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Tafel in Duderstadt gibt kistenweise Lebensmittel an Bedürftige weiter

In Haberstraße 7 Tafel in Duderstadt gibt kistenweise Lebensmittel an Bedürftige weiter

„Was ist denn das? Was soll ich damit?“ Auf den Gesichtern der Bedürftigen, die sich montags bei der Tafel in Duderstadt für wenig Geld eine randvoll gepackte Kiste mit Lebensmitteln abholen, spiegelt sich oft Ratlosigkeit. Immer wieder entdecken sie in ihrem Einkauf Dinge, die sie im Supermarkt nie in ihren Wagen legen würden.

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Bei der Lebensmittelausgabe in der Haberstraße: Melanie und Andreas König aus Duderstadt beim Umpacken des Einkaufs.

Quelle: Blank

Duderstadt. So gibt es zum Beispiel Kunden, die noch nie eine Aubergine oder eine Avocado in der Hand hatten. Auch Rosenkohl, Fenchel oder Artischocken sind vielen unbekannt.

Die rätselhaften Objekte in den fertig gepackten Kisten bieten Gesprächsstoff. Welche Teile des Gemüses sind essbar? Wie zerschneidet man es am besten? Rezepte werden ausgetauscht. Einige der alleinerziehenden Mütter zwischen 35 und 45 Jahren hätten Zeit zum Kochen und Experimentieren, aber häufig kein Interesse daran, beobachten Mitarbeiter. Ohne Tipps von anderen Bedürftigen in der Warteschlange oder vom Helferteam wären sie überfordert.

Vorlieben

Zum Teil müssen die Mitarbeiter auch falsche Vorstellungen ausräumen. So fiel Helfern auf, dass Bedürftige rote den grünen Paprika vorzogen. Es stellte sich heraus, dass grüne Paprika als unreif galten. Einige Kunden hatten das Gemüse in die Küche gelegt und gewartet. Es wurde aber nicht rot, sondern verschimmelte. Die Migranten, die etwa ein Viertel der Bedürftigen ausmachen, lieben Weißbrot, obwohl Vollkornbrot gesünder ist. Fast alle bevorzugen geschnittenes Brot, dabei hält sich Brot an Stück länger.

45 Menschen erscheinen jeden Montag zwischen 14 und 15 Uhr  in der Haberstraße 7 . 120 Leute haben sich registrieren lassen. Jedes Mal sind ein, zwei Neue dabei, dafür bleiben andere fort. Neben den jungen Müttern gibt es einige Personen, die jünger als 30 Jahre alt sind. Rentner kommen kaum, obwohl auch in Duderstadt viele alte Frauen von weniger als 850 Euro leben müssen. Sie hungern aber eher, bevor sie als Almosenempfängerin gelten. Dabei wird die Hilfe diskret gewährt. Anders als etwa in Göttingen steht die Warteschlange nicht vor, sondern – von der Straße aus unsichtbar – hinter dem Haus.

Ausgeteilt werden die Lebensmittel von 20 Helfern, die zwischen 45 und 85 Jahren alt sind. Die Mitarbeiter haben sich in vier Teams zusammengefunden, die sich abwechseln. Immer ist ein Mann dabei, der schwere Dinge hebt und sich mit praktischen Ideen einbringt. „Da kommen wir Frauen oft gar nicht drauf“, staunt die Leiterin der Tafel, Dagmar Klie. Unter den Helfern sind auch Katholiken.

Kisten aus Osterode

Gepackt werden die Kisten in Osterode, wo es ebenfalls eine Tafel gibt. Die dortigen Mitarbeiter fahren jede Woche 21 Supermärkte an. Sie holen dort jeweils insgesamt vier Tonnen Lebensmittel ab, die noch genießbar sind, aber den Marktkunden nicht mehr zum Kauf angeboten werden. Drei bis 3,5 Tonnen davon können weitergegeben werden.

Seit es in Duderstadt die Tafel gibt, zeigen sich die Märkte der Stadt spendabler. Die Duderstädter überlegen derzeit, ob sie noch an einem zweiten Tag in der Woche Lebensmittel ausgeben sollen. Sie suchen Fleischereien und Spielwarengeschäfte, die das Projekt mit Spenden unterstützen wollen, Telefon 0 55 27 / 7 16 07 .

Von Michael Caspar

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