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Früher Machtanspruch, heute Funktionsbau

Rathäuser spiegeln Verständnis vom Gemeinwesen Früher Machtanspruch, heute Funktionsbau

Rathäuser haben in Gemeinden und Städten eine zentrale Funktion. Hier wird Kommunalpolitik betrieben, von hier aus wird verwaltet, hier kann der Bürger seine Wünsche, Anregungen und Beschwerden vortragen. Neben der Funktion ist auch die Form von Bedeutung.

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Alte Gemeindeverwaltung: Marktstraße 28 in Gieboldehausen.

Quelle: EF

Die architektonische Gestaltung des Rathauses dokumentiert das Selbstverständnis eines Gemeinwesens. Früher gab es dem Machtanspruch einer wirtschaftlich gefestigten Bürgerschaft Ausdruck. Heute sollen sie das Bild einer effizienten Verwaltung vermitteln.

Ein Beispiel für Machtanspruch ist das Duderstädter Rathaus mit seinen Türmen. Es ist eines der ältesten Deutschlands. Über die sieben Jahrhunderte seines Bestehens hinweg hat es viele Veränderungen erfahren. Vor kurzem wurde die Grundsanierung des Duderstädter Wahrzeichens abgeschlossen. Damit ist der weg frei, das Nutzungskonzept des repräsentativen Gebäudes im Herzen der Stadt weiter zu entwickeln. Denn: Sitz der Duderstädter Stadtverwaltung ist seit 1976 das Stadthaus in der Worbiser Straße. So ist in der Marktstraße Platz beispielsweise für die Stadtbibliothek. Ihr Umzug ist bereits angeschlossen. Weiterhin soll das Rathaus ein Zentrum für Kunst und Kultur sowie für Kongresse sein. Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) verweist zudem auf die Nutzung des großen Bürgersaales für Ausstellungen und Konzerte. Noch zu realisieren ist der Umzug der Tourist-Information in das Kophus, das historische Kaufhaus im Kellergewölbe, und die Einbeziehung der unter Schutz stehenden Fledermauskolonie im Dachgebälk des Rathaus in die Präsentation des Gebäudes.

Emsig gearbeitet wird auch an den Vorhaben, den mittleren, höchsten Rathausturm für kleine Gruppen begehbar zu machen. Von dort bietet sich ein prächtiger Blick auf das Duderstädter Dächermeer. Weiter ausgestaltet wird auch noch der Hochzeitsraum im ehemaligen Bürgermeisterzimmer, das für diese Zwecke jetzt schon genutzt wird. Welcher Aufwand betrieben werden musste, um das historische Duderstädter Rathaus wieder in einen so guten Zustand zu bringen, ist einer Dokumentation zu entnehmen, die am Dienstag, 16.Oktober, im Rathaus vorgestellt wird.

Während das Duderstädter Rathaus also dem gesellschaftlichen und kulturellem Leben dient, stellt sich das Rathaus der Samtgemeinde Gieboldehausen als reiner Zweckbau dar. Hier geht die Verwaltung ihrer Tätigkeit nach. Es handelt sich um ein dreigeschossiges Gebäude, das in den Jahren 1971/72 von Karl-Ludwig Kohlrautz errichtet wurde. Es steht auf einem Grundstück, das vom ehemaligen Bürgermeister, Landrat und Landtagsabgeordneten Willi Döring (CDU) der Gemeinde günstig zur Verfügung gestellt worden war. Den im Augenblick schmucklosen Bau soll im kommenden Monat wieder sein großes Samtgemeindewappen zieren. Es ist mit viel Sorgfalt restauriert worden. Als Erfolg erwies sich in Gieboldehausen die vor zehn Jahren realisierte Einrichtung eines Bürgerbüros.

Für die Zukunft ist eine für die Ratsmitglieder erfreuliche Veränderung vorgesehen: Wie Alois Grobecker von der Verwaltung betont, soll der bislang im dritten Obergeschoss über 54 Stufen zu erklimmende Ratssitzungssaal ebenerdig in die nicht mehr genutzte Poststelle verlegt werden. Das wird so manches Ratsmitglied im Wortsinne aufatmen lassen.

Als richtig ist – aus heutiger Sicht – die Entscheidung der Samtgemeinde Radolfshausen zu werten, ihr Rathaus nicht in Seulingen, sondern in dem zentral gelegenen Dorf Ebergötzen errichten zu lassen. Das geschah 1968. Vom Architekten Georg Busch wurde ein zweigeschossiger Ziegelbau errichtet, der den Ansprüchen der Verwaltungsmitarbeiter in jeder Hinsicht gerecht werde, wie Bürgermeister Wolfgang Wucherpfennig (SPD) betont. Es stünden ausreichend Büros zur Verfügung, ebenso Parkplätze für Mitarbeiter und Besucher der Verwaltung.

Ihre Wünsche werden zumeist in einem im Jahre 2005 eingerichteten Bürgerbüro erfüllt. Eine Besonderheit des am Rande Ebergötzens gelegenen Rathauses: Auf dem Dach wurde eine Photovoltaik-Anlage installiert. Sie wird von einem Privatmann betrieben, der an die Gemeinde einen vergleichsweise geringen Mietzins entrichtet. Optisch ist der in rotem Klinker gehaltene Verwaltungsbau den in der Region sehr verbreiteten Gebäudetypen angepasst. Als weitere Besonderheit nennt Wucherpfennig die Tatsache, dass auch die örtliche Polizeistation mit im Rathaus untergebracht ist. So könnten auf kurzem Wege viele beide Bereiche angehende Fragen und Probleme gelöst werden, so der Bürgermeister .

Von Sebastian Rübbert

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