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„Hier treffen Sie mich jeden Morgen“

„Morgens um 10 im Eichsfeld“ „Hier treffen Sie mich jeden Morgen“

Es ist still. Dann und wann schaffen es einzelne schwache Sonnenstrahlen, sich gegen die lockeren, aber flächigen Wolken durchzusetzen. Die frische Luft ist angenehm – und im Vergleich zu den letzten Tagen nicht einmal kalt. Ein Blick links, ein Blick rechts, weit und breit ist niemand zu sehen.

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Auf der Suche nach Kastanien: Karsten Heckhausen mit Söhnchen Simon und Vierbeiner Max auf dem Stadtwall.

Quelle: Blank

Was ist los mit den Duderstädtern? Liegt es an der Tageszeit? An den Temperaturen? Gelb, braun und rot taucht das Laub diesen Oktobertag in die klassischen Herbstfarben. Fast schon versteckt liegen hier und da ein paar Kastanien zwischen den Blättern – die meisten sind wohl schon längst von vorbeikommenden Kindern oder Spaziergängern aufgehoben worden. Müsste man sich einen typischen Herbsttag vorstellen, er würde wohl so aussehen. Die bald kahlen Bäume am Wegesrand, der verlaubte Weg, die trockene, kühle Luft – herbstliche Idylle auf dem Duderstädter Wall.

Und dann Menschenleere, morgens um zehn Uhr? Zuerst ja, doch dann zeigt sich: Die Duderstädter sind doch keine Herbstmuffel. Warm eingepackt und in Begleitung ihres Hundes Max kommen Karsten Heckhausen und sein Sohn Simon die Stufen aus dem LNS-Park zum Wall hoch. „Es ist doch noch gar nicht so kalt jetzt“, lacht der Vater, angesprochen auf den unerwartet ausgebliebenen Trubel auf dem Stadtwall. Er selbst wohne ganz in der Nähe, deshalb sei seine „tägliche Runde“ für ihn selbstverständlich.

 „Und gerade der Herbst ist eine tolle Zeit.“ Vor allem für seinen Sohn, der immer mal wieder eine übriggebliebene Kastanie entdeckt, sie aufhebt und in seinen kleinen Händen bestaunt, bevor er sie in einem Bogen vom Wall ins Laub hinab wirft. Nur wenige der Herbstfrüchte finden an diesem Tag den Weg nach Hause zu Heckhausens, um beim Basteln zum Einsatz zu kommen.

Routine ist die Wallrunde auch für Michael Straub, der etwas weiter mit seinem Hund spazierengeht. Sie gehöre immer zu „seinem Freitag“. Weil er dann erst später arbeiten muss, nutze er die Freitagvormittage, um richtig zu entspannen. Ausschlafen, ein gemütliches Frühstück und eben die Runde auf dem Wall. „Da freue ich mich immer schon drauf.“ Und es ist jedes Mal der Wall, wie er berichtet. Jeden Freitag.

Warum es gerade aber eher ruhig ist, wissen Jörg und Diedlinde Wicht, die auf ihrer fast täglichen Runde gerade auf Höhe der Stadtbibliothek angekommen sind. Die meisten, sagen sie, seien schon längst wieder zu Hause. Vor allem Läufer oder Walker seien früher unterwegs. In dicke Jacken gehüllt genießen die beiden das Herbstwetter. „Vor allem mag ich, wenn es unter den Schuhen so ein bisschen raschelt“, lacht er.

Diese Atmosphäre schätzt auch Gabi Rolf, die mit Pflegehund Sammy unterwegs ist. Seit sieben Jahren betreut sie den Vierbeiner einer Freundin, der Spaziergang ist deshalb obligatorisch. „Hier treffen Sie mich jeden Morgen“, erklärt sie. „Aber man trifft hier ja ohnehin immer die Gleichen.“ Wetter hin, Jahreszeit her, für die meisten Duderstädter mache das keinen Unterschied. „Da weiß ich immer schon, an welcher Ecke wir welchen Hund treffen.“ Lachend verabschiedet sie sich, sie muss weiter. Ihre Umrisse und die ihres Hundes werden auf dem Wall langsam kleiner, bis sie schließlich hinter einer Kurve verschwinden. Ein Blick links, ein Blick rechts, weit und breit ist niemand mehr zu sehen. Und wieder ist es erst mal still auf dem Wall.

Von Christina Stender

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