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Viel mehr als Tabletten, Rezepte und Cremes

Morgens um 10 Uhr im Eichsfeld Viel mehr als Tabletten, Rezepte und Cremes

Es ist Mittwochmorgen, der Wochenmarkt in der Fußgängerzone ist gut gefüllt. Gemüse, Blumen, Backwaren, Fisch, Wurst und Obst stehen auf den Einkaufzetteln. Viele der Kunden erledigen aber auch ihre anderen Besorgungen an diesem Tag in der Innenstadt, zum Beispiel den Gang in die Apotheke. Das Türsignal ertönt fast unentwegt an diesem morgen um zehn Uhr in der Schwan Apotheke von Frank Germeshausen.

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Medikamente, so weit das Auge reicht: Frank Germeshausen beim Griff in den Apotheker-Schrank. 

Quelle: Tietzek

"Um zehn Uhr passieren bei uns mehrere Dinge auf einmal", sagt Germeshausen. Die Bestellungen, die für den Großhandel aufgegeben werden, werden um diese Uhrzeit durchgegeben. Der Großhändler ruft fünfmal am Tag die Bestellungen ab, so kommt es, das Medikamente, die morgens bestellt werden, oft noch am gleichen Nachmittag aus Göttingen oder Kassel in Duderstadt eintreffen. Möglich wären sogar bis zu zehn Liefertermine am Tag.

 

Da klingelt es auch schon an der Seitentür und der Kurierfahrer von Phönix, dem Göttinger Pharmazeutischen Großhandel, steht mit mehreren Kisten im Gang. Er stellt sie ab und nimmt die entleerten Kästen der vorhergegangenen Lieferung wieder mit auf den Weg.

 

Beate Otto, Pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin, überprüft die Lieferung und legt jedes Medikament an seinen Ort, bevor sie sich auf den Weg zur Post und in eine Arztpraxis macht. Auf dem Schreibtisch im hinteren Bereich der Apotheke steht ein moderner Computer und daneben eine Art Fächerbox, in die die Kärtchen der Medikamente einsortiert werden, von denen nur noch ein Exemplar in den Regalen zu finden ist. Jedes Kärtchen steckt vor dem Regal, es ist mit einem Lochmuster versehen, das die Pharmazentralnummer beschriebt. Ein Lesegerät ermöglicht die bequeme Nachbestellung.

 

Alles an seinem Platz

 

Die Arzneien, die mit grünen Punkten versehen sind, befinden sich noch im hauseigenen Lager. "Dazu gehört Saisonbedingtes", sagt Vera Arendt, die als Pharmazeutisch-Technische Assistentin (PTA) bei Germeshausen arbeitet. Im Winter stehen hier Hustensaft und Halsschmerztabletten, im Sommer dagegen eher Mückenschutz oder Gel gegen Sonnenbrand.

 

Immer wieder klingelt das Telefon, vier verschiedene Apparate ermöglichen die maximale Erreichbarkeit.

 

"Morgens machen wir einen Rundgang, desinfizieren alle Arbeitsflächen, füllen Tee auf und schauen nach, ob von allem genug vor Ort ist", schildert Luisa Marquardt eine Routine-Aufgabe. In einem kleinen Regal hinter dem Tresen werden die aktuellen Bestellungen, für die schon ein Rezept vorliegt oder die bereits herausgesucht worden sind, bis zu ihrer Abholung aufbewahrt. Auf der anderen Seite, in den klassischen Apothekerschränken, die wie eine Reihe von herausziehbaren schmalen Regalen funktioniert, wird alles schnell gefunden.

 

Gleich gegenüber füllt Marquardt Salben in kleinere Gebinde ab oder mischt Cremes und Medikamente an, wenn es erforderlich ist. "Das wird immer weniger, was eigentlich schade ist, denn diese Aufgabe ist abwechslungsreich und macht Spaß", sagt sie. Bei speziellen Dosierungen ist die Eigenanfertigung noch gefragt, auch bei Unverträglichkeiten von einzelnen Inhaltsstoffen fertiger Arzneien. Die Waage hier ist bis auf 0,01 Gramm genau, eine Feinwaage im Labor ermöglicht Analysen von bis zu 0,001 Gramm. In den großen braunen Glasflaschen steht Neutralöl, um Salben geschmeidiger zu machen, Äthanol, Alkohol und Paraffin.

 

Die Grundstoffe, die zur Herstellung benötigt werden, müssen bei ihrem Eingang noch einmal auf ihre Qualität und Zusammensetzung überprüft werden. Germeshausen zeigt im Labor die Instrumente, die dafür benötigt werden. Neben der Dünnschichtchromatografie gibt auch der Brechungsindex, der per kalibriertem Brechungs-Mikroskop ermittelt wird, Auskunft über die Ausgangsmaterialien. "Früher wurde viel mehr im Labor gemacht", so Germeshausen. Heute komme man mit einer Seite im Arzneimittelbuch aus, um die Eigenschaften zu überprüfen. Noch 1968 musste man dafür Aufgaben von fünf Seiten bewältigen.

 

Routinearbeiten

 

"Die Aufgaben haben sich geändert." Der Apotheker betreibt die Apotheke, die vorher seinem Vater und davor dem Großvater gehörte, nun im achten Jahr allein. Die Rabattverträge der Krankenkassen mit Arzneifirmen hätten die Arbeit verkompliziert, ein Drittel seiner Arbeitszeit nehme sicher die Buchführung ein, und einen Teil die Warenwirtschaft. Den größten Teil der Arbeit in einer Apotheke mache aber nach wie vor der Kontakt mit den Kunden aus, Beratung, Verkauf und das Gespräch. "Wir kennen mindestens die Hälfte aller Kunden", weiß der Duderstädter Apotheker. Manche Kunden hat er schon vom ersten Hustensaft an begleitet.

Von Tina Lüers

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