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Tanzpädagogin erhält Zuschlag für Gotteshaus

ehemalige Kirche Tanzpädagogin erhält Zuschlag für Gotteshaus

Die letzte Messe wurde Ende Juli gelesen, inzwischen ist die 1956 gebaute Herz-Jesu-Kirche in Katlenburg zu einer Baustelle geworden. Tanzpädagogin Kerstin Baufeldt wird ab Februar in ihrem Heimatort mehr als 200 kleine und große Tänzerinnen dort unterrichten, wo fast 53 Jahre lang Kirchenbänke gestanden haben.

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Wird noch eine Weile an die ehemalige Kirche erinnern: Das große Fenster lässt in Zukunft Licht in das Kostümlager der Tanzpädagogin Kerstin Baufeldt.

Quelle: Pförtner

„Mit diesen Räumlichkeiten erfülle ich mir einen Traum“, erzählt die 41-Jährige. Im Spätsommer 2008 hatte sie erstmals von der geplanten Profanierung der Kirche in der Zeitung gelesen, später dann Kontakt mit den Verantwortlichen vom Bistum Hildesheim aufgenommen. Es folgte eine ausführliche Bewerbung, in der die ausgebildete Augenoptikerin ihr Konzept detailliert vorstellte, zu dem auch Benefizveranstaltungen für kirchliche und soziale Aktionen gehören. „Das war ein unheimlicher Aufwand, es sah lange Zeit auch sehr gut für mich aus. Erst kurz vor der Entscheidung kam ein weiterer Interessent, ein Handwerksbetrieb aus der Umgebung dazu“, berichtet Baufeldt. Noch einmal wurde gerechnet und kalkuliert, ehe sie schließlich ihr Angebot verdeckt abgab – und den Zuschlag erhielt. „Das muss aber eine ganz knappe Sache gewesen sein“, hat sie später erfahren.

Musicalerfahrung

Baufeldt, die schon bei den Domfestspielen in Bad Gandersheim bei Musical-Inszenierungen mitgetanzt hat, hat nach der Geburt ihrer drei Kinder das Hobby zum Beruf gemacht. Unterrichtet hatte sie – im Verein – auch schon vorher. Ihrer Ausbildung an einem privaten Tanz-Institut in Köln folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. „Strenges Ballett wollte meine Tochter nicht, andere Angebote gab es hier in der Umgebung nicht“, erzählt die Katlenburgerin. Sie machte einen Aushang im Kindergarten und hatte sofort 60 Rückmeldungen. Inzwischen tanzen 200 Kinder und Frauen in 15 Gruppen bei ihr. „Ich habe gerade erst wieder zwei neue Gruppen eingerichtet und immer noch 60 Kinder auf der Warteliste. Mehr geht jetzt aber erst einmal nicht.“

Zeit für Fensterwechsel

Die Verträge für die Übernahme der Kirche sind unterschrieben und die ersten Handwerksarbeiten erledigt. Drei große Posten beinhalten die sechsstelligen Investitionskosten. Neben dem Kauf der Immobilie verschlingt die Installation einer neuen Heizungsanlage, die Verlegung eines Schwingfußbodens und der Austausch der Kirchenfenster den Großteil ihres Budgets. „Ich hätte vier Jahre Zeit gehabt die Fenster auszuwechseln, habe mich dann aber entschlossen es gleich zu tun, damit in ein paar Jahren nicht wieder Renovierungsarbeiten anfallen“, sagt Baufeldt. Lediglich das größte Fenster bleibt erst einmal da, es wird Licht in das zukünftige Kostümlager lassen. „Ich bin glücklich, dass ich das habe. Im Moment lagere ich alle meine Kostüme auf sechs Quadratmetern“, freut sie sich über mehr Platz.

Der Tanzsaal mit einer verspiegelten Wand wird 140 Quadratmeter groß, ein großer Umkleideraum und eine kleine Küche („Darin können sich die wartenden Mütter mal einen Kaffee kochen“) schließen sich an. Als großen Vorteil sieht Baufeldt, „dass das Schleppen endlich aufhört“. Bislang musste sie ihre Musikanlage an jedem Nachmittag im angemieteten Gymnastikraum der Burgberghalle auf- und wieder abbauen. Jetzt bekommt diese einen festen Platz – dort, wo einmal die Orgel gestanden hat. „Außerdem kann ich vor großen Aufführungen auch einmal zusätzliche Trainingseinheiten ansetzen, ohne jede Hallennutzung zusätzlich zahlen zu müssen“, nennt die Tanzpädagogin einen weiteren Vorteil.

Während sie in den Nachmittagsstunden und an einigen Abenden in der Woche die Räume nutzen wird, sollen diese zu anderen Zeiten aber nicht leer stehen. „Ich habe Kontakt mit einem Tanztherapeuten-Paar in Göttingen aufgenommen. Die könnten sich vorstellen, hier etwas mit traumatisierten oder behinderten Kindern und älteren Menschen zu machen. Von den Räumlichkeiten waren sie jedenfalls begeistert“, erzählt Baufeldt. In den Abendstunden könnten dort auch Yoga- oder Sportkurse stattfinden. „Ich möchte, dass sich dieses Haus mit Leben füllt.“

Profanierung

Seit 2003 sind im Bistum Hildesheim 22 Kirchen profaniert worden. Bis 2014 sollten ursprünglich 80 Gotteshäuser schließen, nach der Entscheidung des Priesterrates werden es nun erst einmal 49. Nach der letzten Messe in Katlenburg hieß es noch, dass die Caritas ein soziales Kaufhaus einrichten wolle. Andere Kirchen wurden abgerissen, in eine Kindertagesstätte oder Kinderkrippe umgewandelt, zu Familienwohnungen umgebaut oder an die orthodoxe Kirche übertragen.

In zwei Veranstaltungen zeigen Baufeldts Gruppen am 23. und 24. Januar 2010 (jeweils um 15 Uhr) in der Northeimer Stadthalle ihre Show „Best of Musical“. Karten gibt es im Vorverkauf bei Paper Shop (Katlenburg), Juwelier Lüttge und Drechslerstübchen Nolte (Northeim).

Von Kathrin Lienig

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