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Einst prägende Tierarten sind heute gefährdet

Sielmann-Stiftung Einst prägende Tierarten sind heute gefährdet

Tierhaltung prägte bis Mitte des letzten Jahrhunderts die Landschaft des Eichsfelds und das Leben seiner Bewohner. Auf den Trocken- und Magerwiesen in Hoch- und Hanglagen graste die schokoladenbraune Thüringer Wald Ziege – auffällig durch ihre weiße Gesichtsmaske – neben dem wolligen Leineschaf.

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Hühner sieht man außerhalb von Großbetrieben immer weniger: Auf Gut Herbigshagen informiert Helfried Heinrich über Tierhaltung.

Quelle: SPF

Karren und Pflüge wurden von Kühen und Ochsen gezogen, deren rot-braunes Fell einen Kontrast zu den hellen Hörnern und dem rosigen Flotzmaul bot. Die vom Harz bis ins Eichsfeld vorrangig verbreitete Rasse des Harzer Rotviehs zeichnete sich durch seine Genügsamkeit aus und lieferte reichhaltige Milch und schmackhaftes Fleisch. Wurden die Tiere nicht zur Arbeit in der Landwirtschaft gebraucht, grasten sie auf den kräuterhaltigen Weiden oder im Schatten der Obstbaumkronen, wobei sie die Obstwiesen gleich von Unterholz und Unkraut befreiten. Mitarbeiten mussten auch die Thüringer Kaltblüter und die schweren Warmblüter – Pferderassen, die in Land- und Forstwirtschaft ebenso eingesetzt wurden wie vor Milch- und Brauereiwagen und anderen gewerblichen Fuhrwerken.

Heute stehen das Harzer Rotvieh, das Leineschaf und die Thüringer Wald Ziege auf der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen. Sie wird erstellt vom Verein Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH). Lebende Exemplare bedrohter Rassen können Besucher auf Gut Herbigshagen beobachten.
„Die Erhaltung der Schöpfung lag im Sinne Heinz Sielmanns“, erklärt Helfried Heinrich, Leiter des Schulbauernhofs bei der Heinz-Sielmann-Stiftung. Hier will man über die gefährdeten Haustiere informieren und sie der Öffentlichkeit zeigen. Daneben sind auch solche Tiere zu sehen, die zwar noch nicht auf der Roten Liste stehen, aber inzwischen im Erscheinungsbild der Dörfer seltener werden wie Enten, Gänse und Esel. „Imker und Taubenzüchter klagen über große Nachwuchssorgen, und selbst Hühner außerhalb von Großbetrieben sieht man immer weniger“, weiß Heinrich.

„Nutztierhaltung im kleinen Stil macht viel Arbeit und lohnt sich heute kaum“, sagt Albrecht Siegesmund, Fachgruppenleiter der Landwirtschaftskammer, Bezirksstelle Northeim. Seit Ende der 1950er- Jahre habe der technische Fortschritt zunehmend die betriebliche Struktur in der Landwirtschaft verändert. „Der Trend geht in die Richtung: weniger Nutztierhalter, mehr Tiere in Großeinheiten“, erklärt der Fachmann. Teure Tränken, Futterautomaten, Melkmaschinen, Traktoren und weiteres würden sich bei einer geringen Tierzahl nicht rentieren. So hätte man mit weniger Tieren letztendlich mehr Arbeit.

Allerdings würden einige Landwirte Nischen entdecken, wo auch eine kleinere Viehzahl wieder rentabel wird. Dazu gehörten für diese Region exotische Rassen wie beispielsweise Highlandrinder aus Schottland oder die Umstellung des Hofes auf Direktvermarktung. „Die Kunden fragen heute öfter, woher das Fleisch kommt. Die Bauern reagieren darauf. Manche verkaufen im eigenen Hofladen ihre Produkte, andere beliefern hiesige Supermarktfilialen mit Wurst und Fleisch aus eigener Schlachtung“, weiß Siegesmund. Nur Verkaufstresen, deren Produkte aus der Region kämen, bestimmte Bedingungen erfüllten und den Qualitätskriterien entsprächen, dürften sich „Landmarkttheken“ nennen.

Dass trotzdem einige Tierrassen durch neue Züchtungen verdrängt wurden, liege unter anderem an den veränderten Ansprüchen der Verbraucher, erklärt Heinrich auf Gut Herbigshagen. „Die Milch des Rotviehs ist reichhaltig und hat einen hohen Fettanteil. Das war in kargen Zeiten und nach den Kriegen, wo viele Menschen Hunger litten, von Vorteil. Heute ist fettarme Milch gefragt“, sagt der Mitarbeiter der Sielmann-Stiftung. Die seit Jahrzehnten auch im Eichsfeld verbreiteten Schwarz-Bunten lieferten mehr und fettärmere Milch als das Rotvieh. Zudem verändere sich innerhalb der Nutzviehrassen einiges im Sinne der Verbraucher. So habe man bei Schweinen die muskulöseren Pietrain – eine belgische Rasse – eingekreuzt. Nun sei das Fleisch zwar nicht mehr so fetthaltig, dafür aber bleicher, weicher und wässriger. Außerdem seien die Schweine durch diese Einkreuzung stressanfälliger geworden, erklärt Heinrich.

Inzwischen fördern neben der Sielmann-Stiftung verschiedene Vereinigungen die Erhaltung alter Haustierrassen. „Das geschieht einerseits aus Ethik und Traditionsbewusstsein heraus. Andererseits will man das alte Erbgut erhalten, um es frisch in neue Rassen einkreuzen zu können und Inzuchtdepressionen zu vermeiden. Außerdem will man bestimmte Besonderheiten dieser Tiere bewahren. Jede Rasse hat sich im Laufe der Zuchtgeschichte auf seine Umgebung spezialisiert“, sagt Heinrich und blickt über die hügelige Weide, wo das Harzer Rotvieh der Sielmann-Stiftung wiederkäuend in der Herbstsonne döst.

Von Claudia Nachtwey

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