dem großen Schüleransturm treffen sich die Lotsen in der Schule, legen ihre neongelben Verkehrshelfer-Jacken an und stellen sich dann mit ihren Winkerkellen an die Straße. Sie dürfen nicht regelnd in den Verkehr eingreifen, aber sie müssen die Straße immer im Auge behalten. Bildet sich eine Lücke im Verkehrsfluss, wird die Kelle eingesetzt, um den nachfolgenden Autofahrern zu zeigen, dass hier Schüler die Straße überqueren wollen. „Manchmal müssen wir die Autofahrer auf das Stehen im Halteverbot hinweisen. Wir haben eine schlechte Sicht, wenn alles zugeparkt ist“, erklärt Simon Müller. „Als Schülerlotse trägt man Verantwortung für die anderen Schüler. „Vielleicht haben wir schon Unfälle verhindert“, sagt Sophia Oeler. „Wir stehen mitten auf der Straße, um die Fußgänger sicher hinüber zu leiten. Wenn dann ein Auto oder Bus schnell auf uns zu fährt, kann man Angst kriegen“, hat Kevin Sommer erlebt. Trotzdem mache der Dienst Spaß, und man werde von den anderen Schülern akzeptiert, sind sich die Achtklässler einig. Das Wissen, mit ihrem Einsatz den Schulweg für andere sicherer zu machen, motiviert die Lotsen, auch bei Regen und Kälte rechtzeitig zum Dienst zu erscheinen.

Um Schülerlotse zu werden, müssen die Schüler mindestens 13 Jahre alt sein und eine Prüfung bestehen. Vorbereitet wurden die St.-Ursula-Schüler von Karl-Robert Müller, der in der nächsten Woche neue Schülerlotsen in Gieboldehausen ausbilden wird. „Die Schulung umfasst zwei Stunden pro Tag und dauert eine Woche. In dieser Zeit sind die angehenden Schülerlotsen vom Unterricht befreit“, erläutert der Polizist. Vermittelt werden die Grundsätze der Straßenverkehrsordnung, Verkehrsregeln, die Berechnung des Anhalteweges, Grundregeln der Ersten Hilfe und das richtige Auftreten als Schülerlotse. Ist die Prüfung bestanden – und das haben in Duderstadt alle Teilnehmer geschafft – organisieren die Lotsen selbst ihre Einsatzpläne.

Müller lobt in diesem Zusammenhang eine Schülerin der St.-Ursula-Schule besonders. Alle Lotsen wissen sofort wer gemeint ist und zeigen auf Silvana Hartmann. Die ahnt nicht, dass sie heute ausgewählt wurde, um für ihren überdurchschnittlichen Einsatz ausgezeichnet zu werden. Müller überreicht ihr eine Urkunde und das Schülerlotsen-Ehrenabzeichen im Beisein von Schulleiter Ingo Bickel und der Klassenlehrerin Hedwig Weber.

Die Klassenlehrerin ist sichtlich stolz auf die Achtklässler. Morgens kocht sie Tee, den die Lotsen auch mit in den Unterricht nehmen dürfen, wenn sie durchgefroren und nassgeregnet von ihrem Dienst kommen. „Die waren schon immer sehr motiviert, viele sind auch in anderen Ehrenämtern aktiv“, lobt sie die Jugendlichen. Der Schulleiter freut sich ebenfalls über die lange Tradition der Schülerlotsen an der St.-Ursula-Schule. Sein Verständnis ist den engagierten Jugendlichen sicher: „Ich war früher selbst Schülerlotse“, verrät er.

Von Claudia Nachtwey

Schülerlotsen: Polizei bildet aus

In Deutschland verunglücken jährlich um die 17 000 Grundschüler auf dem Schulweg, aber an von Lotsen gesicherten Übergängen hat es keinen einzigen schweren Unfall gegeben. Seit der Schülerlotsendienst im Jahr 1953 gegründet worden ist, gilt er als Markenzeichen der Deutschen Verkehrswacht (DVW). Die DVW und die Verkehrswacht Medien & Service-Center GmbH sind Ansprechpartner für Verkehrssicherheit und Verkehrserziehung in Deutschland. Die DVW stellt auch die Ausrüstung der Schülerlotsen. Seit den 1990er Jahren hat sich der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit der DVW zusammengeschlossen und engagiert sich ebenfalls für Schülerlotsen und Verkehrshelfer. Zurzeit sind etwa 55 000 Helfer in der Verkehrssicherheit aktiv, neben Schülern auch Eltern und Senioren. Die Ausbildung und Betreuung von Schülerlotsen übernehmen Polizeibeamte. Sie stehen Schulen bei der Organisation und Durchführung des Lotsen-Dienstes zur Seite. In Duderstadt ist Karl-Robert Müller mit dieser Aufgabe betraut und im Duderstädter Polizeikommissariat unter der Nummer 0 55 27 / 98 010 zu erreichen.

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