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Besuch bei Karl Keuner in der Justizvollzugsanstalt Duderstadt

Hauptsache keine Langeweile Besuch bei Karl Keuner in der Justizvollzugsanstalt Duderstadt

In einer Serie besucht das Eichsfelder Tageblatt morgens um zehn Uhr Orte und Menschen in der Region. Heute: zu Besuch bei Karl Keuner (Name von der Redaktion geändert), Gefangener im offenen Vollzug der Justizvollzugsanstalt in Duderstadt.

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Quelle: Thiele

Duderstadt. Zehn Uhr. Keuners Zimmernachbar stapft im weißen Bademantel aus seiner Zellentür und ruft, er gehe jetzt duschen. Im offenen Vollzug bleiben die Zellentüren unverschlossen, das Bad liegt auf der anderen Seite des Flurs. Keuner, ein Mann um die 30, ist schon seit Stunden auf den Beinen. Um sechs Uhr beginnt er mit der Arbeit.

Er findet, dass es ein  guter Job ist, den er hier im Gefängnis hat: Keuner fegt und wischt die Böden, wäscht, was Personal und Gefangene an Wäsche haben, mäht im Innenhof und vor dem Gebäude den Rasen. Er bringt den Müll nach draußen, entsorgt Flaschen und Papier. Hauptsache keine Langeweile.

Um zehn Uhr morgens ist er für gewöhnlich mit seiner Putzausrüstung in der Gemeinschaftsküche angelangt. Ein schmaler Raum mit gelber Küchenzeile. Mikrowelle, Herd, Backofen. Es riecht nach Pizza. Dann geht es für Keuner weiter, den breiten Flur entlang, an den rechts und links die Zellen grenzen.

Ein Blick ins Gebäude und in den Innenhof: So sieht es in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Duderstadt aus.

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Keuner ist mit seiner Arbeit den ganzen Tag beschäftigt. „Ich bin zufrieden“, sagt er. Solange man Arbeit habe, komme keine Langeweile auf. Als Keuner seine Haft im November in Duderstadt antrat, hat er kurz in einem Betrieb gearbeitet, im Akkord. Auch das sei in Ordnung gewesen. Keuner ist ein  Vorzeige-Gefangener. Ihn hat der Direktor angesprochen, als es darum ging, wer das Interview führt.

Bei manchen Fragen blickt Keuner hinüber zum Pressesprecher links neben ihm. Der sagte, er müsse bei dem Gespräch dabei sein. Keuner verstummt, wenn der kräftige Mann neben ihm das Wort ergreift. Er erläutert, erklärt. Benutzt viele Worte und lehnt sich über den Tisch. Keuner lehnt sich zurück ohne Regung im Gesicht.

„Keine Scheiße mehr bauen.“

Er hofft, dass er bald entlassen wird. Im Mai will Keuner die JVA hinter sich lassen, dann hat er drei Viertel seiner Haftstrafe verbüßt. Darauf arbeitet er hin.

Einen genauen Zukunftsplan hat Keuner auch schon: Er will sich einen Job suchen. Und er will umziehen, um von denen wegzukommen, die ihn ungünstig beeinflussen. „Keine Scheiße mehr bauen.“ Seine Freundin heiraten.

Zu Ostern bekomme er hoffentlich vier oder fünf Tage Urlaub. Hier im offenen Vollzug werden den Gefangenen  nach und nach mehr Freiheiten zugebilligt, solange sie sich an ihre Vollzugspläne halten.

Wenn Keuners Urlaub bewilligt wird, dann will er sich mit seiner Freundin, dem Vater und seinen Stiefkindern treffen. Ostereier für die Kinder verstecken und im Garten sitzen. Nur wenn Keuner von seiner Familie spricht, hellt sich sein Gesicht auf. Nur dann gerät Bewegung in seine Mimik und Körpersprache. Was die Verurteilung und Haft am Ende auch bewirkt haben mögen: Als selbstbewusster Mensch verlässt Keuner das Gefängnis nicht.

Von Telse Wenzel

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