Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Gewitter

Navigation:
Spendersuche: Miriam Diederich kämpft gegen Knochenmarksversagen

„Mamas Blut ist krank“ Spendersuche: Miriam Diederich kämpft gegen Knochenmarksversagen

Miriam Diederich hat ihren vierjährigen Zwillingen erzählt, dass „Mamas Blut krank ist“, sie bald die Haare verlieren wird und ins Krankenhaus muss. Die Obernfelderin sagt: „Klar habe ich Angst, dass vielleicht etwas schief geht, und kein Spender für mich gefunden wird.“ Diesen Gedanken versucht sie aber so selten wie möglich zuzulassen.

Voriger Artikel
Junge Paten für Skater-Anlage
Nächster Artikel
Einbruch in Duderstädter Kaffeefachgeschäft

Wird derzeit in der Region verteilt: Ein Flyer mit einem Foto von Miriam Diederich.

Quelle: EF

Obernfeld. Krank war ihr Blut das erste Mal im Jahr 2004. Damals wurde bei der heute 29-Jährigen eine aplastische Anämie, eine Sonderform der Blutarmut diagnostiziert, kurz: Knochenmarksversagen.

„Ich hatte einen extrem niedrigen HB-Wert. In der Klinik haben sie gesagt, dass sie mich erst sehen müssen, um zu glauben, dass ich überhaupt noch lebe“, erzählt die Eichsfelderin. „Ich war so müde, dass ich gerade so auf allen Vieren noch zur Toilette kriechen konnte.“ Diederich (geborene Wüstefeld) ist die erste in ihrer Familie, bei der die Krankheit diagnostiziert wurde. „Ich war kurz vorher nach Tunesien verreist. Die Ärzte haben spekuliert, dass es vielleicht von einem Mückenstich kam. Aber wer weiß das schon“, erzählt Diederich.

Dann der Rückfall

Nach der erfolgreichen Therapie kam 2006 dann der Rückfall. „Ich war kurz vorher auf Fuerteventura und als ich zurückkam, bin ich kollabiert. Vielleicht ist ja wirklich etwas an der Vermutung der Ärzte dran, dass es etwas damit zu tun hatte“, sagt Diederich. Die Obernfelderin machte erneut eine Therapie, im Wissen, dass bei einem dritten Rückfall eine Knochenmarktransplantation notwendig werden würde.

Im Herbst des vergangenen Jahres entdeckte Diederich dann plötzlich „mehrere komische, blaue Flecken“ an ihrem Körper. Ihr war sofort klar, dass etwas nicht stimmte. Die Diagnose: Myelodysplastisches Syndrom (MDS), eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks. Seitdem wird ihr Blutbild einmal wöchentlich in der Universitätsklinik in Göttingen kontrolliert, und die Suche nach einem Spender für eine unvermeidbare Knochenmarktransplantation läuft.

Von Diederichs Schicksal haben schon viele Eichsfelder erfahren. Flyer hängen aus und sind verteilt worden. Diederich selbst und Freunde nutzen das Internet, um für Typisierungen zu werben. Sie geht ganz offen mit Ihrer Krankheit um, denn sie weiß, dass sie die Hilfe eines anderen Menschen benötigt, um ihre Krankheit zu besiegen.

Überwältigt ist die 29-Jährige von der Hilfsbereitschaft, die ihr Freunde, Familie und auch fremde Menschen entgegenbringen. „Letztens hat sich eine Frau gemeldet, die einen Flyer in die Hand bekommen hat, aber leider schon älter war als 55 und deswegen nicht als Spenderin in Frage kam. Sie hat mir dann erzählt, dass sie stattdessen Geld gespendet hat.“

Typisierungsaktionen

Ab und zu, wenn sich Miriam Diederich gut fühlt, geht sie zum Training ins Fitmaxx. Das Team aus dem Duderstädter Fitnessstudio entschloss sich kürzlich dazu, auf dem Frühlingsmarkt in Duderstadt für Typisierungen zu werben. „Eine richtig tolle Aktion“, sagt die zweifache Mutter. Genauso wie eine kleine Typisierungsaktion, die im Feuerwehrhaus in Obernfeld organisiert wurde.

„Ich bin allen so dankbar, die sich bisher typisieren lassen haben oder es noch vorhaben. Es wäre toll, wenn es in größeren Betrieben oder Schulen mehr Typisierungsaktionen geben würde“, sagt Diederich. Wenn für sie dabei kein Spender gefunden werden sollte, dann vielleicht für einen anderen Menschen. „Es wäre doch gut, wenn sich jeder ab 18 Jahren gesetzlich typisieren lassen müsste“, sagt Diederich. „Viele glauben immer, dass ihnen gleich irgendetwas rausgeschnitten wird.“

Der erste Schritt sei doch aber nur, mit einem Wattestäbchen einen Schleimhautabstrich zu machen.

Zurzeit geht es der Obernfelderin körperlich gut. In Zeiten der Grippewelle schützt sie sich ab und zu mit einem Mundschutz. Doch schon in ein paar Tagen könnte es ganz anders aussehen, denn MDS kann zu jeder Zeit in eine akute Leukämie umschlagen. „Es wäre das Schlimmste für mich, wenn meine Kinder ohne Mutter aufwachsen müssten“, sagt Diederich.

Von Kristin Kunze

Deutsche Knochenmarkspenderdatei

• Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ist mit über 2,9 Millionen registrierten Stammzellspendern die größte Stammzellspenderdatei weltweit. Durch Unterstützung von Knochenmarkspenden versucht sie, die Heilungschancen von Menschen, die an Leukämie erkrankt sind oder an einer anderen lebensbedrohlichen Erkrankung des blutbildenden Systems leiden, zu verbessern.

• Gegründet wurde die DKMS am 28. Mai 1991. Den Anstoß gab eine private Initiative von Peter Harf und dem Arzt Gerhard Ehninger. Letzterer behandelte Harfs leukämiekranke Frau Mechtild, die eine Stammzelltransplantation benötigte. In Deutschland waren damals aber nur 3000 Spender registriert.

• Wenig später wurde aus der privaten Initiative die DKMS, die heute jedes Jahr rund 700 Registrierungsaktionen organisiert, bei denen mehr als 250 000 neue Stammzellspender aufgenommen werden. In den vergangenen 20 Jahren wurde 34 326 Patienten Hoffnung geschenkt. Spender müssen gesund und zwischen 18 und 55 Jahre alt sein.

Ein kostenfreies Typisierungs-Set kann man sich kostenlos nach einer Registrierung unter: dkms.de/de/spender-werden/registrierung.html zusenden lassen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Knochenmark-Erkrankung
Plakat der Typisierungsaktion für Miriam Diederich.

Die Typisierungaktion für Miriam Diederich in Duderstadt findet am Sonnabend, 27. April, zwischen 10 und 16 Uhr statt. Die 29-jährige Mutter zweier Kinder leidet an einer bösartigen Erkrankung des Knochenmarks.

mehr
Anzeigenspezial

Informieren Sie sich über das aktuelle Fußballgeschehen in Göttingen und aller Welt.  mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt