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„Die Stimmung muss sein: Ja, wir schaffen das“

Ländlicher Raum bietet Vielfalt und Chancen „Die Stimmung muss sein: Ja, wir schaffen das“

Ich will keine Klischees heraufbeschwören“, wehrt sich Hartmut Berndt gegen eine Definition, was unter ländlichem Raum zu verstehen ist. Dabei ist Berndt prädestiniert für die Begriffsdefinition.

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„Was die Menschen da leisten, ist unglaublich“: Bioenergieanlage Wollbrandshausen-Krebeck an der Bundesstraße 27.

Quelle: Mischke

Er ist beim Landkreis Göttingen Regionalmanager für das Leader-Programm, die Initiative der Europäischen Union zur Förderung des ländlichen Raumes.

Dazu braucht er aber doch eine Arbeitsgrundlage!? „Natürlich gibt es eine Förderdefinition der EU, die lautet: maximal 10 000 Einwohner je Gemarkung“, räumt Berndt ein. Das treffe auf das gesamte Untereichsfeld inklusive der Kernstadt Duderstadt zu. Spezifische Probleme will er hier aber nicht ausmachen. Die Frage wird also offener formuliert: Hat das Untereichsfeld als ländlicher Raum besondere Eigenarten? „Hier ist vielleicht der Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft noch ausgeprägter“, sagt Berndt nach kurzem Nachdenken. Er fügt hinzu: „Das kann man nutzen für Projekte.“ Und weiter: „Die Region bietet eine Vielfalt, die man auf den ersten Blick nicht erkennt, die man aber umsetzen kann.“

Jetzt nimmt das Gespräch eine andere Wendung. Es wird klar, dass Berndts Zurückhaltung dem Verdacht geschuldet ist, das Thema ländlicher Raum werde unter der Überschrift Probleme besprochen. Also reden wir über Chancen – und da wird der Regionalmanager deutlich lebhafter. Der 51-Jährige ist ein großer Fan des Lebens auf dem Lande. „Das wird oft als negativ eingestuft. Ich habe das als sehr positiv erfahren“, erzählt er. Berndt ist Oberhausener. Aus der 215 000-Einwohner-Stadt im Ruhrpott hat es den promovierten Landwirt in das 700-Seelen-Dorf Reiffenhausen in der Gemeinde Friedland verschlagen. Hier engagiert er sich – und hat erlebt, was in einer funktionierenden Dorfgemeinschaft alles möglich ist.

Das erzählt er aber am Rande, um seine Erfahrungen als Regionalmanager zu untermauern. In dieser Funktion formuliert er: „Schwerpunkt im Leader-Ansatz ist es, Stärken zu entdecken und Potenziale in den Dörfern zu entwickeln.“ Kann er das mit konkreten Projekten verdeutlichen? „Als erstes würde ich da die Bioenergiedörfer nennen, zum Beispiel Wollbrandshausen-Krebeck. Was da an ehrenamtlichen Engagement deutlich wird, was die Menschen da leisten, ist unglaublich“, so Berndt. Wenn ein solches Projekt erfolgreich umgesetzt werde, wachse das Selbstvertrauen, „da merkt man, man kann es schaffen“.

Was ist Berndts Aufgabe in diesem Prozess? „Wir versuchen, den Zündfunken zu legen“, erklärt er. Wir, das ist die Lokale Aktionsgruppe (LAG), ein Zusammenschluss von mehr als 50 Akteuren, die über die Projekte beraten (siehe Info-Kasten „Leader-Intiative“). Wenn eine Maßnahme erst einmal laufe, sei es das Ziel, die Verantwortung dafür an die Beteiligten vor Ort zu übertragen. „Das versuchen wir jetzt beispielsweise in Breitenberg und Hilkerode mit einem Masterplan 2020. Hier geht es um die Vorteile, die in einer Zusammenarbeit liegen.“ Dazu gebe es am 15. September eine Auftaktveranstaltung. „In welche Richtung es sich dann bewegt, liegt in der Hand der zwei Dörfer“, macht Berndt deutlich.

Wie entstehen solche Projekte? „Der Idealfall ist, und so war es auch hier, dass es parallele Entwicklungen gibt“, erklärt der Regionalmanager am Beispiel Breitenberg/Hilkerode. Ausgangspunkt sei die demografische Entwicklung. „Das ist das Thema, darüber mache ich mir viele Gedanken.“ Gleichzeitig gebe es den Unterausschuss Demografie im Kreistag, von dem Impulse ausgingen. Und drittens habe es Anfragen aus den Dörfern selbst gegeben. „Man merkte, da ist Engagement vorhanden“, führt Berndt aus. Unter solchen Bedingungen entstünden dann konkrete Aktionen.

Die könnten jeweils nur Pilotfunktion haben, macht der Regionalmanager deutlich. Man könne nicht alles und jedes fördern, dafür seien schon die Mittel zu begrenzt. Zwei Millionen Euro an EU-Mitteln stehen für den gesamten Landkreis Göttingen im Förderzeitraum 2007 bis 2013 zur Verfügung. Die werden jeweils durch nationale öffentliche Mittel kofinanziert. Dieses Geld dann beispielhaft einzusetzen, „dafür braucht man eine Menge Phantasie“.

Die ist in der Region offensichtlich vorhanden. Berndt berichtet von vielen Ideen, um konkrete Probleme zu lösen. Hier bringt er sich ein, verbringt viel Zeit in zahllosen Sitzungen, um Betroffene an einen Tisch zu bringen. Ein Patentrezept für den ländlichen Raum gibt es nicht. Es bedarf immer neuer, gezielter Initiativen, um spezifischen Herausforderungen zu begegnen. Das sei eine dauerhafte Aufgabe, bestätigt Berndt, findet aber auch dafür die positiv gewendete Formulierung. Man dürfe keine Resignation zulassen. „Die Stimmung muss sein: Ja, wir schaffen das.“

Von Ulrich Lottmann

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