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Jagd und Landschaftspflege im Eichsfeld

Begleitserie Folge 16 Jagd und Landschaftspflege im Eichsfeld

Die öffentliche Debatte über das Thema Jagd ist zumeist emotional aufgeladen, der Graben zwischen passionierten Jägern und militanten Jagdgegnern tief. Auch im Eichsfeld wird kontrovers über die Jagd diskutiert, anders als in Ballungsräumen aber weniger gereizt und eher vereinzelt.

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Im Morgennebel: Jürgen Werner steigt auf die Kanzel zur Ansitzjagd im Ebergötzer Revier.

Quelle: Mahnkopf

„Wir haben ein besonderes Verhältnis zur Bevölkerung – und auch zur Kirche“, betont der Vorsitzende der Jägerschaft Duderstadt, Hans-Georg Kracht: „Hier wird miteinander gesprochen.“ Auch die Öffentlichkeitsarbeit werde groß geschrieben, sagt Kracht. Als ein Beispiel nennt er das Jagdmobil, mit dem Helmut Nolte Kindergärten und Schulen aufsucht. Seit 27 Jahren zelebriert Propst Wolfgang Damm die Hubertusmesse. „Damit hat er sich fast schon selbst einen Jagdschein erworben“, scherzt Krachts Stellvertreter Thomas Ehbrecht.

Wie sehr die Jagd im gesellschaftlichen Leben des Eichsfelds verwurzelt ist, zeigte sich auch beim 60. Geburtstag der Jägerschaft im vergangenen Jahr mit Landesjägertag und Jägermeile in der Duderstädter Fußgängerzone. Kracht freut sich über das gute Miteinander von Jagdpächtern und -genossenschaft ebenso wie über die reibungslose Zusammenarbeit mit Polizei und Kommunen – von der Wildschadenschätzung bis zu Pflanzaktionen. Alle Termine und Probleme werden mit den beiden anderen Jägerschaften im Landkreis – Göttingen und Hann. Münden, den Kreisjägermeistern und der Jagdbehörde abgestimmt.

Als noch verbesserungwürdig betrachtet Kracht die Kooperation mit Landvolk und Landwirtschaft. Zugleich lobt er die guten Ansätze beim Rebhuhn-Schutzprojekt des Kreises und den so genannten Lerchenfenstern als Programm der Landesjägerschaft zur Schaffung von Schutzräumen innerhalb von Getreidefeldern. „Es ist toll, dass wir die Landwirte hier überzeugen können und dass sie mitmachen“, so Kracht.

Der ehemalige Landkreis Duderstadt mit intensiver Landwirtschaft und einem relativ geringen Waldanteil von rund 13 Prozent ist keine ausgesprochene Hochburg der Jagd, die Jägerschaft Duderstadt zählt nicht gerade zu den großen Jägerschaften im Flächen- und Jagdland Niedersachsen. Dafür glänzt die Jägerschaft mit ihren Bemühungen um den Naturschutz und verschafft sich mit den Jagdhornbläsern als Aushängeschild bundesweit Gehör. Seit 30 Jahren ist den Jagdhornbläsern, die immer wieder auf Landes- und Bundesebene auf dem Podest landen und viele Events in der Region musikalisch begleiten, nicht die Puste ausgegangen. Neun Mal waren sie Landesmeister, einmal Deutscher Meister und drei Mal Vizemeister – so auch zurzeit.

Nachwuchssorgen hat die Jägerschaft nicht. Die Zahl der Mitglieder steigt seit Jahren und ist inzwischen auf mehr als 500 angewachsen, darunter auch viele junge Leute. „Gute Ausbildung hat Priorität“, sagt Kracht: „Wir bilden die Nachwuchsjäger selbst aus und legen dabei großen Wert auf Naturschutz.“ „Alle Neujäger bekommen hier auch Gelegenheit zur Jagd, werden von den alten Hasen unter den Jägern aufgenommen und begleitet“, ergänzt Ehbrecht.

„Natur und Artenschutz werden bei uns groß geschrieben“ heben er und Kracht unisono hervor. Als Beispiele nennen sie die Pflanzung von Hegebüschen, die Unterstützung der Greif- und Eulenstation Rüdershausen und den bei Desingerode angelegten Teich. Und wollen auch künftig nicht rasten. Der Storchenschutz, für den jüngst wieder eine Nisthilfe bei Obernfeld aufgestellt wurde, ist ein noch junger Schwerpunkt, über den Teich bei Desingerode hinaus sollen weitere Feuchtbiotope angelegt und vernetzt werden.

„Wir schießen nicht nur, sondern steuern auch gegen, um Populationen wieder zu erhöhen – wie beim Rebhuhn-Schutzprojekt“ sagt Kracht. In unserer Kulturlandschaft seien Jäger als Regulatoren unverzichtbar. Für Reh- und Hochwild gebe es Abschusspläne, die am Populationszuwachs ausgerichtet seien. Alles werde statistisch erfasst – vom Sichtungs-Monitoring bis zu den Abschusszahlen.

Durch die politische Wende hat sich auch das Wildaufkommen verändert. „Die innerdeutsche Grenze war eben auch ein Todesstreifen für Tiere“, verweist Kracht auf die strikte Populationstrennung durch Minen und Stacheldraht. Zur Zeit des Kalten Krieges wurde im Krebecker Revier vom Umland ausgeschlossenen Berliner Jägern eine Möglichkeit zur Jagd geboten. Beim Jagen stieß man im Eichsfeld immer wieder an die Grenze. So mussten Gesellschaftsjagden im Grenzbereich bei Zoll und Bundesgrenzschutz angemeldet werden.
Vor der Grenzöffnung habe es im niedersächsischen Teil des Eichsfelds praktisch kein Dam- und Rotwild gegeben, merken Kracht und Ehbrecht an: „Hochwild war hier früher eine Rarität.“ Inzwischen verirre sich neben Wildschweinen, die durch ihre rasante Vermehrung zum Problemwild geworden sind, auch Dam- und sogar Rotwild vom Ober- ins Untereichsfeld.
Das bleibt jedoch eine Ausnahme. Auf den in vier Hegeringe als Unterorganisation der Jägerschaft Duderstadt aufgeteilten mehr als 22000 Hektar Jagdfläche, über die die Jägerschaft im waldarmen Untereichsfeld verfügt, gibt es ausschließlich Niederwild-Reviere – 52 an der Zahl. Zum Niederwild zählt auch das normale Rehwild.

Es gibt aber auch Grenzgänger und Zuwanderer, die von Jägern und Naturschützern im Untereichsfeld nicht gerne gesehen werden: Der Waschbär und der Enok respektive Marderhund. Der Waschbär breite sich derzeit im Eichsfeld aus, sei nachtaktiv und schwer zu bejagen, bestätigt Kracht. Ebenso wie für den Marder sei die Fallenjagd mit Lebendfallen und anschließender waidgerechter Tötung deshalb unumgänglich. Allerdings, schränkt Kracht ein, gefährde der Waschbär noch nicht die Waldökologie, sondern störe eher als Kulturfolger im Siedlungsbereich.

Von vielen Jägern nicht ganz unkritisch gesehen werde die Rückkehr und Wiederansiedlung von Beutegreifern wie dem Luchs, räumt Kracht ein. Grundsätzlich werde die Luchs-Auswilderung im Harz aber von der Jägerschaft, die einen eigenen Luchs-Beauftragten hat, unterstützt: „Raubtiere sollten nicht als Jagd-Konkurrenten betrachtet werden.“ Zumindest in den waldreichen Gebieten Niedersachsens werde in den nächsten Jahren auch der Wolf wieder Einzug halten, prognostizieren Kracht und Ehbrecht.

Von Kuno Mahnkopf

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