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Mühsame Suche nach Helfern fast beendet

Zensus Mühsame Suche nach Helfern fast beendet

Am 9. Mai sollen sie deutschlandweit ausströmen, die insgesamt 80 000 ehrenamtlichen Helfer für den Zensus 2011, die erste Volkszählung seit mehr als 20 Jahren. Doch es klemmt im Getriebe: Vielerorts hat man immense Probleme, freiwillige Interviewer zu finden. So sollen von Tür zu Tür ziehen und den zufällig ausgewählten Haushalten die Bögen mit mehr als 40 Fragen zu Migrationshintergrund, sexueller Orientierung oder Arbeitsverhältnissen nahe bringen.

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Eins, zwei, drei, ganz viele: Die Deutschen werden ab dem 9. Mai gezählt – die benötigten Helfer werden vielerorts noch gesucht.

Quelle: OT

Immer wieder kamen auch aus der Erhebungsstelle in Göttingen, die für den Landkreis zuständig ist, Wasserstandsmeldungen: Noch 80 Helfer gesucht, noch 30. Speziell in fünf Gemeinden gab es einen Mangel an sogenannten Erhebungsbeauftragten, darunter auch Duderstadt.

Inzwischen sind hier zwar fast alle 300 benötigten Interviewer für die Befragungen beisammen, doch die Suche war problematisch, berichtet Klaus Akuscheska von der Stadt Duderstadt, die dem Landkreis zuarbeitet. „Wir mussten über 40 Personen finden, das hört sich nicht viel an, war aber schwer.“ Über die Volksbank und Sparkasse habe er einige Personen rekrutieren können, dazu kamen Bedienstete der Stadt. Bei den sonstigen Freiwilligen habe es einen Engpass gegeben, so Akuscheska. Das liege daran, „dass das Thema bisher kaum im Bewusstsein der Menschen angekommen ist. Es gab ja im Gegensatz zu der Volkszählung 1987 auch fast keine Kritik“, glaubt der Stadtbedienstete.

Iris Beiteke, Leiterin der Erhebungsstelle Göttingen, wo die Daten der Landkreisbewohner gesammelt werden, sieht die lange zögerliche Resonanz so: „Es ist wie bei den Wahlhelfern, da duckt sich auch jeder.“ Trotzdem habe sich eine ausreichende Zahl Ehrenamtlicher gefunden, eine Mischung aus Studenten, Hausfrauen bis hin zu Ruheständlern. Nur für das Feld der „sensiblen Sonderbereiche“ – etwa Erziehungsheime, Justizvollzugsanstalt oder psychiatrische Einrichtungen – bestehe noch Bedarf. Hier werden besonders vertrauenswürdige Personen benötigt.

Der Göttinger Politologe Walter Reese-Schäfer, der über ehrenamtliche Arbeit forscht, sieht für die schleppende Suche noch eine andere Ursache: „Das ist keine Aufgabe für bürgerliches Engagement“, betont er. Für eine solch aufwendige Tätigkeit, die mit Fragen in das Privatleben der Bürger eindringt, müssten speziell geschulte Angestellte eingesetzt werden. „Mich wundert, dass man überhaupt Freiwillige findet.“ Schließlich habe jeder von ihnen um die 100 Haushalte abzuarbeiten.

Im Notfall hätte man von Seiten der Erhebungsstellen sogar Bürger für die Aufgabe zwangsrekrutieren können, erklärt Jan Scharf, Sprecher des für Niedersachsen federführenden Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie. „Aber macht das Sinn?“, fragt Beiteke. Für den Landkreis sei dies keine Option gewesen: „Darunter hätte die Qualität der Ergebnisse sicherlich gelitten.“

  Zensus 2011: Keine Vollerhebung
  Die Volkszählung ist im Gegensatz zur Zählung 1987 keine Vollerhebung. Im Falle der Haushalte wird nur eine zehnprozentige Stichprobe genommen. Bereits gelaufen ist die Zusammenführung verschiedener Daten aus unterschiedlichen Registern. Auch die Zählung und Einschätzung des Wohnraums im Lande ist Teil der Befragung. Deshalb erhalten alle Wohnungseigentümer einen eigenen Fragebogen. Es besteht eine Auskunftspflicht, ansonsten droht eine Geldbuße. Der Zensus soll auch dazu dienen, dem Staat eine statistische Grundlage für Entscheidungen im Bereich Infrastruktur oder Soziales zu bieten. Das Material wird anonymisiert und die sogenannten Hilfsmerkmale (Name, Anschrift) nach spätestens vier Jahren gelöscht. Die Kosten belaufen sich auf 700 Millionen Euro, auf Niedersachsen entfallen 73,2 Millionen, davon 18,3 Millionen auf die Kommunen. Der Anteil des Kreises Göttingen als ausführendes Organ wird von Landrat Reinhard Schermann auf fast 400 000 Euro beziffert. Davon muss der Kreis 15 000 Euro selbst übernehmen. Die Fragebögen können unter zensus2011.de/presse/fragebogen.html eingesehen werden.

Von Erik Westermann

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