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Aus grünem Müll wird "Duderstädter Dünger"

Morgens um 10 Uhr im Eichsfeld Aus grünem Müll wird "Duderstädter Dünger"

Zwischen mehreren meterhohen Hügeln aufgetürmten Baum-, Strauch und Tannenschnitts kurvt ein gelber Radlader und transportiert das in seiner Schaufel aufgeladene Gehölz zu einer unermüdlich brummenden Maschine. Auf der einen Seite rattern Strauch und Tannen auf einem Förderband hinein, auf der Rückseite fliegt Schreddergut hinaus. Ein Erdhaufen türmt sich auf, der in seinen Bestandteilen nicht mehr erkennbar ist.

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Der Radlader befördert Strauchschnitt in den Schredder, wo er zur Kompostierung zerkleinert wird.

Quelle: Tietzek

Der Radlader bleibt unerwartet stehen, die Tür öffnet sich und ein Mann steigt die drei Stufen in den regenverhangenen Morgen herunter. Weder das Nass, noch der äußert starke Geruch - eine undefinierbare Mischung aus Bauernhof, Garten und Abfall - scheinen Jürgen Breitenstein etwas auszumachen. Sein Arbeitstag hat bereits um halb acht begonnen. Jetzt, um 10 Uhr, hat er schon einen Großteil des Strauchschnitts in die Schreddermaschine befördert. Bei einem Wetter wie heute herrsche kein großer Andrang, erklärt Breitenstein. "Bei Sonnenschein ist hier jedoch die Hölle los", weiß er.

Aber trotzdem hat er jetzt einiges zu tun. Ein grüner Biomüllabfuhrwagen kommt aus einer großen offenen Halle mit aufgeschichteten dampfenden Komposthügeln, den Mieten. Hier lagert der in den "Grünen Tonnen" gesammelte Biomüll der Haushalte aus dem Bereich der Gemeinden Duderstadt, Friedland und Gieboldehausen. Drei bis vier Monate dauert es, bis aus den organischen Abfällen hochwertiger Kompost geworden ist.

Breitenstein steckt einen Metallstab in den Kern einer Miete und betrachtet geduldig die Digitalanzeige des Thermometers. Schließlich nickt er zufrieden, als die Gradzahl auf 75 Grad klettert. Die Temperatur müsse über 55 Grad liegen, erklärt er. "Je höher, umso besser." Ist die Temperatur zu niedrig, muss der Kompost mit Wasser angereichert werden. Täglich werden die Mieten kontrolliert und die Temperatur dokumentiert.

Zwischen Äpfeln, Stroh, altem Brot und verwelkten Blumen liegt auch viel nichtkompostierbares Material wie Plastikmüll. Dieses auszusortieren zählt auch zu den Aufgaben Breitensteins: "Wir sieben fast ständig. Das ist ein unheimlicher Aufwand." Natürlich wird nicht mit der Hand gesiebt, sondern mithilfe einer Maschine: dem Windsichter. Dieser trennt durch einen über Propeller erzeugten Unterdruck die verschieden schweren Bestandteile des Mülls voneinander. Anschließend durchläuft der Bioabfall Siebtrommeln in verschiedenen Feinheits-Stufen. Breitenstein hebt einen Löffel aus der Aussiebkiste hoch: "Wir haben auch schon die tollsten Sachen gefunden. Ein altes Radio oder einen Mixer." Heute stehen Windsichter und Siebtrommeln jedoch still. "Bei dem Wetter ist alles ein bisschen durcheinander", erklärt Breitenstein. Fertigen Kompost könnten die Bauern nicht auf die Felder bringen und nur wenige Privatanlieferer kämen.

Verkauf und Zulieferung

Die wenigen, die heute kommen und gehen, müssen zunächst das Pförtnerhäuschen passieren. Hier hat Klaus Haase Dienst. Das Telefon klingelt. Haase nimmt ab: "Der Rindenmulch? - Der könnte noch so zwei bis drei Wochen dauern." Haase gibt den Kubikmeterpreis durch. Derweil fährt ein rotes Auto vor, ein Abholer, der fertigen Kompost bereits eingeladen hat. Durch das geöffnete Fenster nimmt Haase das Geld für die zwei Säcke Kompost entgegen. Neben dem Verkauf regelt er auch die Zulieferung. Auf einer in den Boden eingelassenen Waage vor dem Häuschen wird das Gewicht überprüft. An Sonnabenden brächten im Zuge von Gartenarbeiten bis zu 70 Privatanlieferer Strauchschnitt und Bioabfälle.

In den frühen Morgenstunden hat Haase bereits die tägliche Abwasserkontrolle durchgeführt. Das in einem quadratischen Betonbecken aufgefangene Oberflächenwasser werde hinsichtlich des pH-Wertes untersucht, damit es geregelt ins Grundwasser abgegeben werden könne. Ein äußerst säuerlicher Geruch liegt in der Luft, denn neben Oberflächenwasser wird separat das zur Kompostierung und Umlagerung der Mieten verwendete Abwasser bis zu dessen Abtransport gespeichert. "Das kommt natürlich nicht ins Grundwasser. Wir wollen ja nicht, dass hier das große Fischsterben einsetzt", erklärt Haase.

Von Christina Hellmold

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