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Eichsfelder blicken auf Sonne, Planeten und Kometen

Morgens um 10 Uhr im Eichsfeld Eichsfelder blicken auf Sonne, Planeten und Kometen

Hinter einer Fensterscheibe beobachtet Klaus Gräbig das Geschehen im Raum der Thermal-Vakuum-Anlagen. Seine Kollegin Bianca Grauhof ist dabei, in einer von zwei Großkammern optische Spiegel für ein Teleskop zu testen, das 2009 bei der Mission Sunrise den Weg zur Sonne antreten wird.

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Original im All, Modell im Institut: Norbert Krupp erklärt den Aufbau einer Sonde, die im Jahr 2014 auf einem Kometen landen wird.

Quelle: Pförtner

"In einer Thermal-Vakuum-Kammer können wir verschiedene Einzelteile unter Weltraumbedingungen testen", erklärt Gräbig: "Wir können die Temperaturen zwischen 100 Grad plus und 170 Grad minus variieren und mit extrem niedrigen Drücken arbeiten." Wichtig sei es vor allem, die Räume der Anlagen sehr sauber zu halten und große Vibrationen zu vermeiden. Mitarbeiter dürften den Raum daher ausschließlich in Spezialkleidung und geringer Anzahl betreten.

Insgesamt hat das Max-Planck-Institut 15 solcher Thermal-Vakuum-Kammern, die sich in Größe, Leistungsfähigkeit und Einsatzart unterscheiden. Und so sind im Nebenraum am heutigen Tag auch die Vergleichskammern in Betrieb. Gräbig: "Wenn sich die Bedingungen im All ändern, können wir diese auf der Erde nachstellen und gucken, wie die Geräte, die sich bereits dort befinden, darauf reagieren. Das bedeutet für uns, wir sind schneller bei der Fehlersuche." Zum Testen der unterschiedlichen Einzelteile hat das MPS auch Vibrationsanlagen, Optiklabore und Lasereinrichtungen.

Bis die Einzelteile jedoch dorthin gelangen, haben sie einen weiten Weg vor sich. "Man kann durchaus sagen, dass eine Mission ein ganzes Wissenschaftler-Leben dauert", erklärt Norbert Krupp, Öffentlichkeitssprecher des Max-Planck-Institutes. Die Entwicklung und der Bau eines Instrumentes beginnen zunächst mit der Sicherstellung der Finanzierung und dem Bau von Modellen, mit denen das Institut der Konkurrenz gegenübertritt. "Wir konkurrieren mit Instituten, die fast alle zehnmal so groß sind, aber unsere Ausbeute lässt sich sehen", freut sich Krupp.

Hochbetrieb in Werkstätten

Hat das Max-Planck-Institut den Wettlauf für sich entschieden, beginnen die Ingenieure der Konstruktionsabteilung und des Labors mit der Entwicklung von Versuchsaufbauten, die bereits die vorgegebenen Randbedingungen wie Masse oder elektronische Verbrauchswerte einhalten. Die Einzelteile werden dafür größtenteils in den mechanischen Werkstätten des Instituts hergestellt. In diesen herrscht auch heute Hochbetrieb. An den Werkbänken werden Nachbesserungen und Montagearbeiten vorgenommen, an der Drehmaschine liegt ein Haufen von Titanspänen, die von der Herstellung eines Eisbohrers stammen. "Wir erledigen fast alle Metallarbeiten selbst", so Krupp.

Im weiteren Prozess der Entwicklung entstehen immer genauere Modelle, die letztlich die Härtetests in den genannten Anlagen überstehen müssen. Erst im Anschluss daran wird das Endprodukt in den so genannten Reinräumen und dem Kalibrationsraum zusammengestellt, in die Raumsonde integriert und auf Erkundungsreise ins All geschickt.

Internationale Kooperation

All dies ist nicht nur ein Zusammenspiel der einzelnen Bereiche des Max-Planck-Institutes, sondern vor allem ein Zusammenspiel verschiedenster Länder. "Man kann sagen, dass an einem Einzelteil für eine Sonde bis zu zehn Länder beteiligt sind. An der gesamten Sonde sind es sogar fast alle europäischen Nationen", sagt Krupp. Die Eichsfelder arbeiten aber nicht nur mit der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA zusammen, sondern kooperieren auch mit den amerikanischen und japanischen Pendants NASA und JAXA.

Wer so viele Kooperationspartner hat, der hat auch eine Menge an Organisation zu erledigen. Dafür sind knapp 20 Sekretärinnen zuständig, auf die jeweils 15 wissenschaftliche Mitarbeiter kommen. Dazu gehört auch Sibylla Siebert-Rust. "Um die Weihnachtszeit müssen wir vor allem viele Karten verschicken", berichtet sie. Jedes Jahr entwirft das MPS dafür ein ganz besonderes Design. "Für 2007 haben wir ein Foto der Sonne, das wir mit 3-D-Brille verschicken. Im nächsten Jahr muss dann wieder etwas von der anderen Abteilung auf die Karten, damit sich auch keiner benachteiligt fühlt", lacht Siebert-Rust.

Von Kristin Kunze

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