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„Parkour hat mein Leben komplett verändert“

Trendsportart „Parkour hat mein Leben komplett verändert“

Was in Großstädten schon seit einigen Jahren praktiziert wird, gibt es nun auch in Rhumspringe: Parkour heißt die Sportart, in der es darum geht, eine selbstgewählte Strecke mit Hindernissen in möglichst kurzer Zeit zu überwinden. Eine Gruppe von 15 Jugendlichen trainiert das in Rhumspringe regelmäßig.

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Präzision: Dennis im Sprung und beim „Palm Spin“ (Mitte). Der Nachwuchs eifert ihm nach.

Quelle: Lüder

Rhumspringe. Der Name leitet sich vom Parcours ab, was Kurs oder Strecke bedeutet. In urbaner Umgebung sprintet, springt oder rollt der Traceur ( französisch: „der den Weg ebnet“) über alles, was die Stadt zu bieten hat: Treppen, Mauern, Garagen, Hauswände. Eine Regel dabei: nichts zerstören. Mit Rennen hat das wenig zu tun, eher mit Kraft, Ausdauer, Geschicklichkeit und mit Selbsteinschätzung.

Reinhild Müller vom SV Rhumspringe hat mit Hilfe des Tageblatts und über Facebook interessierte Jugendliche gesucht, weil sie mit dem Herzberger Trainer Nils Ellger die Trendsportart auch im Eichsfeld anbieten wollte. Die Gruppe zählt inzwischen etwa 15 Traceure zwischen zwölf und 16 Jahren, die nun montags in der Rhumspringer Sporthalle trainieren.

„Ich wollte das schon immer mal ausprobieren“, sagt Felix und wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht. Er wirkt zufrieden. Die Gruppe ist neu, und alle fangen klein an. Abrollen auf Matten – wie das geht, erklärt Nils und macht es auch vor. Leicht und fließend sieht das beim Trainer aus. Aber anstrengend ist es, stellen die Teilnehmer fest.

Spektakuläre Leistungen beim Parkour

Weil die Gruppe recht groß ist, hat Nils als zweiten Trainer Dennis Rode mitgebracht, der nun regelmäßig dabei sein soll. „In den Medien wird oft von spektakulären Leistungen beim Parkour gesprochen. Dabei wird übersehen, wie viel Arbeit dahinter steckt“, sagt Dennis. Er überwindet mit einem „Palm Spin“, einer sekundenschnellen Drehung, den großen Kasten. Ganz einfach? Seit sieben Jahren trainiert Dennis regelmäßig. „Parkour ist eine Philosophie und hat mein Leben komplett verändert. Das betrifft sowohl Alkoholkonsum und Ernährung als auch Selbsteinschätzung“, schildert er. Dabei betont er, dass diese Sportart eigentlich nicht in die Halle, sondern nach draußen gehöre. Beim Parkour gebe es keine Wettkämpfe, also auch keinen Leistungsdruck, sagt der Trainer. Nicht Siege und Medaillen, sondern der eigene Ehrgeiz treibe die Traceure an.

Ein weiterer Vorteil sei: „Ohne Leistungsdruck ist auch die Verletzungsgefahr gering, da jeder in sich hinein hören muss, um zu wissen, was er wagen kann. Es geht nicht darum, besser zu sein als ein anderer, sondern selbst bereit zu sein für eine Sache“, erklärt Dennis. Er demonstriert einen Armsprung, wobei er wie Spiderman an der Turnhallenmauer klebt. Im Nu steht er in etwa zwei Meter Höhe auf der Mauer, zeigt einen Präzisionssprung auf den großen Kasten, von dort einen Vorwärtssalto auf die Matte, abrollen, aufstehen und weiterlaufen.

Was in Großstädten schon seit einigen Jahren praktiziert wird, gibt es nun auch in Rhumspringe: Parkour heißt die Sportart, in der es darum geht, eine selbstgewählte Strecke mit Hindernissen in möglichst kurzer Zeit zu überwinden.

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Die Übung wirkt wie eine Einheit, die Gruppe applaudiert spontan. „Die flüssige Bewegung ist der Flow. Jeder entscheidet selbst, wo seine Schwerpunkte liegen, die einen wollen den Flow verbessern, andere wollen die Hindernisse so schnell wie möglich überwinden“, beschreibt er die Vielfalt der Trendsportart.

Die Gruppe bekommt eine Vorstellung vom nächsten Schritt der Übungen: Präzisionssprünge. „Wenn man versucht, auf eine Linie am Boden zu springen, schafft man das meistens. Sobald das in Höhe stattfindet, ist die eigene Psyche dabei. Der Sprung, der am Boden leicht war, scheint plötzlich schwierig. Beim Parkour spielt mentales Training eine große Rolle“, erklärt Dennis.

„Cool“ zu sein ist nicht das Bestreben

Was die Teilnehmer von den beiden Trainern zu sehen bekommen, finden sie „cool“. „Cool“ zu sein sei allerdings nicht das Bestreben der Traceure, erklärt Dennis, eher eine gewisse Bescheidenheit. „Es ist ein langer Weg, beim Parkour richtig gut zu werden. Das fällt niemandem einfach in den Schoß, da liegt immer ganz viel Training und viel Beschäftigung mit den eigenen Grenzen zu Grunde“, erklärt er.

Die Gruppe besteht bisher nur aus Jungen, aber auch Mädchen sind willkommen. „In größeren Städten oder bei Treffen und Workshops sieht man Mädchen, allerdings wenige“, beschreibt Dennis die Szene, die sich auch auf internationaler Ebene austauscht und unterstützt. Als Beweis für weibliche Präsenz haben die beiden Trainer Michaela mitgebracht, die über das Turnen zum Par-kour kam. „Das Training ist anstrengend, aber es ist gut, sich so auszupowern“, findet Teilnehmer Timon.

Mitmachen beim Parkour-Training
Die Gruppe hat noch Kapazitäten, so dass weitere Interessenten mitmachen können. „Mindestalter zwölf Jahre, sonst reicht die Kraft nicht“, weiß Dennis. Reinhild Müller hofft außerdem, dass sich auch andere Sportvereine im Eichsfeld dafür interessieren, so dass Austausch schon in der Region stattfinden kann. Info und Anmeldung unter Telefon 0 55 29 /91 93 96.

Von Claudia Nachtwey

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Hindernisse überwinden

Die Trendsportart Parkour für Jugendliche ab 14 Jahren bietet Reinhild Müller im SV Rhumspringe an. Am Montag, 17. September, findet von 17.30 bis 18.30 Uhr eine Schnupperstunde in der Sporthalle Rhumspringe statt.

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