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Pferd: Mehr Sportkamerad als Nahrungsmittel

Im Eichsfeld kein Pferdefleisch Pferd: Mehr Sportkamerad als Nahrungsmittel

Chinesen essen Hunde, Peruaner essen Meerschweinchen, Australier essen Kängurus und in Thailand mag man auch Ratten. Warum ist Pferdefleisch in Deutschland also so verpönt? Franzosen und Italiener machen es uns vor, in unseren Nachbarländern ist der Verzehr von Pferdefleisch Normalität.

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Pferde: Im Eichsfeld weniger als Fleischlieferanten denn als tierische Kameraden beliebt.

Quelle: Blank

Eichsfeld.. Das Fleisch ist eiweißreich, fett- und cholesterinarm. Eine echte Alternative zum antibiotikaverseuchten Fleisch aus Massentierhaltung?

„Bei uns hat noch nie jemand nach Pferdefleisch gefragt“, erzählt Johannes Borchardt von der gleichnamigen Fleischerei in Duderstadt. Wenn er Pferdefleisch verkaufen würde, so Borchardt, dann bräuchte er dafür ohnehin eine zusätzliche Genehmigung von der EU und hätte noch mehr Papierkram auf dem Tisch.

Von Herkunft bis zur Verarbeitung muss nämlich in der Freihandelszone alles angegeben werden. „Ältere Leute kennen das wahrscheinlich eher noch, dass man sein eigenes Pferd schlachtet“, so Borchardt. Heute werde das jedoch kaum noch praktiziert, mutmaßt der Fleischermeister.

Selber probiert hat Borchardt das Fleisch des edlen Nutztieres allerdings doch schon einmal, seinen Geschmack hat es  nicht getroffen: „Es ist eher süßlich“, meint er. Die Familie sieht das wohl ähnlich: „Meine Tochter reitet. Sie verstehen?“

„Überhaupt kein Pferdefleisch“ verkauft auch Fleischermeister Heribert Böning in Hilkerode.

„Für die Menschen hier ist ein Pferd etwas ganz anderes als ein Stück Vieh“, meint Böning. „Früher war das anders, da hatte jeder Bauer Pferde. Aber zusammen mit der Landwirtschaft hat sich das geändert“, meint Böning. Dennoch finde er das Mensch-Pferd-Verhältnis so in Ordnung, wie es sei.

Pferdefleisch: enthält wenig Fettanteile und Cholesterin. HAZ

Pferdefleisch: enthält wenig Fettanteile und Cholesterin. HAZ

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Auch der Gieboldehäuser Betrieb Eichsfelder Wurstwaren Nachtwey ist pferdefrei. „Um Gottes Willen“, antwortet Ansgar Nachtwey, Obermeister der Südniedersächsischen Fleischer-Innung, auf die Frage nach Angeboten mit galoppierendem Vorleben. „Damit haben wir überhaupt keine Berührungspunkte, das ist hier auch absolut unüblich“, so Nachtwey.

Dieses Fleisch sei im Eichsfeld „ein Exot“. Auch Nachtwey macht den zurückgegangenen Gebrauch von Pferden als allgemeine Nutztiere dafür verantwortlich. „Im Harz gibt es aber diese Tradition noch“, meint der Obermeister.

Die Ross-Schlachterei von Reinhard Kurs in Clausthal-Zellerfeld ist der lebende Beweis dafür. Hier wird seit 1908 Pferdefleisch angeboten. Sowohl der Bezug als auch die Verarbeitung des Fleisches erfolgt regional. Der Einzugsbereich der Kunden reicht von Braunschweig bis Hannover und Duderstadt.

Auch auf dem Markt der Brehmestadt war Kurs in den 90er Jahren schon vertreten, Märkte in Bockenem und Seesen hätten sich jedoch als wirtschaftlicher für die Schlachterei erwiesen. Aus dem Eichsfeld beziehe Kurs sogar einen Teil seiner Tiere, unter anderem aus Nesselröden und dem Duderstädter Raum. Sie stammen aus Reitställen oder von Privatleuten.

Der Einhufer, ein sehr sauberes Tier

„Pferde werden hierzulande mehr als Sportkameraden denn als Nahrungsmittel gesehen“, schließt Kurs auf die niedrige Verzehr-Rate. Selbst habe der Schlachtermeister allerdings kein Problem ein Tier zu schlachten, das er gekannt habe. „Dann sehe ich wenigstens, was ich esse“, so Kurs. Darüberhinaus sei Pferdefleisch sehr gesund.

„Es ist sehr eiweißreich und enthält 40 bis 50 Prozent weniger Fett als andere Fleischarten und hat einen geringen Cholesterinanteil“, erklärt Kurs. Außerdem sei der Einhufer ein sehr sauberes Tier. „Das Pferd säuft nicht aus jedem Eimer“, so Kurs. Ein Trend ist der Verzehr von Pferdefleisch erstaunlicherweise dennoch nicht, Reinhard Kurs führt sein Geschäft in letzter Generation.

Der Familienbetrieb Mecke, der ehemals mit einer Ross-Schlachterei am Duderstädter Westertor vertreten war, ist ins münsterländische Werne gezogen und betreibt dort eine Schlachterei, die Pferdefleisch auch nur ergänzend zur normalen Produktpalette anbietet.

Der Landkreis Göttingen zeigt sich im Übrigen unbeeindruckt vom Skandal um die in Umlauf geratene Lasagne mit ungekennzeichnetem Pferdefleisch-Anteil. Das zuständige Veterinäramt sieht in diesem Zusammenhang keinen Anlass für Kontrollen im hiesigen Raum. Es gebe weder Im- noch Exporteure für Fleisch in der Region, und der Einzelhandel haben auf die Erkenntnisse ja bereits reagiert.

Von Anna Kleimann

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