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„Sie sahen aus wie Leute, die nicht dahin gehören“

20 Jahre Grenzöffnung „Sie sahen aus wie Leute, die nicht dahin gehören“

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 fiel die innerdeutsche Grenze. Das Ereignis hat die Welt verändert und ist für die Menschen der Region mit vielen Erinnerungen verbunden. In einer Serie stellt das Tageblatt ihre Erlebnisse und prägenden Eindrücke aus der Zeit der Grenzöffnung vor. Teil 2: Gunnar Kalkbrenner, Inhaber des Telefonladens Duderstadt.

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Schlangestehen im Westen: Nach dem Mauerfall strömten Tausende von DDR-Bürgern in die westdeutschen Städte zum Einkaufen.

Quelle: DPA

Duderstadt. „Sie sahen aus wie Leute, die nicht dahin gehören“, erinnert sich Gunnar Kalkbrenner an den Morgen nach dem Mauerfall zurück.

Wer sie waren, das wusste der Duderstädter genau. Denn: Abends zuvor hatte er zu später Stunde in seiner Wohnung auf der Marktstraße noch einmal den Fernseher eingeschaltet und etwas gesehen, womit er nicht gerechnet hatte. „Die Grenzöffnung war soweit für mich weg. Diese Nachricht war schon eine Überraschung und ein Highlight“, sagt Kalkbrenner.

Am nächsten Tag ging der heute 43-Jährige wie gewohnt zur Arbeit in das familieneigene Elektrohaus Kortekamp. „Vor den großen Schaufenstern standen ganze Trauben müder Menschen in Trainingsanzügen“, beschreibt Kalkbrenner rückblickend die Situation vor dem Geschäft in der Duderstädter Innenstadt am Morgen des 10. November 1989.

„Ich habe zu meinem Vater gesagt, er soll ein paar Kaffeemaschinen herholen und dann haben wir den wartenden, übermüdeten Menschen etwas zu trinken angeboten. Wofür sie sehr dankbar waren.“

Noch heute wissen viele Eichsfelder, dass im Elektrogeschäft Kortekamp knapp ein Jahr nach der Grenzöffnung Ausverkauf herrschte. Kalkbrenner: „Der Tag der Währungsumstellung war der umsatzstärkste Tag der Firma Kortekamp.“ Vor allem Walkmen, Radio- und Stereorekorder sowie kleine Fernsehgeräte seien im Sommer 1990 „Renner“ gewesen.

„Wir hatten Phasen, da mussten wir die Ladentür abschließen und die Leute in kleinen Gruppen reinlassen.“ Kalkbrenner und seine Kollegen seien sich damals wie Marktschreier vorgekommen. „Wir haben immer einzelne Geräte hochgehalten und interessierte Kunden mussten sich melden, wenn sie es haben wollten.“

Normalisierung

Im Laufe der Jahre habe sich aber schnell wieder der normale Ladenbetrieb eingestellt. „Nach dem Fall der Mauer sind alle Menschen, die die Grenze überquert haben, in der ersten West-Stadt einkaufen gegangen und das war in dieser Region nun mal Duderstadt“, erklärt Kalkbrenner, der nach der Schließung des Elektrohauses Kortekamp vor drei Jahren nun zwei Telefonläden betreibt.

Heute sieht er, was den Einzelhandel betrifft, hin und wieder eine Grenze zwischen Ost und West. „Ich glaube schon, dass einzelne lieber in Leinefelde einkaufen gehen, auch wenn Duderstadt näher wäre.“

Von Kristin Kunze

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