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Stadtrundgang zur jüdischen Geschichte

Jüdische Gemeinde Stadtrundgang zur jüdischen Geschichte

Der Runde Tisch Duderstadt und die Geschichtswerkstatt erinnerten an die Gründung der neuzeitlichen jüdischen Gemeinde, die mit dem Zuzug von zwei Familien aus Wöllmarshausen nach Duderstadt am 6. Oktober 1812 begann. Knapp 20 Interessierte nahmen am vergangenen Sonnabend an dem besonderen Stadtrundgang teil.

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Auf dem jüdischen Friedhof: Götz Hütt (rechts) von der Geschichtswerkstatt mit Teilnehmern des Stadtrundgangs.

Quelle: Schneemann

Duderstadt. An der Stelle des „Judenhauses“ in der Obertorstraße, im Volksmund nach den Bewohnern so genannt, erinnern heute Stolpersteine an die jüdische Familie Israel, die von hier aus 1942 ihre Reise Richtung Osten antrat – den Vernichtungslagern entgegen. Götz Hütt von der Geschichtswerkstatt begann hier den Rundgang und wusste so manches Detail zu berichten, zum Beispiel dass den Juden während des Krieges keine Marken für Fisch oder Fleisch zustanden und es in Duderstadt keinen jüdischen Arzt gab. „Arische“ Ärzte durften die Juden nicht aufsuchen.

Die zweite Station, das Duderstädter Rathaus, war als Sitz der Verwaltung „sehr wichtig für das jüdische Leben in der Stadt“. Nachdem es im Mittelalter bereits eine jüdische Gemeinde in Duderstadt gegeben habe, durften sich die Juden über Jahrhunderte nicht in der Stadt niederlassen, erläuterte Hütt. Dies änderte sich erst, als das Eichsfeld an das Königreich Westfalen fiel. Das fortschrittliche „französische“ Westfalen brachte die Niederlassungsfreiheit, „obwohl sich der Bürgermeister dagegen sperrte“, wie Hütt berichtete. „Sehr informativ, das Ganze mal von der anderen Seite zu hören“, meinte Klaus Akuscheska, der für die Stadt Duderstadt am Rundgang teilnahm. „Das macht die Geschichte lebendig, die ich aus den Unterlagen kenne.“

An insgesamt sechs Stationen beleuchtete Hütt, der auch ein Buch zu dem Thema veröffentlicht(Tageblatt berichtete), die wechselvolle Geschichte der jüdischen Gemeinde, die auch ein Stück weit verdrängte Geschichte der Stadt darstellt. So wundert es nicht, dass die meisten der Teilnehmer vieles erfuhren, was für sie neu war. „Ich finde, es gehört einfach dazu, sich für die Geschichte der Stadt, in der man lebt, zu interessieren“, fasste es eine Teilnehmerin zusammen. Dass es in der Nähe von Duderstadt ein Außenlager des KZ Buchenwald gegeben hat, war für Daniel Zornhagen eine neue Information. „Wir haben die Hitlerzeit in der Schule natürlich behandelt, aber die Details kannte ich so nicht“, bestätigt er. Der 28jährige Industriekaufmann hat bei Ottobock mit Geschäftspartnern in Israel zu tun, „daher interessiert mich dieser Teil der Geschichte besonders“.

Weitere Stationen waren das Haus Nummer 33 in der Steintorstraße und ein Apfelgarten der Christian-Blank-Straße gegenüber dem Ursulinenkloster. In der Steintorstraße war der erste Schulraum der jüdischen Gemeinde untergebracht, vor dem heutigen Apfelgarten erinnert eine Gedenktafel an die Synagoge, die in der Reichspogromnacht 1938 niederbrannte. Der Rundgang schloss ab mit einem Besuch des jüdischen Friedhofs, im 19. Jahrhundert eine Viehweide – als solche wurde sie auch noch genutzt, als die Juden dort ihre Verstorbenen beerdigten.

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