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Bergdorf mit Häusern wie Perlen auf einer Schnur

Langenhagen Bergdorf mit Häusern wie Perlen auf einer Schnur

Der Jeep erklimmt die steilen Hänge, es ist ein echter Ritt durch eine bucklige Welt. Auf überwachsenen Feldwegen berghoch und nieder führt der Weg von Guido Schwarze bei der Ortsführung durch Langenhagen. Ganz so wild sollte die Tour durch das Bergdorf eigentlich nicht sein, gibt er lachend zu.

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Blick aus der buckligen Welt: Erst die Neubauten erklommen die Berge über Langenhagen. Zuvor siedelte man hauptsächlich im Tal.

Quelle: AT

Doch schließlich ist das hier nicht die norddeutsche Tiefebene: Wer die Besonderheiten des Ortes erkunden will, braucht stramme Waden oder einen Wagen mit Vierradantrieb. Den hat der 41-jährige Jäger mit dem „typisch Langenhäger Namen“, der seinem Heimatort trotz auswärtigem Arbeitsplatz – er ist Polizist in Göttingen – die Treue hält. „Wenn man in Duderstadt einkaufen war und sie den Namen auf der Rechnung sahen, hieß es gleich: aha, Langenhagen“, berichtet er.

„Wie die Jäger das früher ohne Auto geschafft haben“, fragt sich Schwarze später, während der Wagen über das regenfeuchte Gras hubbelt. „Kein Internet und Fernsehen: Wahrscheinlich hatten sie damals einfach mehr Zeit“, gibt er die Antwort leise lachend gleich selbst. Die Landschaft hat den Ort geprägt. Zum einen war die Landwirtschaft schwieriger, die Felder klein und abschüssig, die Böden karger als in der Goldenen Mark.

Zum anderen schlugen sich diese Gegebenheiten in der Form der Siedlung nieder. Langenhagen ist ein Schlauch von einem Dorf: Die Grundstücke lang und schmal, die Häuser am Rand der Straße in den Berg hinein gebaut, eng aneinander wie Perlen auf einer Schnur. „In der Schule haben wir immer als Vorzeigeobjekt für ein Straßendorf gedient“, erzählt er. Nur die Neubauten wachsen den Hang hinauf. „Es gibt einige enge Straßen, verwunschene Wege“, sagt Schwarze, als er einen sehr kleinen, sehr engen kopfsteingepflasterten Weg hinauf fährt, über und über mit Gräsern bewachsen. Nach links und rechts sind es immerhin noch Zentimeter. „Platz ist hier nicht so viel, da musste man sich arrangieren“, kommentiert er, während das Auto an steilen Treppen vorbeisaust. Diese Enge habe ihre Vorteile: „Die Leute sind nah zusammen, es ist gemütlich.“ Und: „Wir haben fast schon hängende Gärten.“ Sprach’s und lächelte.

Neben der Hauptstraße windet sich die Lange durch das Dorf. Zahlreiche kleine Betonbrücken führen über den Bachlauf. „Bei Regen steht das Wasser bis an die Kante.“ Die Fluten, die die Hänge ins Tal hinunterliefen, waren lange ein Problem. „Der Ort lief immer zu“, hätten Schwarzes Großeltern erzählt – deshalb die zwei Talsperren. Und immer, wenn er Kollegen von der Polizei erklären müsse, dass es sich bei seinem Heimatort nicht um das bei Hannover gelegenen Langenhagen handelt, könne er zum Besten geben, das Dorf habe „keinen Flughafen, dafür aber zwei Talsperren“. Dass es sich bei den Bauten um kleinere Varianten handelt, muss er ja nicht dazusagen.

Im Laufe der Jahrzehnte hat eine der Sperren nicht nur dem Hochwasserschutz, sondern auch dem Vergnügen gedient. Auf der dem Dorf abgewandten Seite staut sich das Wasser zu einem See. Hier befand sich zehn Jahre lang ein Freibad. „Ich bin selbst noch drin geschwommen“, es sei also nicht so lange her, beschreibt Schwarze und drückt einige Zweige beiseite, um über den matschigen Weg hinunter zum Ufer zu gelangen. Früher kamen die Leute aus dem ganzen Umkreis, um hier zu baden.“ Heute wächst das Freibad zu, und niemand versucht sich mehr an der Mutprobe, die die Jungen mit einem Sprung vom Turm absolvierten. Vielleicht ist das besser so, denn der eine oder andere sei bei dieser Aktion mit dem Füßen im Schlamm des flachen Gewässers steckengeblieben. Dass der Kiosk aus Holzbohlen am Eingang noch geöffnet hatte, daran vermag sich auch der 41-Jährige nicht mehr zu erinnern. Dafür steigen Bilder aus der Kindheit auf, wenn er an die örtlichen Geschäfte denkt, die inzwischen geschlossen sind. „Es gab alles für den täglichen Bedarf, von Murmeln bis Erbsenpistolen.“

Schwarze ist eingebunden im Ort mit seinen Vereinen. Es sind „nicht viele, aber sie sind gut frequentiert. Zusammenlegungen waren noch nicht nötig.“ Immerhin habe man auch ein mehrtägiges Schützenfest, das am vergangenen Wochenende begangen wurde. Nur eines von vielen Vereinsfesten und Bällen, die über das Jahr verstreut sind.

Auf dem Sportplatz bolzen vier Jungs. „Das“, erklärt er und beschreibt eine horizontale Bewegung mit dem Arm, „ist ein Anlaufpunkt, an dem man sich trifft.“ Von der Tennis-Damen-Doppelrunde bis zum Schützenbruder, der leicht schwankend aus dem Festzelt nach Hause strebt. Ein Anlaufpunkt, wie auch die Kirche mit ihrer ungewöhnlichen Dachkonstruktion und dem fast antiken Projektor, der sonst die Kirchenlieder für die Gläubigen an die Wand wirft, daneben liegt das „Orgelbuch zum Gotteslob“. Verhältnismäßig gut frequentiert sei die Kirche allemal, meint Schwarze. Und die im Turm nistenden Falken höre man über den ganzen Ort, wenn sie mit den Jungen ausfliegen.

Warum er nie weggezogen ist? Er überlegt kurz. „Klar, wer Events sucht, der ist hier vielleicht nicht richtig. Aber ich kenne Land und Leute. Ich habe hier mein Revier und auch der Harz zum Mountainbike fahren ist nicht weit.“ Es ist wie mit der ruhigen Verkehrslage. Durchgangsverkehr gibt es nur wenig: „Wer nicht hierher will, der fährt nicht nach Langenhagen.“

Von Erik Westermann

Weitere Infos und Bilder zu Langenhagen finden Sie in der Ausgabe des Eichsfelder Tageblatts vom 4. August. Diese können Sie per E-Paper beziehen oder in der Geschäftstelle Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11 in Duderstadt .

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