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„Jeder ist gefordert, Heimat eine Form zu geben“

Begleitserie "Wir im Eichsfeld" Folge 14: Heimatvereine „Jeder ist gefordert, Heimat eine Form zu geben“

Unter dem Namen „Goldene Mark“ ist in erster Linie die fruchtbare und fertile Boden-Landschaft des Untereichsfeldes bekannt. Aber auch ein in dieser Region seit 1950 aktiver Heimatverein hat sich diese Bezeichnung zu eigen gemacht.

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Quelle: Tietzek

Welche Funktionen und Aufgaben die Gruppierung „Goldene Mark“ erfüllen möchte, mag sich auf den ersten Blick sofort durch ihren Titel „Heimatverein“ erklären. Doch auf den zweiten Blick ergibt sich die Frage: Was ist Heimat überhaupt?

Die Lösung zu diesem Rätsel hat der Vorsitzende der „Goldenen Mark“, Helmut Bömeke, für sich definiert. „Heimat ist für mich eine vertraute Umgebung, in der ich meine Seele baumeln lassen kann“, lautet die Antwort des seit 1981 amtierenden Vereinsvorsitzenden. Das Heimat-Gefühl speise sich zum einen aus der Verbundenheit mit der Region, aus Traditionen und dem Hineinwachsen in die lokalen Sitten und Gebräuche. Zum anderen sei aber auch die Kenntnis und das Wissen über Kultur, Umgebung und sozialen Kosmos der eigenen Lebenswelt ein wichtiger Aspekt, damit ein Ort nicht nur ein Wohnsitz, sondern Heimat sein könne.

In Zeiten, in denen das große Schlagwort „Globalisierung“ das gesellschaftliche Gefüge aufmischt und nachhaltig verändert, erscheint auch die Bedeutung von „Heimat“ in einem neuen Licht. Menschen müssen sich im Beruf nicht selten durch die Qualitäten Mobilität und Flexibilität auszeichnen und den Geburtsort verlassen, um in der „Fremde“ eine neue Existenz zu gründen. Auch für diese Menschen sei es wichtig, ihre neue Heimat kennenzulernen, so Bömeke. Hier beginnt der Aufgabenbereich des Heimatvereins „Goldene Mark“.

Den Schwerpunkt der Vermittlungs- und auch Aufarbeitungstätigkeit bildet die Herausgabe von Publikationen. Die „Goldene Mark“ hat von 1950 bis 1991 in 42 Jahrgängen 123 Zeitschriften-Ausgaben mit bis zu 160 Heften herausgebracht. Zugunsten der gesamteichsfeldischen Heimatforschung erscheint seit 1993 in Zusammenarbeit mit dem Verein „Eichsfeldische Heimatkunde“ statt der „Goldenen Mark“ nun das „Eichsfeld-Jahrbuch“.
Neben diesen regelmäßig erscheinenden Schriften gibt der Verein „Goldene Mark“ auch viele Sonder-Editionen heraus. Darunter sind Titel wie „Das tausendjährige Duderstadt“, „Die Bildstöcke des Untereichsfelds“ oder „Die Kirchen im Eichsfeld – Kirchen- und Kunstführer“, sowie eine Festschrift zum 50-jährigen Bestehen. Doch nicht nur in schriftlicher Form leistet der Verein einen Beitrag zur Heimatpflege, auch Vorträge, Besuche, Studienfahrten und Führungen werden von seinen Mitgliedern organisiert.

Nach solch langer und vor allem produktiver Zeit fällt es schwer zu glauben, dass dem Verein „Goldenen Mark“ eine zunehmend schwerer lastende Crux auferlegt sein soll. Vorsitzender Helmut Bömeke aber bringt es auf den Punkt: „Zukunft“ heißt das Problem. „Wir haben im Moment rund 150 Mitglieder. Diese jedoch werden immer älter und wir verlieren mehr von ihnen als wir gewinnen“, so Bömeke. Auch der zweite Vorsitzende Helmut Mecke weiß: „Das Interesse für Heimatpflege-Arbeit bildet sich erfahrungsgemäß erst in späteren Jahren heraus.“ Wo also geht die Reise hin?
Bömeke und Mecke wollen die Bedeutung des Wortes Heimat erneuern. „Heimatpflege darf den Blick nicht in die Vergangenheit richten. Heimatvereine müssen aktiv mitwirken, sie müssen Partner der Kommunen sein und sich gestalterisch einbringen“, erklärt Bömeke seine Vorstellungen. Dabei sei nicht einfach auf die Unterstützung des Staates zu hoffen, jeder Einzelne sei gefordert, um der Heimat eine Form zu geben. Vorbild für ein solches Programm sind die „Erzählcafés“, die es zum Beispiel in Bilshausen oder Duderstadt gibt. Hier kommen Jung und Alt ins Gespräch und unterhalten sich zusammen über Vergangenes, aber vor allem auch Zukünftiges.

Auch für jüngere Generationen interessant könnte in diesem Kontext die Veranstaltung „Mein Duderstadt am Brehmestrand“ sein, die am Sonnabend, 2. Oktober, ab 14 Uhr am Treffpunkt Hollenbachstift startet. Vorgestellt werden hier ehemalige und heutige Wasserwege, Mühlen und Teiche in Duderstadt. Ende des Jahres wird sich dieses Thema voraussichtlich auch in einem Sonder-Band über die Brehme wiederfinden. Ein weiterer Beitrag des Vereins „Goldene Mark“ also, der entsprechend dem Motto seiner Gründerväter lautet: „Lust auf Heimat“.

Von Anna Kleimann

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