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Axel Wolf malt mit allem, was bunt macht

Morgens um 10 Uhr im Eichsfeld Axel Wolf malt mit allem, was bunt macht

Das Arbeitszimmer von Axel Wolf macht seinem Namen alle Ehre. Hier wird gearbeitet, und zwar in ganz verschiedenen Bereichen. Einige Elemente findet man in jedem Büro: Da stehen Aktenordner in Regalen, das Display des PC leuchtet, auf einem Tischchen flimmert ein Fernseher, der nebenbei über das aktuelle Tagesgeschehen informiert. In den Ecken stapeln sich vielerlei Kisten, Kästen und Kartons, deren Inhalte nur der Meister persönlich kennt.

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Herr über sein „organisiertes Chaos“: Kunstmaler Axel Wolf in seinem Arbeitsraum.

Quelle: Pförtner

Doch diese Dinge fallen eigentlich erst beim zweiten Hinsehen auf. Denn nicht Büroarbeit ist die Haupttätigkeit eines Kunstmalers. Axel Wolf malt mit allem, was bunt macht. Ob Acryl, Öl, Aquarell, jedes Metier hat eine eigene Faszination für den Duderstädter.

 

Am heutigen Morgen liegt ein kleines Aquarell auf seinem Schreibtisch, das er gerade vollendet hat. "Das ist ein Auftrag einer Firma für Tischdekoration", erklärt er. Ein paar Kürbisse und Blätter in leuchtenden Herbstfarben sind mit feinen Linien und ausgefeilter Aquarelltechnik auf das Papier gebracht. "Diese Entwürfe werden im Frühjahr auf der Frankfurter Messe vorgestellt und zur Herbstsaison 2009 auf den Markt kommen", erläutert der Maler mit einem kritischen Blick auf sein Werk.

 

Doch nicht nur solche Aufträge lassen ihn kreativ werden. Auch Restaurationsarbeiten nimmt er gern an. Einem alten Gemälde, das durch einen Wasserschaden stark beschädigt wurde, hat er in müheseliger Kleinarbeit seine ursprüngliche Form wieder gegeben. Die winterliche Emslandschaft gab an manchen Stellen nur Reste des Originals frei. Die mussten als Orientierungshilfen ausreichen, um den Stil des einstigen Malers zu kopieren und das Werk wiederherzustellen. "Mit solchen Arbeiten hat man auch einen Einblick in den Stil anderer Künstler", beschreibt Wolf sein Interesse an Restaurierungen.

 

Auf der Staffelei neben dem Schreibtisch steht ein Stillleben des Malers Kurt Schumacher, das Wolf von seinem Vater geerbt hat. Hier ist der Rahmen beschädigt. Auch bei solchen Restaurationsarbeiten legt der Künstler selbst Hand an.

 

Sein Vater war wohl mit verantwortlich für die ersten künstlerischen Erfahrungen des jungen Wolf. Selbst Kunstsammler und Förderer einiger Maler, nahm er seinen Sohn schon früh mit in verschiedene Ateliers. Axel Wolf erinnert sich: "Bei Karl-Heinz Hoffmeister und auch bei Bubi Jünemann durfte ich immer auf den leeren Staffeleien meine ersten Versuche starten, wenn mein Vater die Künstler besuchte. Manchmal gaben sie mir ein paar Tipps zum Farbenmischen."

 

Jedoch macht das Mischverhältnis der Farben noch keinen Kunstmaler aus. "Ein bisschen Talent sollte man auch mitbringen", schmunzelt der Duderstädter, der eigentlich Theatermaler werden wollte und auch schon die Zusage für ein Volontariat in Göttingen hatte. Zeitgleich traf er Heinrich Noth, den Inhaber der damaligen Firma Cardpack am Euzenberg. Der bot ihm sofort einen Job an, und so kam Wolf zum Malen von Postkartenmotiven, womit sich in diesen Jahren ganz gut leben ließ. "Heute sieht das anders aus", bedauert er. "Durch die neuen Medien gerät die Handarbeit immer mehr in den Hintergrund. Mein Beruf ist am Aussterben."

 

Komplette Datensätze

 

Zwar bearbeitet auch Wolf inzwischen seine Werke am PC und fertigt für seine Auftraggeber komplette Datensätze an, die den Verlagen oft die gesamte Druckvorlage mitliefern und somit viel Arbeit sparen, doch er weiß auch: "Gerade die junge Generation ist mir im Umgang mit der neuen Technik voraus."

 

Sein Blick wandert durch sein "organisiertes Chaos", wie er selbst das Sammelsurium in seinem Atelier nennt. Tuben mit Öl- und Acrylfarben liegen neben Paletten mit Farbresten, in Gläsern stecken saubere Pinsel in allen Größen neben Scheren, Klebern, Linealen und Stiften. Dosen und Flaschen mit Lösungsmitteln und anderen Substanzen warten auf ihren Einsatz. Die unterschiedlichen Techniken, die der Kunstmaler beherrscht, bedürfen auch verschiedener Arbeitsmaterialien. "Da wird man erfinderisch", lacht Wolf. "Eine Kopie von Caspar David Friedrich habe ich auch schon mal mit Feinripp bearbeitet, wenn es ein bestimmter Effekt erforderte."

 

In Duderstadt sieht man vielerorts einen "echten Wolf" in der Öffentlichkeit. Die Umrandung der Eisbahn in der Marktstraße vor zwei Jahren war ebenso sein Werk wie die Bemalung der vielen "Anreischken" vor den Duderstädter Geschäften oder das Motiv auf dem Plakat, das demnächst wieder auf den Duderstädter Weihnachtsmarkt hinweisen wird. Und wer eine Postkarte zu feierlichen Anlässen mit klassischen Motiven bevorzugt, sollte auf die Künstlerinitialen achten - vielleicht ist ein "Wolf" dabei.

Von Claudia Nachtwey

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