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Iranischen Technikern Duderstädter Prothesen erklärt

Morgens um 10 Uhr im Eichsfeld Iranischen Technikern Duderstädter Prothesen erklärt

Mit einem Heißluftfön und dicken Handschuhen ist Orthopädiemeister Nils Fahrenbach in der Lehrwerkstatt von Otto Bock an der Arbeit. Er weitet einen Silikonschaft für eine Beinprothese, damit der Oberschenkelstumpf nicht eingeschnürt wird. "Es ist nur ein Modell. Der richtige Schaft wird erst gegossen, wenn alles sitzt", erklärt er. Allerdings nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch. 

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Auf die Statik kommt es an: Hadi Ghasami, Nosratollah Sadigh Behzadi und Auszubildender Marcus Henkel (v. l.) fixieren einen Prothesenschaft.

Quelle: Straubel

Neben ihm steht Sharijar Zarif Najagian, er ist Übersetzer für die sechs aus dem Iran angereisten Werkstattleiter verschiedener staatlicher Einrichtungen. In der vorletzten Woche waren Iraker zu Gast in der Werkstatt. Die Männer sollen in Duderstadt lernen, die hier entwickelten Prothesen einzusetzen. "Für die kostspieligen C-Legs ist aber sicher nur selten Geld vorhanden", meint Fahrenbach. Dennoch, die Oberschenkelumgreiftechnik, die Fahrenbach demonstriert, bietet größere Stabilität für den Patienten als bisherige Methoden. In der Lehrwerkstatt wird sowohl theoretisch Wissen vermittelt als auch praktisch, es wird geformt, gefeilt, geklebt und gebohrt.

Am Vortag wurden mit einem Gipsapparat Abdrücke bei zwei Demopatienten genommen. Nebenan sind die beiden, Heinz-Dieter Teigelkämper und Ellmar Meder, zur Anprobe angekommen. "Ich komme öfter als Demopatient hierher", meint Teigelkämper, der vor zwanzig Jahren sein Bein bei einem Unfall verlor. Die technische Entwicklung sei seitdem unglaublich weit fortgeschritten. Er fügt seinen Anspruch hinzu: "Wer, wenn nicht wir Amputierten, sollte sich für die Forschung und Entwicklung zur Verfügung stellen?"

Die iranischen Techniker haben auf Grundlage der Gipsabdrücke Silikonschäfte erstellt und die übrigen Teile - Metallröhren, Knie- und Fußgelenke sowie eine Fußform angepasst. Majid Vaziri Nasriin testet die Länge. Gemessen wird mit dem Laser, im Schraubstock wird alles zusammengebaut. "Das Wichtigste ist die Statik, erklärt Fahrenbach, "und dass die Form später keine Luft zieht, sondern sich am Stumpf festsaugt." Fehlstellen dichtet Hamidreza Zamani, der in seiner Heimat auch Journalist ist, mit Silikontape ab.

Die Gruppe geht nach nebenan, es kommt das Socket-Fitting: Mithilfe eines grünen Stoffbeutels erfolgt die Anprobe, mit der Wasserwaage wird der Stand der Hüfte überprüft: "Ist die Prothese zu lang, wird noch ein Stück abgesägt. Der Orthopädiemeister zieht sich zurück und lässt die Gäste agieren: "It's your patient, don't expect, that I help so much." Viele Techniker machten den Fehler, vom Patienten hören zu wollen, wie es steht, während im Gegenzug der Patient vom Experten das Gleiche erwarte. Teigelkämper hat eine Prothese von Hadi Ghasami angezogen. Fahrenbach ist zufrieden: An einem langen Barren geht der Demopatient hin und her, die Iraner beobachten das Bein, es wird nach und nach auf die richtige Schwungphase eingestellt. "Merken sie sich immer die Umdrehungen, damit sie ohne Probleme den letzten Schritt rückgängig machen können." Prothesen-Profi Meder weiß: "Das erste Gefühl muss Sicherheit sein." Die beiden Demopatienten wissen so viel über ihre Bedürfnisse und technischen Möglichkeiten, dass sie den Lernenden die besten Ratschläge geben könnten, doch sie halten sich zurück. Ein potentieller Patient könnte schließlich auch keine technisch versierte Auskunft geben.

Von Tina Lüers

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