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Aus bestem Quellwasser wird Eichsfelder Bier

Morgens um 10 Uhr im Eichsfeld Aus bestem Quellwasser wird Eichsfelder Bier

Hiermit wird bekannt gemacht, dass niemand in die Brehme macht, denn morgen wird gebraut!" So hieß es einst, als in Duderstadt - und vielen anderen Eichsfelder Orten - Bier gebraut wurde. Seit dem Mittelalter sollen allein in Duderstadt 350 Häuser in der Innenstadt die "Braugerechtigkeit" besessen haben.

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Bergauf, bergab und um die Kurve: Werner Fischer (l.) und Kollege Plessmann überwachen das Abfüllen der Flaschen.

Quelle: Pförtner

Erst im frühen 20. Jahrhundert konnten die Eichsfelder sich nicht mehr gegen moderne Großbrauereien durchsetzen und gaben das Geschäft mit dem Bier auf. Nur die Worbiser Brauerei des Carl Kunze, der 1867 mit der Bierproduktion begann, trotzte der Konkurrenz und ist bis heute als einzige Eichsfelder Brauerei tätig.

 

Der Hof hinter dem alten Hauptgebäude ist so groß, dass die Türme aus Bierkisten und herumfahrende Lastwagen kaum auffallen. Dahinter erheben sich helle Fabrikgebäude, in denen die eigentliche Produktion stattfindet.

 

Beim Eintritt in die riesige Lagerhalle herrscht noch verhaltene Ruhe. Ein Gabelstapler schichtet Paletten mit Getränkekisten haushoch übereinander. Laut wird es eine Tür weiter. Unzählige Maschinen, Hebearme und Fließbänder versuchen das ohrenbetäubende Geklirre und Geklapper tausender Flaschen zu übertönen, die wie kleine Soldaten mit gestreckten Hälsen auf den Bändern entlang laufen, bergauf, bergab, um die Kurve und im Kreis.

 

Die Reise der Flaschen beginnt mit dem Sortieren. "Das macht die meiste Arbeit", weiß Bernd Ehbrecht, einer der beiden Geschäftsführer der Brauerei. "Die ganze Abfüllung muss gestoppt werden, wenn da eine falsche Flasche mitläuft." Aber auch Flaschen mit Unrat wie zusammengedrückten Kronenkorken müssen per Hand aussortiert werden.

 

Vor der Aufnahme in die Reinigungsanlage gibt es klimperndes Gedränge. Jede Flasche wird nur einzeln hineingelassen. Der Reihe nach kommen sie glänzend sauber am anderen Ende der Maschine wieder heraus. Frisch geht es in die Abfüllung. Heute steht Cola auf dem Etikett. Dann noch die Krone auf das Haupt, und ab in die gelbe Kiste, die schon am nächsten Fließband wartet. Damit wirklich nur das drin ist, was drauf steht, wird jede Abfüllung kontrolliert. Das ist die Aufgabe von Gisela Diegmann, der Neunspringer Lebensmittellaborantin. Ihr Arbeitsplatz liegt hoch über der Flaschenarmee und ist mit modernster Technik ausgestattet.

 

"Schon der Name Neunspringe verrät einiges. Tatsächlich sind es neun Quellen, die vom Wasserverband Eichsfelder Kessel gewartet werden", so Ehbrecht. "Zwei dieser Brunnen werden zum Brauen genutzt. Die Qualität ist sogar besser als unser Trinkwasser." Der Geschäftsführer weiß, wovon er spricht. Immerhin wird jeden Montagmorgen das Bier verkostet, um gleich bleibende Qualität zu gewährleisten.

 

Traditionelle Braukunst

 

Aber Bier gibt es nicht nur in Flaschen. Die Abfüllung der Fässer wirkt ruhig und überschaubar im Vergleich zur Flaschenabfüllung. Daneben befindet sich eine futuristische Reinigungsanlage, die mit ihren edelstahlglänzenden Tanks den ganzen Raum beherrscht. "Mit Lauge, Säure und Desinfektionmittel werden die 15000 Liter fassenden Gärtanks und die Sudpfannen nach jeder Entleerung gereinigt, sowie alle Leitungen, in denen Brauereiprodukte fließen", erklärt Braumeister Tobias Düppetel. Aus Hopfen, Wasser und Malz - also verarbeiteter Gerste - wird der Sud angesetzt. Dann kommen die Hefekulturen dazu. Vergoren wird das Gebräu in den Gärtanks. Nach zehn bis 15 Tagen Lagerung ist das frische Bier fertig und wird auf den Markt gebracht.

 

In der Neunspringer Brauerei gehört es zur Firmenphilosophie, mit moderner Technik auf traditionelle Art Bier zu brauen. Im Mittelalter war die Braukunst ein angesehener Wirtschaftszweig, der vielen Städten zu Reichtum verhalf. Heute hat jede Brauerei mit rückläufigen Zahlen zu kämpfen. So sind die Neunspringer dabei, ihre Angebotspalette stetig zu erweitern und bringen erstmalig ein Eichsfelder Mai-Bock heraus. Starkbiere haben in der Frühjahrssaison eine lange Tradition in katholischen Regionen, denn "was flüssig ist, bricht kein Fasten". Ein starkes Bier war immer ein willkommener Ausgleich in der kargen Zeit.

Von Claudia Nachtwey

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