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Ottobock: Prozess gegen Ex-Mitarbeiter beginnt

Millionenbetrug Ottobock: Prozess gegen Ex-Mitarbeiter beginnt

Viele Jahre galt er als verdienter, zuverlässiger Mitarbeiter von Ottobock. Aber nur bis 2010: Dann nämlich kam heraus, dass der leitende Mitarbeiter seinen Arbeitgeber um etwa vier Millionen Euro gebracht hat. Seit Mittwoch steht der heute 52-jährige Mann vor dem Göttinger Landgericht.

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Angeklagt wegen Untreue und Steuerhinterziehung: der ehemalige Bauleiter von Ottobock (l.) , hier mit seinem Verteidiger Steffen Stern (r.).

Quelle: DPA

Göttingen/Duderstadt. 20 Jahre lang hatte er für den Duderstädter Weltmarktführer für Prothesentechnik gearbeitet. Seine Methode: Jahrelang, von 2006 bis 2010, soll er überhöhte oder komplett gefälschte Rechnungen als korrekt abgezeichnet und dafür einen Anteil in Höhe von zehn Prozent, manchmal auch bis zu einem Drittel der Rechnungssummen kassiert haben. Sein Motiv laut Staatsanwaltschaft: das Gefühl, von Ottobock zu schlecht bezahlt zu werden, erhebliche Ansprüche an den eigenen Lebensstil und Verluste bei Wertpapiergeschäften im Jahr 2007.

Untreue in 127 Fällen

Angeklagt ist der 52-jährige ehemalige Bauleiter von Ottobock wegen Untreue in 127 Fällen. Dafür soll er mit drei Handwerksfirmen aus dem Bereich Lüftungstechnik und Fliesenlegen zusammengearbeitet haben. Nach Berechnungen des Finanzamtes hat der Mann in fünf Jahren etwa 730 000 Euro kassiert. Drei Mitarbeiter der beteiligten Handwerksfirmen sind bereits verurteilt. Der ehemalige Mitarbeiter von Ottobock ist außerdem wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Er soll das ergaunerte Geld dem Finanzamt verschwiegen haben. Dadurch, so die Anklage, habe er den Staat um etwa 350 000 Euro Steuern gebracht.

Steuerprüfung der Lüftungsfirma

Aufgeflogen waren die Betrügereien 2010 bei einer Steuerprüfung der beteiligten Lüftungsfirma. Die hatte die Erlöse ihrer ungewohnt glänzenden Geschäfte brav in ihrer Steuererklärung angegeben. Einer cleveren Finanzbeamtin fielen diese Ungereimtheiten auf, und sie fragte bei Ottobock nach. Noch am gleichen Tag gab der Bauleiter zu, Schmiergeld kassiert zu haben. Kein einziges der extrem überteuerten Klimageräte, die sein Arbeitgeber bezahlt hatte, konnte er vorzeigen.

290 000 Euro hatte der Mann zwischen Dezember 2005 bis Juli 2010 auf sein Konto eingezahlt. In bar muss er noch sehr viel mehr Geld schwarz kassiert haben: Für das Jahr 2009 weist sein Konto gerade einmal 210 Euro Barauszahlung auf, 2010 nur 150 Euro.

Gespräch über Prozessverkürzung

Die Verhandlung vor dem Göttinger Landgericht wird am Donnerstag fortgesetzt. Unter anderem kündigte der Richter ein „Rechtsgespräch“ mit den beteiligten Parteien über den Fortgang des Verfahrens an. Seit einem Urteil des Bundeverfassungsgerichts vom März dürfen Gespräche mit dem Ziel der Prozessverkürzung nicht mehr in Hinterzimmern hinter geschlossenen Türen stattfinden. Diese Praxis hatte auch das Göttinger Landgericht in der Vergangenheit gern ausgeübt.

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Ingenieur streitet Vorwürfe ab

Mehr als fünf Jahre soll ein 77 Jahre alter Ingenieur aus Duderstadt für seine Beteiligungen an Millionenbetrügereien zu Lasten der Otto-Bock-Gruppe hinter Gitter. Am Montag, 28. März, stellte das Landgericht eine mildere Verurteilung nur für den Fall in Aussicht, dass der Mann ein Geständnis ablegt. Das aber will der Mann nicht.

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