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Einmarsch der Göttinger und Eichsfeld-Express

Reform 1973 Einmarsch der Göttinger und Eichsfeld-Express

Duderstadt hat zwar eines der ältesten und schönsten Rathäuser Deutschlands, verwaltet wird die Kommune aber vom Stadthaus an der Worbiser Straße aus. Dort residierte bis in die 1970er-Jahre die Verwaltung des damaligen Landkreises Duderstadt. Das architektonisch schlicht gestaltete Amtshaus ist ein steinernes Zeugnis der Zeit vor 1973.

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In diesem Jahr trat landesweit die Verwaltungs- und Gebietsreform in Kraft, seitdem ist das Untereichsfeld, wie auch der Altkreis Münden, Teil des neuen Landkreises Göttingen.
Auf Gemeindeebene gibt es seit dem Stichtag 1. Januar 1973 die Stadt Duderstadt mit ihren Ortsteilen und die beiden Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen mit ihren Mitgliedsgemeinden. Ziel der Landesregierung war, mit der Reform die Kommunalverwaltung in Niedersachsen zu straffen, effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Dazu wurden jeweils mehrere Dörfer zu größeren Einheiten zusammengefasst, so dass eine Zahl von etwa 8000 Bürgern je Verwaltungseinheit erreicht wurde.

Eine Folge der Reform war die Auflösung der Kreisverwaltungen in Duderstadt und Hann. Münden. Das wurde insbesondere in Duderstadt sehr bedauert, wie sich Siegfried Schmidt als ehemaliger Amtsleiter der Duderstädter Kreisverwaltung erinnert. „Es hatte im Vorfeld der Reform zahlreiche Stellungnahmen von Parteien, Verbänden und prominenten Einzelpersonen gegeben, die sich für den Erhalt des Zonenrandkreises Duderstadt aussprachen. Doch alles half nichts, der Kreissitz Duderstadt ging verloren. Unsere Mannschaft hier musste ab ‘73 nach Göttingen fahren, wo die Kolleginnen und Kollegen fortan beschäftigt waren.“ Gefahren seien alle mit einem eigens gemieteten Bus, der als Eichsfeld-Express bezeichnet worden sei, erzählt Schmidt.

Rund ein Jahr habe im Göttinger Kreishaus die Schaffung neuer Strukturen und die Eingliederung des Personals gedauert. Und der Auftakt sei – zumindest in Duderstadt – nicht schön gelaufen. Schmidt beschreibt die Übernahme der Amtsgeschäfte im Duderstädter Kreishaus mit den Worten: „Die Göttinger sind hier einmarschiert, wie die Amerikaner nach dem Kriege in Deutschland“. Dank der ausgleichenden Art des ersten Oberkreisdirektors für den Großkreis Göttingen, Rudi Ronge, sei die Kreisverwaltung dann aber in ruhigeres Fahrwasser gekommen.

An die Umstellung und Neuordnung im Bereich der Stadt Duderstadt erinnert sich Amtsleiter Heinrich Schenke: „Duderstadt hatte sich bereits 1971 mit Westerode zusammengeschlossen. Als dann ‘73 die große Reform anstand, kamen die übrigen 13 Ortsteile dazu.“ Das habe die Übernahme einer großen Zahl von Mitarbeitern aus den bis dahin selbstständigen Gemeindeverwaltungen bedeutet, macht Schenke deutlich. Aber letztendlich sei das gelungen. Damit einher ging die Übersiedlung der Stadtverwaltung vom historischen Rathaus in das ehemalige Kreishaus an der Worbiser Straße. „Vieles musste neu geregelt werden, viele Kontakte waren neu zu knüpfen. Ein neuer Stadtrat war zu bilden, die Ortsräte formierten sich. Alles in allem war das eine sehr lebendige Zeit, die hohe Anforderungen an alle Mitarbeiter stellte“, fasst Schenke zusammen.

Neue Strukturen bildeten sich auch in der 1973 entstandenen Samtgemeinde Radolfshausen. Hier gab es besondere Herausforderungen zu bewältigen angesichts der unterschiedlichen konfessionellen Prägung, den evangelischen Orten außerhalb des Untereichsfelds und den katholischen Dörfern Seulingen, Seeburg und Bernshausen. An den schwierigen Start erinnert sich der langjährige Vorsitzende der SPD-Samtgemeinderatsfraktion Werner Linne: „In den neu zu bildenden kommunalen Gremien begegneten sich viele einander unbekannte Menschen, und für uns SPD-Genossen war die massive CDU-Dominanz in den Eichsfelddörfern unserer Samtgemeinde schon ein Problem“, so Linne. Über die Jahre hinweg habe es sich jedoch als richtig erwiesen, dass die Radolfshäuser sich für die Bildung einer Samtgemeinde entschieden hätten. In dieser Verwaltungsform hätten die Mitgliedsgemeinden ein größeres Maß an Selbstständigkeit behalten als in einer Einheitsgemeinde. Insbesondere die Tatsache, dass die Mitgliedsgemeinden eigene Haushalte aufstellen könnten, ermögliche ihnen doch einen sehr viel größeren Spielraum als dies in Einheitsgemeinden der Fall sei.

Den Gedanken, die Samtgemeinde Radolfshausen nur aus den evangelischen Dörfern zu bilden, sei verworfen worden. Unter diesen Bedingungen wäre die Zielzahl von 8000 Einwohnern nicht zu erreichen gewesen, ruft Linne in Erinnerung. Sein Eindruck sei aber auch, dass die kommunalpolitischen Gremien in der Samtgemeinde sich inzwischen zusammengerauft hätten. Das Miteinander klappe sehr gut, stellt Linne fest, der sich nach der letzten Kommunalwahl aus der aktiven Kommunalpolitik zurückgezogen hat.
Zurückgezogen hat sich inzwischen auch Franz Josef Wüstefeld. Er war erster hauptamtlicher Samtgemeindedirektor der ebenfalls 1973 gebildeten Samtgemeinde Gieboldehausen.

Zur heutigen Samtgemeinde habe es Vorstufen gegeben, erinnert sich Wüstefeld. So habe sich beispielsweise die Gemeinde Obernfeld bereits 1970 in Gieboldehausen um eine gemeinsame Verwaltung bemüht, was dann auch umgesetzt wurde. Ebenso hätten auch die Gemeinden Wollershausen und Lütgenhausen früh Interesse an einer Zusammenarbeit bei der Verwaltung gezeigt, obwohl die Orte damals noch zum Landkreis Osterode gehörten. Das sei auf Landesebene mit Sympathie begleitet worden, wie sich Wüstefeld erinnert. Bei Umsetzung der Verwaltungs- und Gebietsreform 1973 sind Wollershausen und Lütgenhausen dann tatsächlich dem Gebiet der Samtgemeinde Gieboldehausen zugeschlagen wurden.

Entgegengesetzt verlief es bei Lindau. Der eichsfeldische Ort war und ist in seinen Wirtschafts- und Verwaltungsbeziehungen eher nach Northeim ausgerichtet. So wurde Lindau dem Kreis Northeim zugeschlagen, obwohl es historisch und landsmannschaftlich weiterhin dem Untereichsfeld zugehörig ist.

  Zwei Verwaltungsmodelle
 

Mit der Verwaltungs- und Gebietsreform von 1973 setzten sich in Niedersachsen im wesentlichen zwei Verwaltungskonzepte durch: die Einheitsgemeinde wie die Stadt Duderstadt mit ihren Ortsteilen, und Samtgemeinden wie Radolfshausen und Gieboldehausen mit ihren Mitgliedsgemeinden. Der Hauptunterschied zwischen den Formen ist, dass die Mitgliedsgemeinden in einer Samtgemeinde eine höhere Selbstständigkeit haben als die Ortsteile in einer Einheitsgemeinde. Das wird insbesondere im Bereich Finanzen deutlich. Die Mitgliedsgemeinden in der Samtgemeinde stellen weiterhin ihre eigenen Haushalte auf. Die Ortsteile einer Einheitsgemeinde haben nur ein ihnen zugemessenes Budget zur eigenen Verteilung.

In der Verwaltung erledigt die Einheitsgemeinde alle kommunalen Aufgaben in eigener Zuständigkeit, auch für die Ortsteile. In der Samtgemeinde dagegen entscheiden die Mitgliedsgemeinden, welche Aufgaben sie der gemeinsamen Samtgemeindeverwaltung übertragen. Das sind im Regelfall das Pass- und Meldewesen, die Trägerschaft für die Grundschulen, der Bereich Feuerwehr, das Aufstellen von Flächennutzungsplänen oder auch Bau und Unterhaltung von Gemeindeverbindungsstraßen.

Von Sebastian Rübbert

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