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"Opa" Rainer Hampe (71) ist ältester Mann auf der Baustelle

Hotel zum Löwen, Serie Teil 4 "Opa" Rainer Hampe (71) ist ältester Mann auf der Baustelle

In einer Serie stellt das Tageblatt diejenigen vor, die zurzeit in Duderstadt das Hotel Zum Löwen ausbauen. Folge 4: Rainer Hampe. Egal wen man fragt auf der Baustelle: Jeder kennt Rainer Hampe. „Opa“ nennen ihn hier manche – weil er mit 71 Jahren der älteste Mann ist auf der Baustelle.

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Der älteste Mann auf der Baustelle: Rainer Hampe hat keine Lust aufs Rentnerleben. Mit 71 Jahren ist er Bauleiter für den Bereich Haustechnik.

Quelle: IS

Duderstadt. Wenn man ihn  sucht, findet man ihn in einem kleinen Raum hinter einem eckigen Tischchen, dicht an die Wand gerückt: das Baubüro. Hampe ist der Bauleiter für den Bereich Haustechnik. Der freundliche Mann schaut hervor hinter einem Stapel Lageplänen. Mit einem Elektrotechniker bespricht Hampe die nächsten Arbeitsschritte für die angrenzenden Zimmer, dort werden gerade alte Leitungen in der Decke herausgerissen.

Mit 13 Jahren angefangen

Ein halbes Jahr lang war der Rentner zuhause, dann hat er es nicht mehr ausgehalten. Als die Pensionierung da war, strich er das ganze Haus, dann war nichts mehr zu tun. Ein Zustand, den Hampe nicht kannte. Hampe war 13 Jahre, als er auf der Baustelle zu arbeiten begann: Abgang nach der achten Klasse, Eintritt ins Berufsleben, sechs Arbeitstage auf dem Bau. Das war normal in den 50er-Jahren. Von da an war der Techniker aus Friedland keinen Monat arbeitslos. Das Rentnerdasein, an das  er sich nun gewöhnen sollte, war  nicht Hampes Sache, er brauchte eine Aufgabe. Seit Januar 2012 arbeitet er auf der Baustelle des Hotels Zum Löwen, Urlaubstage hat er bisher kaum genommen. Es gab zu viel zu tun.

Abwechslung ist wichtig

Mit Fortschreiten der Arbeiten wandern Hampe und seine Papiere weiter. Im Dezember hat er hier sein Büro bezogen. In wenigen Wochen soll der Raum schon wieder abgerissen werden. Hampe stört es nicht, dass sein Büro nicht wirklich sein eigenes ist, dass an den Wänden lauter Urkunden hängen – ausgestellt an die Firma Ihr Platz, die hier einmal ihre Räume hatte. Hampe fühlt sich dort wohl, wo er seinen Schreibtisch vorfindet. Die Hauptsache für ihn ist, dass ihm die Decke  nicht auf den Kopf fällt. Eine Aufgabe zu haben. Abwechslung. „Hier reden Sie auch immer mit jemandem“, sagt Hampe.

Hampe ist der ruhende Pol in einer Existenz, in der das Chaos ausgebrochen ist. Er betreut Abrissarbeiten – von einem Zimmer aus, das bald eingestampft werden soll. Er gilt offiziell als Rentner, arbeitet aber jeden Tag auf dem Bau. Und er spricht von dem Beruf des Handwerkers wie ein Außenstehender. Wer so lange dabei ist wie Hampe, der sieht die Dinge aus einem anderen Blickwinkel, wechselt schnell in die Vogel-Perspektive.

Angst vor Asbest-Lunge

Wer könne zum Beispiel sagen, was man in 30 Jahren über die gesundheitlichen Gefahren weiß, die von den Materialien ausgehen, die man heute auf dem Bau verwendet. Als Hampe jung war, tranken er und seine Kollegen literweise Milch während der Arbeit. Man hatte ihnen gesagt, dadurch würde Asbest im Körper weggeschwemmt. Die Männer füllten Durchbrüche mit flüssigem Asbest, verwendeten Asbest bei vielen Arbeiten auf dem Dach und bei der Dämmung. Heute weiß man, dass Asbeststaub zu Lungenerkrankungen führen und Krebs auslösen kann. Immer wieder lässt Hampe überprüfen, ob bei ihm Schäden sichtbar sind. Bisher ist nichts festgestellt worden, aber Hampe sagt, er habe Angst. Eine Asbest-Lunge macht sich erst mit 20-jähriger Verzögerung bemerkbar.

Heute ist Asbest nur noch für die ein Problem, die mit alter Bausubstanz zu tun haben. Seit 1993 sind Herstellung und Verwendung verboten. Aber Staub und Dämpfe entstehen auf jeder Baustelle. Hampe sagt: „Ganz gefeit ist man nie. Es sei denn, Sie bauen ihr Haus aus Lehm.“

Von Telse Wenzel

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