Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Experten fordern mehr Zeit für Sterbende

Podiumsdiskussion in Duderstadt Experten fordern mehr Zeit für Sterbende

„Die Mortalität in diesem Raum liegt bei 100 Prozent.“ Im vollen Bürgersaal des Rathauses hat Palliativmediziner Prof. Friedemann Nauck am Dienstagabend ein Thema auf den Punkt gebracht, das viele verdrängen: die eigene Sterblichkeit.

Voriger Artikel
Halbjahresversammlung beim FC Brochthausen
Nächster Artikel
Diplom-Biologe referiert Ausbreitung des Wolfs

Geballte Fachkompetenz: Prof. Friedemann Nauck, Dr. Martina Wenker, Prof. Volker Lipp und Propst Bernd Galluschke (v.l.).

Quelle: Niklas Richter

Duderstadt. Um medizinische, juristische und seelsorgerische Aspekte des Lebensendes drehte sich die Podiumsdiskussion des katholischen Pflegeverbundes Göttingen-Duderstadt. Moderiert wurde die Runde mit Nauck, dem Medizinrechtler Prof. Volker Lipp und Propst Bernd Galluschke von der in Duderstadt aufgewachsenen niedersächsischen Ärztekammerpräsidentin Dr. Martina Wenker. Angerissen wurden alle Aspekte von der Patientenverfügung bis zur Morphiumdosierung, das Gesetz zur Palliativversorgung und das Verbot der Beihilfe zur Selbsttötung ebenso wie Ängste von Ärzten, Patienten und Angehörigen.

Dass Selbstbestimmung nicht isoliert vom Umfeld zusehen sei, betonte Lipp, der in den Deutschen Ethikrat berufen wurde. Das Recht könne nur Strukturen schaffen, die Balance zwischen Fürsorgeauftrag und Patientenwünschen bleibe schwierig. Als Selbstbestimmung anzuerkennen sei auch, dass man sich nicht festlegen wolle. Galluschke hält Selbstbestimmung gar für eine Farce. „Wer ist denn selbstbestimmt ins Leben gekommen? Wir alle leben im Kontext mit anderen.“ Einig waren sich Podium und Publikum, dass die Rahmenbedingungen für ein Sterben in Würde weiter verbessert und Hospize stärker unterstützt werden müssten, die Begleitung Schwerkranker nicht allein Spezialisten überlassen bleiben dürfe.

Die Kritik eines Krankenpflegers am betriebswirtschaftlichen Denken im Gesundheitswesen, das Patienten zu Fällen und Nummern reduziere, stieß auf offene Ohren. „Wir haben genug Geld im Gesundheitssystem, aber nicht die beste Verteilung“, meinte Nauck: „In vielen Krankenhäusern werden Ärzte eingestellt, deren Eskalation des Gewinnes Atemnot macht.“ Es sei schwer, aus starren Regelungen und Zeitkontingenten herauszukommen, in der Palliativversorgung brauche man aber mehr Zeit für Pflegende und Patienten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeigenspezial

Informieren Sie sich über das aktuelle Fußballgeschehen in Göttingen und aller Welt.  mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt