Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Familiennamen verraten oft den Heimatort

Herkunft und Bedeutung Eichsfelder Namen Familiennamen verraten oft den Heimatort

Der Familienname verrät im Eichsfeld oft den Heimatort. Wer beispielsweise Wucherpfennig heißt, der kommt sicherlich aus Seulingen, die Nörthemanns sind in Gerblingerode besonders oft anzutreffen und die Ehbrechts, die findet man gehäuft in Obernfeld.

Voriger Artikel
Lindenallee, Wisperkirsche, Erbsenbär: „Was ist denn hier los?“
Nächster Artikel
„Langeweile muss man hier nicht haben“

Finden sich auch auf vielen Firmenschildern wieder: typische Eichsfelder Namen.

Quelle: Tietzek/Montage Oestenkaer

Eichsfeld. Das sind nur Beispiele für eine in der gesamten Region weit verbreitete Tendenz zur Bindung von Familiennamen an bestimmte Ortschaften. Es gibt aber auch, gewissermaßen als verbindendes Element, über Städte und Dörfer hinweg in der gesamten Region den schönen Name Nolte. Er füllt allein im Telefonbuch Duderstadts ganze Seiten.
So kommt es bei privaten Treffen oder offiziellen Terminen auch immer wieder vor, dass die Gästeliste gleich mehrere Noltes ausweist, die zumeist aber durch ihre Vornamen zu unterscheiden sind. Sehr schön dokumentierte sich das beispielsweise in den Tagen der Grenzöffnung, als zwischen Nesselröden, Immingerode und Böseckendorf die deutsch-deutsche Trennlinie fiel. Mit viele Freude waren unter anderem dabei Wolfgang Nolte, Stadtdirektor Duderstadt, Josef Nolte, Ortsbürgermeister Nesselröden, und Wigbert Nolte, Ortsbürgermeister Immingerode. (Neben ihrem Nachnamen einte die drei auch noch die Parteizugehörigkeit als Mitglieder der CDU.)

Wie die manchmal eigenwilligen Familiennamen im Eichsfeld zu deuten sind, darüber hat sich der ausgewiesene Experte für Familiennamen Jürgen Udolph aus Sieboldhausen Gedanken gemacht und wissenschaftlich geforscht. Udolph hatte über mehrere Jahre hinweg einen Lehrstuhl für Namenforschung an der Universität Leipzig und ist auch jetzt noch emsig dabei, Familiennamen in Norddeutschland auf den Grund zu gehen. Vielen Radiohörern ist er zudem als Namensexperte bekannt, der beispielsweise in Norddeutschen Rundfunk eigene Serien wissenschaftlich und zugleich aber unterhaltsam gestaltet.
Zurück zu Nolte: Was bedeutet dieser Name denn nun eigentlich? Er hat seine Wurzeln im germanischen Namen Arnold, wobei die Buchstabenkombination Ar dem germanischen Aar entspricht und das wurde mit dem Begriff Macht gleichgestellt.

Bei den Nörthemanns schließt Udolph auf eine Herkunft aus Nörten-Hardenberg. Bei einem Nörtemann handelt es sich also um einen Mann, der aus Nörten-Hardenberg hierher gekommen ist. Das ist auch aus kirchenhistorischer Sicht nachvollziehbar, denn Nörten-Hardenberg und das Eichsfeld waren auf klerikaler Ebene eine Zeit lang eng verbunden.
Den in Seulingen so verbreitenen Nachnamen Wucherpfennig deutet Udolph als Charakteristikum eines Menschen, der viel mit Geld umgeht, vielleicht ein Geizhals ist und Geld gegen Zinssätze ausleiht, die es in sich haben. Wüstefelds, die beispielsweise in Mingerode und Bilshausen häufig vertreten sind, sind Menschen, die wahrscheinlich in Bereichen gelebt haben, deren Flurname auf eine Wüstung hindeuten, auf einen Bereich, der wüst und nicht bebaut ist.

Und noch ein Beispiel: Engelhardts finden sich in größerer Zahl in Bilshausen. Bei dem Namen könnte man auch einen christlichen (Engel) Hintergrund tippen. Tatsächlich, so erläutert Udolph, geht der Name aber auf die germanische Sprache zurück, wobei die Silbe Engel mit Angel gleichzusetzen ist. Angel könnte zum einen für eine Gaubezeichnung stehen zum anderen aber auch für Haken, Klammer oder anderes. Und die zweite Silbe Hard bedeutete im Germanischen etwa kernig, kräftig. Und noch ein letztes Exempel: Ehbrecht, sehr oft in Obernfeld zu finden, ist nach Erläuterung Udolphs eine Nebenform des Vornamens Eggebrecht. Das aber lässt sich mit Aggi (Egge) sinngemäß Kante, Schärfe übersetzen. Und „brecht“ heißt im Germanischen berühmt.

Die Reihe der Namensdeutungen ließe sich noch lange fortsetzen, aber für das Eichsfeld nennt der Namens-Professor noch eine ganz besondere Komponente. Es gibt in dieser Region nämlich Nachnamen, die eindeutig aus dem Mainzer Raum eingeflossen sind. Und das ist auch kein Wunder, denn schließlich stand das Eichsfeld ja über Jahrhunderte hinweg unter dem kirchlichen, politischen und kulturellen Einfluss des Erzbistums Mainz.

Ein solche Name ist beispielsweise Pfützenreuter. Ein Hans Pfützenreuter war Mainzer Schultheiß im eichsfeldischen Breitenbach. Die Namensendung „reut“ für Rodung stammt ganz eindeutig nicht aus dem Eichsfeld, wo es „rode“ (wie Immingerode) heißt. „Reut“ ist hier also wahrscheinlich aus der Mainzer Region eingebracht worden.
Schmunzelnd berichtet Udolph auch von einer Tendenz in Deutschland – so auch im Eichsfeld – nicht ganz häufige Familiennamen auf hugenottische Vorfahren zurückzuführen. Ein solcher Rückbezug kann für das Eichsfeld aber nicht gelten, den diese Region war während der Zeit des Hugenotten-Exodus aus Frankreich rein katholisch. Sehr viel häufiger sind dagegen Familiennamen, die aus dem slawischen Bereich hier einflossen – unter anderem in der Nachkriegszeit, als die Flüchtlingsströme gen Westen rollten. Beispiele sind Namen wie Kowalski, Podolski und andere.

Zusammenfassend weist Udolph darauf hin, dass es für Nachnamen grundsätzlich vier Entstehungsgruppen gibt: 1. Solche, die sich aus alten Vornamen entwickelt haben, 2. Herkunftsnamen (Städte, Dörfer, Regionen), 3. Berufe und 4. Namen, die etwas über besondere Eigenschaften eines Menschen aussagen.
Tatsächlich hat sich in weiten Kreisen der Bevölkerung ein großes Interesse an der Deutung von Nachnamen entwickelt, und so gibt es denn auch immer wieder Nachfragen zu bestimmten Namen, die inzwischen von Schülern Udolphs in Leipzig kompetent beantwortet werden.

Von Sebastian Rübbert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wir im Eichsfeld
Wir im Eichsfeld: Die Orte
Bürgerfest Hochwertige Preise bei Lebenshilfe-Tombola Die Lose für die Tombola werden bereits verkauft.

Eine der Hauptattraktionen beim Bürgerfest der Lebenshilfe Eichsfeld ist die große Tombola, wo hochwertige Preise zu gewinnen sind. Und ein guter Zweck wird damit ebenfalls erfüllt: Die Erlöse aus dem Losverkauf kommen den Menschen mit Behinderung und der Arbeit der Lebenshilfe zugute.

mehr