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„Morgens um zehn Uhr ist bei uns Cappucchino-Pause“

Morgens um 10 Uhr im Eichsfeld „Morgens um zehn Uhr ist bei uns Cappucchino-Pause“

Um zehn Uhr ist bei uns Cappucchino-Pause“, sagt Anette Ilchmann, Leiterin der Wohnstätte. In der Durchreiche, die den Wohnbereich von der Küche trennt,  stehen fünf Tassen mit Cappucchino. Jede ist anders bemalt oder mit Fingerfarben bedruckt. „Karl legt schon viel Wert darauf, dass er auch seine Tasse bekommt. Sonst wird er schon mal grantig“, meint Erzieherin Nina Michael, die an diesem Morgen die erkrankte Iris Thiele vertritt. 

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Jede Kartoffel wird einzeln abgeschrubbt: Waltraud Wagner bei den Vorbereitungen zum Mittagessen.

Quelle: Pförtner

„Wann kommt mein Freund Iris wieder?“, fragt Karl Jünemann nach der gewohnten morgendlichen Bezugsperson. Wie wichtig Iris ist, erzählt auch Waltraud Wagner. Am vergangenen Sonnabend war ihr Geburtstag, die Geschenke auf dem Geburtstagstisch in ihrem Zimmer will die Bewohnerin aber erst wegräumen, wenn Iris alles begutachtet hat. 

 

In der Wohnstätte ist es ruhig, die meisten Bewohner sind in Osterode in den Werkstätten. Nur die fünf Ruheständler und Willi Schröder, der immer mittwochs zuhause bleibt, um sich schon einmal daran zu gewöhnen, dass auch er bald nicht mehr arbeiten geht, sind daheim. Während der Cappucchino-Pause erzählen sie sich, wer in dieser Woche noch etwas vor hat und was heute ansteht. Karl wird nach dem Duschen einen Spaziergang in das benachbarte Haus der Lebenshilfe machen und den Geschäftsführer „Rudi“, Rudolf Nowald, besuchen. Vorher stellt er noch die Stühle von den Tischen. 

 

Der Fernseher ist angestellt, die Sendung „Mein Baby“ läuft. Nina Michael erzählt: „Ohne die Sendung geht gar nichts. Das ist die Lieblingssendung von allen.“ Willi sitzt hier und pfeift, fast wie ein Vögelchen. „Dann ist er gut gelaunt“, so Ilchmann. „25 Kugelschreiber“, sagt Willi, baut er jeden Tag zusammen.

 

Kugelschreiber und Knöpfe

 

Auch die 72-jährige Waltraud Wagner hat vor ihrer Pensionierung Kugelschreiber und Knöpfe hergestellt. Sie ist die älteste Bewohnerin, als Kind hat sie in Fuhrbach gelebt. In früheren Betreuungsverhältnissen durfte sie kein Messer benutzen, jetzt schält sie Kartoffeln aus Leidenschaft. „Möhren auch“, sagt sie, „alles.“ 

 

In der Einrichtung am Kutschenberg gibt es keine Zentralküche, die Koch-, Einkaufs- und Haushaltsarbeiten erledigen die Bewohner selbst, jeder nach seinen Fähigkeiten. Birgit wischt Staub in ihrem Zimmer, Waltraud gilt als Küchenfee, heute wäscht und schneidet sie die Kartoffeln. Es wird Backofenkartoffeln mit Spinat und Spiegelei geben. Auch Herta Hoppmann ist mit dabei, sie räumt die Spülmaschine aus und ein. Jeden Morgen wacht sie um fünf auf, deswegen legt sie gleich noch ein kleines Nickerchen im Sessel ein. Auch für Manfred, der mit breit strahlendem Gesicht Besucher begrüßt, ist es an der Zeit, eine Pause einzulegen, 13  Stunden täglich muss er an einem Gerät Sauerstoff einatmen. Er geht dazu in sein Zimmer und puzzelt. 

 

„Immer wenn etwas Schönes kommt, wie zum Beispiel Kuchen backen, erzählen alle von früher, von ihrer Kindheit“, so Michael. „Herta liebt es, Kuchen zu backen, sie erinnert sich an das Futter mischen auf dem Hof.“ Beim Backen helfen alle mit, einer schüttet das Mehl, ein anderer Milch oder Eier in den Teig. Und später essen alle zusammen.

 

Von Tina Lüers  

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