Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Mit Franz und Rugby zum besseren Führungsstil

Morgens um 10 Uhr Mit Franz und Rugby zum besseren Führungsstil

In einer Serie besucht das Eichsfelder Tageblatt morgens um 10 Uhr Orte und Menschen in der Region. Heute: das Human-Horse-Team in Esplingerode.

Rugby und Franz betreten die Reithalle pünktlich zum Dienstbeginn. Die beiden Trainer werden bereits von den Teilnehmern erwartet, die im Seminar etwas über eigene Führungsqualitäten und Teamfähigkeit erfahren wollen. Rugby und Franz sind zwei stattliche Warmblutpferde und gehören zum Human-Horse-Team in Esplingerode. Die Seminare – einzeln zu buchen oder in der Gruppe – richten sich an Firmen, Unternehmer, Manager, Pädagogen und alle, die sich ein Bild von ihrem Führungsstil machen und diesen verbessern wollen. Die Esplingeröder betreuen inzwischen sowohl Firmengrößen wie VW, als auch den kleinen Existenzgründer, der erstmals für einen Betrieb verantwortlich ist.
„Das hier hat gar nichts mit Reiten oder Pferdesport zu tun, sondern geht in Richtung Verhaltenstherapie“, sagt Susann Heddergott, die sich über eine umfangreiche Aus- und Weiterbildung zur Seminarleiterin qualifiziert hat: Sie ist Agraringenieurin, Trainer B im Pferdesport, Finanzbuchhalterin, hat ein Aufbaustudium in Personalentwicklung und diverse Train-The-Trainer-Seminare bei Gerd Krebs, einem der deutschen Pioniere auf diesem Gebiet, absolviert.

Während Franz noch überlegt, ob er etwas zu fressen suchen oder herumtoben sollte, steht Rugby wohl gern im Mittelpunkt, und nimmt Kontakt zum Tageblatt-Fotografen auf. Auch der Laie erkennt, dass hier zwei völlig unterschiedliche Pferde-Charaktere auf die Teilnehmer treffen. Das ist gewollt. „Wer in einer Führungsposition steht, muss sich auch spontan mit verschiedenen Charakteren auseinandersetzen, erklärt Thomas Klein, Ökonom und ebenfalls Absolvent der Train-The-Trainer-Seminare, der hier seine Frau Susann Heddergott im Team unterstützt. Außerdem gehören der Psychologe Lars Klinger dazu und Agraringenieur Bernd Stephan, der als Fachmann für Natural Horsemanship sein Augenmerk auf das Pferdeverhalten legt.

Rugby geht voran

Nadine Flemming, die bisher nie etwas mit Pferden zu tun hatte, steht als Teilnehmerin des heutigen Schnupperkurses vor ihrer ersten Aufgabe: Sie soll Rugby am Strick führen. Dabei soll sie selbst bewerten, wie gut das klappt. Von außen beurteilen die anderen Teilnehmer ihren Eindruck. „Das kann sehr aufschlussreich sein“, weiß Flemming, denn sie habe in ihrem Job bereits die Erfahrung gemacht, dass man sich selbst oft anders wahrnimmt als man von außen eingeschätzt wird. Die Pädagogin leitet in Kassel Projekte mit verhaltensauffälligen Jugendlichen. Rugby weiß, wohin er will und marschiert mit seiner Führerin im Schlepptau vorwärts. Von Heddergott kommen keine Tipps, nur Fragen. Flemming soll selbst überlegen, was sie verändern könnte, um die Führung zu übernehmen. „Es ist nicht unsere Aufgabe, jemanden zu kritisieren. Wir wollen den Menschen helfen, ihr Verhalten selbst zu reflektieren, um in ihrer Position selbstbewusster zu werden. Durch das Seminar kann man eigene Schwächen und Stärken erkennen, beschreibt die Trainerin das Grundprinzip.

Sensible Pferde

Flemming gesteht, von der Größe des Pferdes beeindruckt gewesen zu sein. Heddergott erklärt, dass ein verunsicherter Mensch sich unbewusst klein mache. Pferde nehmen jede Veränderung in Gestik, Mimik und Körperhaltung wahr und reagieren sofort. Wer sich klein macht, braucht in den Augen eines Pferdes selbst Schutz, also übernimmt das Herdentier die Führung. Nur wer das Vertrauen des Tieres erweckt und dadurch Stärke vermittelt, wird als Führer für kompetent empfunden. In diesem Fall ordnet sich das Pferd unter und fühlt sich sicher in der Nähe des Ranghöheren. Hat es jedoch Angst vor dem Menschen, flüchtet es.

„Bei den Menschen ist das ähnlich. Wer versucht, mit der Peitsche zu führen, übt Druck aus. Da kann kein Vertrauen wachsen. Die Untergeordneten suchen nach der nächstbesten Gelegenheit, dem Druck zu entfliehen“, erklärt Klein die Auswirkungen eines dominanten Führungsstils. Eine umgekehrte Wirkung hätte der Wunsch, es jedem recht machen zu wollen. „In diesem Fall übernehmen andere das Ruder.“

Flemming probiert es wieder mit Rugby. Diesmal soll sie das in einem abgesperrten Bereich freilaufende Pferd überzeugen, Vertrauen zu fassen und zu ihr zu kommen – Leckerlis als Lockmittel sind verboten. Flemming überlegt neu, strafft den Rücken und strahlt Ruhe aus. Rugby sieht sich um, dann sucht er Flemmings Nähe. Ein Strahlen huscht über das Gesicht der Teilnehmerin. Flemming erzählt, dass sie als Pädagogin oft weiterbildende Seminare besucht. „Die meisten bleiben bei der Theorie“, hat sie festgestellt. Bei dem Führungstraining mit den Pferden gefällt ihr das spontane Feedback der Tiere. „Ihnen ist egal, ob jemand im Anzug oder in Jeans kommt. Sie blicken hinter die Maske und reagieren sofort und unverfälscht auf das, was sie wahrnehmen“, erläutert Heddergott. Erfolg hätten die Teilnehmer hier nur durch unmittelbare Präsenz und Vertrauen auf die eigene Intuition. Ziel des Kurses sei es, verinnerlichte Führungskonzepte zu hinterfragen und weiter zu entwickeln.

Dass ein guter Führungsstil nicht nur das Arbeitsklima in einer Firma verbessert, sondern auch die Motivation der Mitarbeiter und schließlich den Umsatz steigert, ist inzwischen bei vielen Verantwortlichen angekommen. Um sich von Scharlatanen in der Branche abzugrenzen, hat sich das Human-Horse-Team dem Netzwerk EAHAE (European Association for Horse Assisted Education) angeschlossen, was voraussetzt, dass man die Kriterien der Seriosität erfüllt. Das Netzwerk arbeitet international.
Informationen zum Human-Horse-Team unter www.human-horse.de und bei www.eahae.org.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Morgens um 10
Anzeigenspezial

Informieren Sie sich über das aktuelle Fußballgeschehen in Göttingen und aller Welt.  mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt