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Zu Besuch beim Bezirksförster Joachim Säger

Lebenslang im Wald Zu Besuch beim Bezirksförster Joachim Säger

„Ein Jäger ist kein Förster, wohl aber ist ein Förster auch ein Jäger“, erklärt Joachim Säger den Unterschied. Viele Leute würden das verwechseln oder Jäger und Förster gleichsetzen. Der hochgewachsene Mittfünfziger ist heute mit Spraydose im Wald an der Roten Warte unterwegs. Ein grelles Pink markiert die Bäume, die gefällt werden dürfen.

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Bezirksförster Joachim Säger in seinem Element: Mit Jagdhund Gandalf als Gesellschafter durchstreift er den Wald an der Roten Warte.

Quelle: Thiele

Duderstadt. Säger liebt die Natur, besonders den Mischwald. Deshalb würde er nicht gern in der Lüneburger Heide arbeiten, wo Kiefermonokulturen das Bild beherrschen, sagt er. Mischwald hat er nun reichlich, denn sein Bezirk umfasst 3300 Hektar, inklusive 2300 Hektar der Forstbetriebsgemeinschaft Duderstadt/Herzberg und Waldgebiete von Radolfshausen über Osterode/Badenhausen bis nach Bad Sachsa/Walkenried. Bei der Arbeit im Forst wird er von Gandalf dem Grauen begleitet. Der freundliche Griffon, ein französischer Jagdhund, kommt seinen Aufgaben als Jagdgehilfe nur bedingt nach. „In erster Linie ist er mein Gesellschafter. Ich hätte auch einen Hund, wenn ich kein Förster wäre. Ohne Hund geht nicht“, ist Säger überzeugt.

Bodenanalysen erstellen

In dem riesigen Areal sind Baumstamm-Graffities nicht die einzigen Aufgaben des Försters. Da zum Studium sowohl Naturwissenschaften wie Biologie und Chemie als auch Betriebswirtschaft gehören, kann Säger Bodenanalysen erstellen, Waldbesitzer forstwirtschaftlich beraten, gefällte Stämme in Kategorien von Industrieholz bis zu Brennholz  einordnen, Naturschutz fördern und letztendlich trotz wirtschaftlicher Nutzung wertvolle Biotope erhalten.

Der Wald als Lebensraum gehört zu Säger solange er denken kann. „Mein Großvater hat schon im Wald gearbeitet, mein Vater war auch Förster, und als Zwölfjähriger habe ich geholfen, junge Bäume gegen Wildbiss zu schützen. Später habe ich mit gepflanzt und dann während meines Studiums als Waldarbeiter mein Geld verdient“, beschreibt er seinen Werdegang.

Laptop immer im Auto dabei

Seit 1989 ist er Bezirksförster und betreut die Wälder der Region, die zur Landwirtschaftskammer Niedersachsen gehören. „Der Beruf hat sich aber in den letzten 20 Jahren gewaltig verändert. Früher spielte sich mein Arbeitstag zu 95 Prozent im Wald ab, heute zu 50 Prozent“, vergleicht er. Da die Bezirke der einzelnen Förster dank digitaler Technik immer größer werden, sei eben auch viel Zeit mit Autofahren verbunden. Dafür sei die Büroarbeit einfacher geworden. „Vor ein paar Jahren mussten wir die Aufmaße, also Länge und Durchmesser der Stämme, handschriftlich berechnen und abends im Büro in Listen eintragen. Heute geht das mit PDA direkt vor Ort. Und meinen Laptop habe ich immer im Auto. Da steht alles drin, was früher Aktenschränke füllte“, sagt Säger.

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Auch die Orientierung sei einfacher geworden. Die Fuhrunternehmen finden das Holz für den Abtransport im Wald per GPS, eine Karte könne auch per E-Mail an den Auftrag gehängt werden, und über Handy könnten kurzfristige Veränderungen besprochen werden, ohne dass jemand ahnungslos und unerreichbar mitten im Wald warten muss.

Dank der ausgefeilten Technik hat sich der Jahresertrag aus Sägers Bezirk von 3000 auf 12000 Festmeter Holz gesteigert. „Die Holzwirtschaft lohnt sich mehr denn je, und schon allein die Brennholznachfrage wird weiter wachsen“, sagt der Fachmann. Die Forstwirtschaft sei professionalisiert worden, um der Nachfrage gerecht zu werden. Einst hätten sich die Forstbetriebe selbst um die Aufzucht der Bäume gekümmert, heute übernähmen Baumschulen diese Aufgabe im größeren Stil.

Arbeit an der frischen Luft

Mit der Kluppe, einer Schieblehre für Baumstämme, misst der Förster den Durchmesser eines kräftigen Eichenstammes. „Erst 70 Zentimeter, der kann noch wachsen“, urteilt der Fachmann und erklärt, dass Eichenholz ruhig etwas dicker sein dürfe, um gut vermarktet zu werden. Ansonsten stehen an der Roten Warte vornehmlich Wildkirschen, Ahorn und Buchen. „Die Aufforstung hier war mein erstes Projekt vor über 20 Jahren“, sagt der Förster mit stolzem Blick auf seine gut gediehenen „Kinder“.

Die Arbeit an der frischen Luft war für Säger bei der Berufswahl mit ausschlaggebend. Und davon kann er nicht genug bekommen. „In meiner Freizeit bin ich viel mit dem Fahrrad unterwegs und auch im Urlaub brauche ich nicht das Gedränge am Strand“, sagt der Förster. Die Ferien mit seiner Frau Ulrike verbringt er – natürlich im Wald, „am liebsten in Skandinavien, weit ab vom Schuss.“ Wie seine Frau das sehe? „Da sind wir völlig auf einer Wellenlänge. Sie ist auch Försterin“, sagt Säger lachend und stapft durch den letzten Schnee tiefer in den Wald.

Gerätschaften im Forst:  Mit der Kluppe wird gemessen. Dieser Baum darf gefällt werden: Säger markiert den Stamm. OT

Von Claudia Nachtwey

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