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Pater bereitet auf „die priesterlose Zeit“ vor

Jesuit Christoph Wrembek Pater bereitet auf „die priesterlose Zeit“ vor

Um Missionsgebiete zu besuchen, nehme ich weite Strecken auf mich“, sagt Jesuitenpater Christoph Wrembek. Seit 17 Jahren kommt er einmal im Monat für ein Bibelgespräch von Hannover nach Duderstadt. „Moment mal, Pater Wrembek, haben Sie da eben das katholische Eichsfeld als Missionsgebiet bezeichnet?“, fragt der Reporter verwirrt.

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Möchte, dass Christen im Eichsfeld Anschluss an die neue Zeit zu finden: Jesuitenpater Christoph Wrembek.

Quelle: Dennis Börsch

Der Jesuit lächelt. Das Eichsfeld, sagt er, pflege vielleicht noch „ein paar Traditionen“, aber wer genau hinschaue, sehe, dass eine Generation ohne inneren Bezug zum Christentum heranwachse.

Das Internet, so Wrembek, öffne den jungen Menschen eine Welt, in der Gott nicht mehr vorkomme. Schon heute erreiche die Kirche die 30- bis 40-Jährigen kaum noch. Der große Zulauf bei den Weltjugendtagen kann den Pater nicht vom Gegenteil überzeugen. „Blitzlicher“ seien das, „Happenings“ ohne Langzeitwirkung.

Der große Abfall vom Glauben überrascht den Jesuiten nicht. Er habe, sagt er, die neue Zeit schon Anfang der 70er-Jahre als Studentenpfarrer in Westberlin heraufdämmern sehen. Mit jungen rebellischen Menschen aus ganz Deutschland hätte er damals zu tun gehabt. In Gottesdiensten habe er immer damit gerechnet, dass jemand empört aufstehe und ihn zur Rede stelle. Die ganze Zeit habe er überlegt, was er antworten würde.

In seiner Not fuhr der Pater mit Mitstreitern zur Bischofskonferenz und schlug Alarm. Die Kirche müsse reagieren, forderten die jungen Geistlichen. Sie müsse eine neue Sprache finden, Antworten auf die Fragen der Menschen von heute geben, den Glauben neu durchdenken, Anschluss an die neue Zeit finden. Die Bischöfe hätten mit Unverständnis reagiert. „Man hat uns die kalte Schulter gezeigt“, meint Wrembek ernüchtert. Für ihn sei das „ein prägendes Erlebnis“ gewesen. So hält sich sein Mitleid mit der Amtskirche heute in Grenzen.

Seit Jahren erwartet Wrembek „die priesterlose Zeit“. Die jüngste Aufregung um die schrumpfende Zahl der Geistlichen kann er nicht nachvollziehen. Die Bischöfe hätten schon vor zehn, 15 Jahren reagieren müssen. Damals wären noch reichlich Geistliche da gewesen, um tragfähige neue Strukturen mit Ehrenamtlichen aufzubauen. Heute seien die Priester bereits überlastet. „Die Letzten werden schneller wegbrechen, als viele glauben“, erwartet er. Heute sei es schwer geworden, Katholiken für Ehrenämter zu gewinnen. Sie würden genau merken, dass die Kirche in ihnen nur „Notnägel“ sehe. In den Schoß legen will der Jesuit seine Hände jedoch nicht.

In seinen fünf, sechs Bibelkreisen, die er unter anderem auch in Bremen, Hannover und Oldenburg anbietet, will er Laien das Rüstzeug für die kommenden Jahre an die Hand geben. Dort lehrt er, was er sich in den vergangenen 30 Jahren an modernen Antworten erarbeitet hat. Der Katechismus spielt dabei keine Rolle, „höchstens zur Belustigung“, wie Wrembek bitter anmerkt.

Auf Nachfrage gibt der Pater ein Beispiel. Er werde von Zweiflern oft nach der Hölle gefragt. Dass Menschen auf ewig im Feuer bestraft werden, kann er sich nicht vorstellen, deutet er an. Eine Mutter würde für ihr Kind durch die Hölle gehen. Gott werde dahinter nicht zurückbleiben.
Mit Befriedigung nimmt Wrembek zur Kenntnis, dass die 20 Eichsfelder in seinem Kurs ein „eigenes Denken“ entwickelt haben. Sie wären sicher im Glauben geworden. Über die Jahre hätten sie sich ein Wissen erarbeitet, das ihnen mit Pfarrern ein Gespräch auf Augenhöhe erlaube.

Die Weiterbildung der Geistlichen liege dagegen im Argen, kritisiert Wrembek, der im Bistum Hildesheim als Priesterseelsorger tätig ist. Das werde ihm klar, wenn er die Geistlichen nach den von ihnen gelesenen Büchern und Zeitschriften frage. Einige hätten nicht einmal eine tragfähige Beziehung zu Jesus Christus. Der Jesuit stellt klar, dass er nicht nur Wissen vermitteln will. Christen benötigten auch Erfahrungen. Deshalb seien feierliche Gottesdienste mit Ministranten, Chor- und Orgelmusik wichtig. Selbst die Protestanten würden mittlerweile die Bedeutung der Liturgie erkennen.

Außerdem regt der Geistliche Werke der Barmherzigkeit an. Jesus habe keine Kirche gründen wollen, sondern dem Nächsten zur rechten Zeit das gegeben, was er brauche. „Da steckt ein riesiges ökumenisches Potenzial drin“, betont Wrembek.

Von Michael Caspar

Der Bibelkreis trifft sich das nächste Mal am Dienstag, 9. November, um 19.30 Uhr im Pfarrheim von St. Cyriakus, An der Oberkirche 2.

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