Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Retten, Bergen – oder Schlauchboot fahren

Junghelfer des THW Retten, Bergen – oder Schlauchboot fahren

Freizeit opfern, Verantwortung übernehmen, nichts dafür kriegen und trotzdem Spaß haben? In der Serie „Für umsonst“ stellt das Tageblatt junge Menschen im Ehrenamt vor. Teil 6: Die Jugendgruppe des Technischen Hilfswerks (THW) Ortsverband Gieboldehausen.

Voriger Artikel
Eichsfelderin hilft Kindern in Argentinien
Nächster Artikel
Wiedereröffnung des Grenzlandmuseums

Geschicklichkeit ist gefragt: Die Jugendlichen wollen mit dem hydraulischen Spreizer Lasten bewegen.

Quelle: Thiele

Der Betonklotz wiegt um die 500 Kilogramm, schätzt der stellvertretende Ortsbeauftragte Dennis Bringmann. Der Klotz soll von den Junghelfern des THW bewegt werden, so als sei er nach einem Erdbeben auf die Straße gestürzt und müsse nun weggeräumt werden. Kein Problem. Niklas Hesse schwingt den Hebel der Büffelwinde, und der schwere Quader hebt sich. Daneben hämmern seine Kameraden lange Nägel in ein Brett, um daran die Stahlstützen zu befestigen. Hier übt man, eine kurz vor dem Einsturz stehende Decke zu sichern, damit Verschüttete gerettet werden können, ohne die Helfer zu gefährden.

Natürlich gab es in Gieboldehausen kein Erdbeben, die bauliche Substanz des THW-Zentrums an der Stockenbreite ist völlig in Ordnung und verschüttet ist auch niemand, aber die Junghelfer trainieren für den Ernstfall. Mit gelben Helmen, Sicherheitsanzügen und Schuhen mit Stahlkappen bekleidet gleichen sie äußerlich den Kameraden, die man aus dem Fernsehen kennt, wenn über die Hilfe in Katastrophengebieten berichtet wird. Die Eichsfelder Junghelfer lernen hier bereits mit Werkzeugen wie Hammer, Nägeln, Zangen, aber auch Winden, Gurten und Seilen umzugehen. „Technisches Verständnis muss man nicht mitbringen, um bei der THW-Jugendgruppe teilzunehmen, das kommt hier von alleine“, erklärt Bringmann.

Der GKW (Gerätekraftwagen) steht offen auf dem Hof und beherbergt nicht nur eine komplett eingerichtete Werkstatt mit Schrauben, Äxten, Sägen und einem mobilen Schraubstock. Ordentlich sortiert zeigen sich daneben Schweißgeräte, Gasflaschen, Kettensägen, Atemschutzgeräte, Tauchpumpen, Drahtseile und Hydropressen. Weiter oben liegen Schaufeln, Leiterteile, Pylonen, Schleifgurte und Seuchenschutzanzüge. „Da ist alles drin, was man für den Noteinsatz braucht“, weiß Bringmann, betont aber, dass die Jugendlichen nicht alles davon benutzen dürften. Die Technik und die Werkzeuge faszinieren die Junghelfer, die zwischen 10 und 17 Jahre alt sind. „Aber ich finde es auch toll, dass man hier lernt, Leute zu retten“, verrät Jan Kanngießer.

In der Fahrzeughalle weist der angehende Jugendleiter Jan Michaelis die jüngeren Kameraden beim Einbinden auf der Trage ein. Zuerst muss die Decke auf eine bestimmte Art gefaltet werden. Dann darf Andreas Brinkfuß das Opfer spielen und wird von Niklas Rosalo und Dario Dirking mit Gurten und Stricken auf der Trage festgeschnallt. Auch dafür gibt es bestimmte Techniken. „Das ist wichtig, damit das Opfer nicht aus der Trage rutscht, wenn man es eine Treppe abwärts transportieren muss“, erklärt der siebzehnjährige Jan.

„Technik und Helfen sind wichtige Aspekte, aber dabei soll der Spaß nicht zu kurz kommen“, erläutert Tobias Wentzler, der bereits in den aktiven Dienst wechselte und nun die Leitung der Jugendgruppe übernommen hat. So findet zu Pfingsten alljährlich ein Zeltlager von den zehn Ortsverbänden des GFB (Geschäftsführerbereich) statt, das in diesem Jahr allerdings ausgefallen ist, weil man am Bundesjugendlager in Wolfsburg teilgenommen hatte. Ansonsten bieten auch Schlauchbootfahrten oder ein Stegebau über die Hahle Spaß und Abwechslung.

Die Junghelfer kommen nicht nur aus Gieboldehausen, sondern auch aus Duderstadt, Mingerode, Breitenberg, Bilshausen und Rhumspringe. Die Eltern fahren die Jüngeren zu den Gruppentreffen und Veranstaltungen, der THW bringt die Kameraden wieder nach Hause.

Zur Zeit seien keine Mädchen in der Truppe, „aber die sind jederzeit willkommen“, sagt Dennis Bringmann. Nach seiner Erfahrung hätten die Mädchen genau so viel handwerkliches und technisches Geschick wie die Jungen. Außerdem wird sowohl bei den Spielen als auch bei den Übungen der Teamgeist gefördert. „Später bei den echten Noteinsätzen muss man sich auf seine Kameraden verlassen können. Das Team ist wichtig, allein reißt hier keiner was“, erklärt Bringmann.

  Technisches Hilfswerk (THW)
  Das THW ist eine Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des Bundes und untersteht dem Bundesinnenministerium. Als Gründer gilt Otto Lummitzsch, der bereits 1919 eine Technische Nothilfe organisierte, um in Not geratenen Menschen zu helfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Lummitzsch 1950 vom damaligen Innenminister Gustav Heinemann den Auftrag, einen zivilen Ordnungsdienst als Bevölkerungs- und Katastrophenschutz zu organisieren, der 22. August 1950 gilt als der Gründungstag des Technischen Hilfswerks. Seit 1953 ist das THW eine Bundesanstalt. Zu den Aufgaben gehören Hilfe bei Erdbeben, Überschwemmungen und Explosionen, sowie die Einrichtung von Notunterkünften, die Sicherung von Verkehrswegen und vieles mehr. Moderne Geräte und gut ausgebildete Spezialisten sind im In- und Ausland im Einsatz. Das THW zählt mit 82 000 Ehrenamtlichen, darunter etwa 15 000 Junghelfer, und 860 Hauptamtlichen zu den bedeutenden Katastrophenschutzorganisationen der Welt.

Von Claudia Nachtwey

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Duderstadt
Anzeigenspezial

Informieren Sie sich über das aktuelle Fußballgeschehen in Göttingen und aller Welt.  mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt