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Praxisgebühr, ade: 25 000 Quittungen ausgestellt

Überfüllte Praxen Praxisgebühr, ade: 25 000 Quittungen ausgestellt

Die Praxisgebühr sollte im Rahmen der Gesundheitsreform eigentlich dafür sorgen, die Zahl der Bagatell-Arztbesuche und die sogenannten Selbst-Überweisungen – teure Behandlungen beim Facharzt ohne Überweisung durch den Hausarzt – zu reduzieren. Der Erfolg blieb nicht nur in der Region aus.

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Kassieren, Quittung ausfüllen und Zahlung speichern: Viel Zeit und Verwaltungsaufwand für zehn Euro Gebühr.

Quelle: Lüder

Eichsfeld. Mit dem Jahreswechsel wurde die Praxisgebühr abgeschafft – was dieser Tage auch im Eichsfeld zu überfüllten Wartezimmern geführt hat, denn etliche Patienten haben geplante Arztbesuche ins neue Jahr verschoben. Trotz Überstunden und langer Wartezeiten freuen sich Mediziner, Praxis-Mitarbeiter und Patienten aber gleichermaßen.

„Das Geld zu kassieren, Quittungen auszustellen und der ganze Verwaltungsaufwand haben schon Zeit in Anspruch genommen“, sagt Maria Haase, Sprechstundenhilfe in der Duderstädter Zahnarztpraxis Wenker. Ihre Chefin, Zahnärztin Andrea Wenker, hat überschlagen, dass mit der Praxisgebühr etwa zwei Stunden zusätzliche Arbeit pro Woche anfielen.

Die Auswirkungen der abgeschafften Gebühr hat das Praxisteam Wenker bereits im Dezember zu spüren bekommen. „Sonst war vor dem Jahresende immer eine Menge los, weil jeder unbedingt noch seinen Bonus erfüllen wollte. Aber wer im Dezember nicht unter akuten Schmerzen litt, hat den Zahnarzttermin auf den Januar verschoben, um die Gebühr zu sparen“, stellt Haase fest.

Und sie könne die Patienten verstehen. „Oft blieb es ja nicht bei den zehn Euro für den Zahnarzt. Mancher war zeitgleich in Behandlung bei anderen Ärzten, wo ebenfalls Praxisgebühr anfiel und dann oft noch die Zuzahlung für Medikamente dazukam“, erklärt sie.

Rund 25 000 Quittungen für die vierteljährlichen zehn Euro haben die Mitarbeiterinnen der allgemeinmedizinischen Praxis Kirscht und Kricke in Duderstadt in den vergangenen acht Jahren ausgedruckt und jeweils das Geld kassiert, weiß Mediziner Godehard Kirscht – nicht eingerechnet die Diskussionen mit verärgerten Erkrankten.

Bei einem Zeitaufwand von rund zwei bis drei Minuten pro Patient – bei rund 800 Patienten pro Quartal, die nicht von der Zuzahlung befreit waren – seien das rund 850 Arbeitsstunden samt anfallendem Arbeitslohn gewesen, die allein seine Praxis habe leisten müssen.

„Und der Effekt war gleich null“, hat Kirscht keine Veränderung im Patienten-Verhalten bemerkt. Verärgert ist der Duderstädter auch über die Argumentation der Verantwortlichen: „Die Regierung sagt, sie wollen Ärzte und Mitarbeiter durch den Wegfall entlasten. Doch sie haben doch was eingeführt, was nichts gebracht hat – außer zusätzlicher Belastung“.

Ein Beispiel bleibt Kirscht für immer im Gedächtnis: Bei einer örtlichen Familie, die eigentlich komplett von der Zuzahlung befreit war, musste Kirscht bei einem Hausbesuch zunächst trotzdem zehn Euro pro Patient kassieren und jeweils eine Quittung ausstellen. „Mit der sind die Patienten dann zur Krankenkasse gegangen und haben die Erstattung beantragt, die wurde dann in Einzelbeträgen auf das jeweilige Konto zurücküberwiesen.

Ein Verwaltungs- und Kostenaufwand, der in keinem Verhältnis zur Höhe der Gebühr stand“, schüttelt Kirscht noch heute den Kopf auch über das aufwändige Mahnverfahren in den Fällen, in denen Patienten die Gebühr schuldig blieben.

Dass es bei der ersatzlosen Streichung der Gebühr bleibt, mag Kirscht für die Zukunft nicht glauben. „Durchschnittlich bis zu 250 000 Euro hat eine Praxis mittlerer Größe in dieser Zeit mehr eingespielt. Doch die Überschüsse der Krankenkassen sind doch ruckzuck aufgebraucht. Dann kommt bestimmt wieder was anderes.“

Von Claudia Nachtwey und Anne Eckermann

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