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Bachs Bearbeitungen begeistern in der Basilika

Niedersächsische Musiktage Bachs Bearbeitungen begeistern in der Basilika

Countertenor Alexander Schneider möchte mit dem Ensemble Polyharmonique und dem La Folia Barock­orchester Menschen für die Musik alter Meister wie Johann Sebastian Bach begeistern. Beim Auftritt zu den Niedersächsischen Musiktagen in der Duderstädter Basilika gelang es.

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Das La Folia Barockorchester und die Gesangsformation ensemble polyharmonique in der St. Cyriakus Kirche.

Quelle: Niklas Richter

Duderstadt. „Das ist ein wunderbarer Ort für frühere Musik“, sagte Schneider nach dem Auftritt in St. Cyriakus. „Aber so eine Hallenkirche ist fast sogar notwendig für solche Musik.“ Es habe aber beim Konzert trotzdem einen bedeutenden Unterschied zu der Barockzeit gegeben. „Die Musik war früher nicht sichtbar“, erklärt er. Die Sänger und Musiker hätten oben auf einer Empore gestanden. „Dadurch habe die Musik den Eindruck vermittelt, dass sie himmlisch ist.“

Quelle: Niklas Richter

Die Idee zu der gemeinsamen Arbeit seines Ensembles mit dem Barockorchester sei 2015 entstanden, gemeinsam mit Oliver Geisler dem Dramaturgen von La Folia. Bach sei der Vertoner des Lutherwortes gewesen. Doch die Frage sei gewesen, wo seine Musik herkomme. So hätten sie nach Verbindungen in seinen Werken gesucht. Schneider ist sich sicher, dass der Anfang der Messe von Marco Guiseppe Parenda in Bachs h-Moll-Messe wiederzuerkennen ist. Und seine Fugen seien von Giovanni Perluigi Palestrina inspiriert. „Er hat wie ein DJ heute gearbeitet, der sich fremde Loops und Samples nimmt und sie zu etwas neuem zusammensetzt.“ Bach hätte somit bereits eine Vorform des Crossover fabriziert. Er habe Bibelzitate von hier und dort genommen und versucht den Text hörbar und sichtbar zu machen. „Er ist der Vollender der alten Schule, galt aber seinerzeit als veraltet“, so Schneider. „Heute sind wir froh über seine Musik. Es steckt viel Kraft und Wille drin.“ Beim Konzert in Duderstadt präsentierten die Musiker und Sänger Bachs Bearbeitungen von Werken von Palestrina und Peranda sowie von Francesco Bartolomeo Conti, Francesco Gasparini, Sebastian Knüpfer, Francesco Durante und Gottfried Heinrich Stölzel.

“Wir wollen alte Musik machen“, sagt Schneider, „dass es lebt und atmet.“ Seine Mitmusiker und er hätten überall in Europa gelernt. Sie seien eben ausgezogen, nicht um das Fürchten, sondern die Musik zu lernen. „Und jetzt wollen wir es selbst in die Hand nehmen und unsere Richtung machen. Es erfüllt uns mit Freude und ich hoffe, andere auch.“ Das konnte unter anderem Ralf Regenhardt bestätigen. „Das Konzert begeistert mich“, sagte der Bach-Fan. Bach habe die Musik beeinflusst - bis heute in die Rockmusik. Schneider hingegen kommt mit Blick auf die moderne Musik aus der HipHop- und Elektroecke. Der Dresdener bevorzugt den klassischen New Yorker HipHop der 80er-Jahre. So habe ihn unter anderem der Film „Beat Street“ sehr beeinflusst. Damals sei es eine Bewegung gewesen, bei der es ums Tanzen und Bewegen ging. In der heutigen Zeit sei es viel kommerzieller. Und in der Popmusik gebe es heute leider nur noch eine Interferenz. Er vermisse Musiker wie Michael Jackson, Jimmy Summerville und Freddy Mercury, die sich getraut hätten, expressiver zu singen.

Quelle: Niklas Richter

Das Hauptaugenmerk mit dem Ensemble Polyharmonique liege auf dem 17. und 18. Jahrhundert. Besonders begeistert sei er von den Harmonien der alten Meister, berichtet Schneider. Mit seinen Kollegen suche er aber auch Wege um die Renaissance mit der Moderne zu verbinden. „Wir sehen uns auch ein bisschen als Jazzer der alten Musik. Vielleicht gelingt es uns damit, auch andere ins Boot zu holen“, hofft er. Denn nur alte Musik sei für manchen zu viel. Aber trotzdem fordert er die Menschen auf: „Nehmt Euch die Zeit, um zuzuhören.“

Von Rüdiger Franke

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