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„So ein Amt auszufüllen, ist der Albtraum“

Anforderungen an Papst-Nachfolger „So ein Amt auszufüllen, ist der Albtraum“

Welche Erwartungen gibt es an den neuen Papst? Welche Themen brennen in der katholischen Kirche? Wer soll es richten? Kirchenvertreter der Region haben klare Vorstellungen und Antworten darauf. Nach der überraschenden Rücktrittsankündigung Benedikts XVI. formulieren sie ein Anforderungsprofil an den neuen Pontifex.

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Wer füllt die Lücke? Die katholische Kirche sucht den Nachfolger Benedikts, die Erwartungen an den neuen Papst sind hoch.

Quelle: AFP

Duderstadt/Göttingen. Der soll, kündigte Vatikansprecher Federico Lombardi, noch vor Ostern gewählt sein.

So viel vorweg: „So ein Amt auszufüllen, ist ein Albtraum“, sagt Göttingens Dechant Wigbert Schwarze . Der Papst stehe an der Spitze einer Weltkirche. Erste Anforderung an den künftigen Papst sei deshalb: Er müsse die Kurie kennen, „er darf sich nicht vom Apparat überrollen lassen“. Der Südamerika-Kenner weiß um die Vielfalt an Mentalitäten und Problemlagen, die es vom Vatikan aus zentral zu steuern gelte. Neben theologischen und philosophischen Kenntnissen bedürfe das Amt deshalb eines breiten Allgemeinwissens, führt Schwarze aus. Sein persönlicher Favorit? Er wäre für einen Südamerikaner oder Afrikaner, sagt Schwarze, und nennt den Namen des ghanaischen Kurienkardinals Peter Turkson.

Inhaltlich steht für den Dechanten die Frage des Zugangs zum Priesteramt, unter anderem für verheiratete Männer, auf der Tagesordnung. „Und Frauen sollten in der Kirche eine größere Rolle spielen“, bestimmte Leitungsfunktionen übernehmen. Auch das Thema soziale Gerechtigkeit sei wichtige, „da muss sich die katholische Kirche zu Wort melden.“

Die Nöte der Menschen müssten im Vordergrund stehen, stimmt Duderstadts Propst Bernd Galluschke zu: „Der Papst muss den Finger in soziale Wunden legen.“ Das habe Vorrang vor Fragen der reinen Lehre. Und: „Er muss die Ökumene auf dem Schirm haben.“ Dafür müsse ein künftiger Papst Erfahrung mit der evangelischen Kirche haben. Deshalb sehe er beispielsweise einen italienische Nachfolger skeptisch: „Für Italiener ist Ökumene kein Thema.“ Und wer soll es werden? „So einer wie Johannes Paul II., der Seelsorger ist, volksnah ist, der wie ein guter Vater Wärme vermittelt“. Er finde den Wiener Kardinal Christoph Schönborn „ganz spannend“, sagt Galluschke. Der sei als Europäer zudem sensibilisiert für das Thema sexueller Missbrauch, fügt der Propst hinzu. Das sei in anderen Weltgegenden nicht so präsent.

Die Führungsqualitäten eines Wirtschaftsbosses gepaart mit dem Bewusstsein weltweiter Präsenz, der Kenntnis vieler Länder und einer „tiefen Spiritualität“ benötigt ein Papst nach Ansicht von Schwester Ingeborg Wirz . Die Oberin des Duderstädter Ursulinenklosters erwartet vom neuen Pontifex darüber hinaus Kommunikationsfähigkeit und Empathie, um die Botschaft der katholischen Kirche zu vermitteln.

Diese Erwartung formuliert auch der Bilshäuser Pfarrer Michael Lerche . Der neue Papst müsse schwierige theologische Dinge einfach erklären können. „Da hat sich Benedikt etwas schwer getan“, es sei zu Missverständnissen gekommen. „Wir haben eine reiche Tradition. Die muss entschlüsselt und entfaltet werden“, so Lerche.

Wirz nennt weitere inhaltliche Schwerpunkte: Ökumene, die Frage der Wiederverheiratung und die Rolle der Frauen in der Kirche. „Das ist eine ganz entscheidende Frage, da haben wir Nachholbedarf“, sagt die Oberin der Ursulinen.

Umfrage: „Die Zeit ist reif für Veränderung“
Seit Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt vom Amt verkündet hat, rücken mögliche Nachfolger in den Fokus der öffentlichen Debatte. Wünschen sich Katholiken einen eher konservatives Oberhaupt oder einen liberalen Nachfolger? Eine Umfrage in der Duderstädter Innenstadt von Tageblatt-Mitarbeiterin Elisa von Hof.
 
„Ich wünsche mir einen jungen Papst unter 70 Jahren“, erklärte Stefan Kunze aus Mingerode. Schön wäre jemand, der moderne Ansichten vertrete und einen zeitgemäßen Glauben lebe, sagte der 50-Jährige.
Ähnlich äußerte sich Karl Bode: „Ich würde mich über einen jungen Mann von einem anderen Kontinent als Papst freuen.“ Außerdem sei es für den 63-jährigen Rollshäuser wichtig, dass der künftige Papst etwas ändere: „Ich hoffe, dass sowohl der Zölibat abgeändert sowie die ökumenische Bewegung voran getrieben wird.“
Dass sich besonders der farbige Kurienkardinal Peter Turkson aus Ghana für die Nachfolge von Papst Benedikt eigne, sind sich Andrea Ballhausen und Konny Schwetschenau einig. „Ich könnte mir einen modernen, jungen Mann, der gewillt ist, etwas zu ändern und sich für Neues einsetzt, gut im Amt des Papstes vorstellen“, erläuterte Ballhausen. Zudem wünscht sich die 46-jährige Brochthäuserin, dass die Themen Verhütung und Zölibat neu aufgegriffen und verändert werden. 
Zwar mag ich Papst Benedikt sehr, aber ich finde, dass die Zeit jetzt reif ist für Veränderung und frischen Wind“, betonte Schwetschenau. Sie könne sich vorstellen, dass die katholische Kirche durch ein jüngeres Oberhaupt verjüngt und modernisiert würde. „Die katholische Kirche muss jetzt etwas tun“, verdeutlichte die Tiftlingeröderin. Auch wenn sie keine Kirchgängerin sei, hoffe sie auf Veränderung: „Viele Bereiche wie Homosexualität und Verhütung müssen neu diskutiert und frei behandelt werden“, forderte die 56-Jährige.
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Aus der Region

Überrascht haben die Menschen in der Region auf die Ankündigung Papst Benedikts XVI.  reagiert, sein Amt niederzulegen. Der 85-jährige Pontifex erklärte am gestrigen Montag, er habe nicht mehr die Kraft, die katholische Kirche zu führen. Er werde sein Amt am 28. Februar aufgeben.

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