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Schüler der BBS Duderstadt vergleichen Hauswirtschaft von einst und heute

Fitnesstraining der Großelterngeneration Schüler der BBS Duderstadt vergleichen Hauswirtschaft von einst und heute

Langsam dreht Gertrud Schmalstieg den schweren Hebel der Zentrifuge. Die Hauswirtschaftsschüler der Berufsbildenden Schulen Duderstadt (BBS) sehen zu, wie sich die Milch langsam in eine dickliche Masse verwandelt und in den Behälter fließt.

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Echte Knochenarbeit: Gertrud Schmalstieg (links) zeigt Schülern und Lehrern die Herstellung von Schmand in der Zentrifuge.

Quelle: Lüder

Duderstadt.  „Da braucht man kein Fitnesstraining“ oder „Das dauert ja lange“ murmeln die Schüler. Schmalstieg, Landfrau aus Langenhagen, stellt auf dem Flur der BBS Schmand her, und zwar so, wie es in ihrer Kindheit üblich war.

„Heute machen wir das auf diese Weise nur noch auf Dorffesten. Für einen halben Liter Schmand für einen Kuchen lohnt sich der Aufwand nicht“, erklärt die Seniorin.

In einem zehnwöchigen Projekt zum Thema „Hauswirtschaft früher und heute“ haben die Jugendlichen Laura Rieger, Anna-Lena Rudolph, Sarah-Sophia Kemke, Jaqueline Dette, Wiebke Ledel und Martin Kühne unter der Leitung ihrer Lehrerin Elvira Ballhausen Stationen in der Schule eingerichtet. Hier wird über den Hauswirtschaftsalltag ihrer Großeltern informiert.

Ihre Mitschüler sollen an den Stationen Fragebogen ausfüllen zu den Themen Schwangerschaft und Geburt, Erziehung Kochen, Lagerung und Wäschepflege. Gleichzeitig können sie verschiedene Dinge ausprobieren und mit modernen Errungenschaften vergleichen.

Klage über abgebrochenen Fingernagel

Bei der Wäschepflege klagt Anna-Lena über einen abgebrochenen Fingernagel am Waschbrett. In einer Lauge aus Wasser und Kernseife sollen Handtücher sauber geschrubbt werden. „Das haben die Frauen früher an einem Waschtag von morgens um sechs bis abends um sieben gemacht“, erklärt die 17-Jährige. Die Jugendlichen haben sich gut informiert. „Wir waren in den Heimatmuseen in Duderstadt und Obernfeld, haben auch einige ältere Leute gefragt und im Internet recherchiert“, nennt Laura die Informationsquellen.

Ihre Klassenkameradin Djeljana versucht, ein Leinentuch mit dem gusseisernen Bügeleisen zu glätten. Mit einem Topflappen hat sie den Griff umwickelt, „sonst verbrenne ich mir die Finger“, sagt sie. Sie muss mit viel Druck auf dem Tuch arbeiten, um die Falten herauszubekommen. Währenddessen werden in der Schulküche eifrig Kartoffeln an der Handreibe gehobelt, um daraus Puffer herzustellen.

Und nach alten Rezepten der Fachpraxislehrerin Ludmilla Welke wird Kaffeeersatz aus Getreide und Kakaoersatz aus Milch und Roter Beete gezaubert. Beim Kosten hält sich die Begeisterung der Schüler in Grenzen. „Unsere Geschmacksnerven sind von den Lebensmitteln geprägt, von denen wir uns heute ernähren. Daher kommt uns manches seltsam vor, was die Generationen vor uns zu sich nahmen“, erklärt Michaela Diedrich als Vorsitzende der Eichsfelder Landfrauen, die gern an diesem Projekt teilgenommen haben.

Film über Schwangerschaft und Geburt

In der Station zum Thema Schwangerschaft und Geburt haben die Jugendlichen einen Film angesehen, in dem die Unterschiede von der Hausgeburt vor Jahrzehnten zum heutigen High-Tech-Kreißsaal gezeigt wurden. „Allein schon wegen der Hygiene bin ich froh über den Fortschritt bei der Geburtshilfe“, sagt Schülerin Judith.

Paul ergänzt: „Heute sind die Kreißsäle fast Wellness-Oasen und die Ärzte viel besser ausgebildet.“ Die Erfindung von Pampers und Co. findet auch Suleiman gut. Er hätte keine Probleme damit, als Mann ein Baby zu wickeln. „Das ist doch nichts schlimmes“, sagt er.

Allerdings werden die Schüler an den Stationen auch nachdenklich, besonders was die Ernährung betrifft. Der 17-jährige Dennis sieht bei der Zubereitung von Schmand zu und stellt fest: „Früher war vieles schwerer, aber dafür war auch die Wertschätzung höher für das, was man bekommt.“

Nichts aus der Dose

Jaqueline und Anna-Lena bestätigen, dass ihre Großeltern beispielsweise nichts aus der Dose essen, weil sie an dem zweifeln, was da drin ist. Außerdem seien Kleidung und Gebrauchsgegenstände früher öfter geflickt und repariert und selten weggeworfen worden. „Wir machen das heute anders und kaufen schnell was Neues“, sagen die Mädchen.

Dass dieses Projekt gut angekommen ist, sieht auch Andreas Schröder als Küchenmeister der BBS. „Die Schüler lernen viel, haben Spaß dabei und arbeiten  gut im Team“, lobt er.

Von Claudia Nachtwey

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